Ironisch-liebevoll behandelt Nicole Holofcener in "Please Give" das Gutmenschentum einer New Yorkerin. Die Independent-Regisseurin findet das Filmbusiness sexistisch und wünscht sich mehr Arthouse-Kinos.
Um Geld und schlechtes Gewissen kreiste schon Ihr letzter Film "Friends with Money".
NICOLE HOLOFCENER: Das ist mir erst nach Fertigstellen des Drehbuchs aufgefallen, Themen wie Wohltätigkeit, Reichtum, Familie beschäftigen mich. So spielen in "Please Give" eigene und Erfahrungen von Freunden mit hinein. Ich habe auch schon öfter versucht, ehrenamtlich zu arbeiten und bin dabei an meine Grenzen gestoßen. Mit meinem Job und meinen beiden Kindern bin ich zwar ausgelastet, versuche aber trotzdem, anderen zu helfen. Alle meine Filme sind sehr persönlich, das war auch "Friends with Money". Wer genau hinguckt, findet immer ein Stück von mir.
Spüren Sie als Independent-Regisseurin etwas von der vielbeschworenen Krise?
Das Drehbuch stieß auf große Sympathie, aber das kommerzielle Potenzial schien einigen zu unsicher. Ein Investor sprang kurz vor dem Dreh ab. Erst war Sony Classics mit im Boot, dann kam der Rückzieher, letztendlich konnten wir sie doch noch überzeugen. Ein Wechselbad der Gefühle. Da Sony meinen letzten Film finanziert hatte, wollte ich gern die Zusammenarbeit fortsetzen. Seit der Finanzkrise gestaltet sich die Finanzierung eines Arthouse-Films schwieriger, der kleinste Risikofaktor schreckt ab. Dennoch darf ich nicht klagen, für meinen ersten Spielfilm "Walking and Talking" musste ich sechs Jahre lang kämpfen, hier dauerte es ein Jahr. Allerdings verfügten wir nur über ein Drei-Mio.-Dollar Budget.
Warum ärgerten Sie sich über die Bezeichnung Frauenfilm?
Haben Sie schon mal etwas von einem "Männer-Film" gehört? Ich nicht. Dieser Stempel diskriminiert. Beim Label "für ein weibliches Publikum", kommen Männer erst gar nicht. Diese willkürliche Einteilung ist sexistisch, wie das ganze Filmbusiness. Trotzdem kann ich mit meiner bisherigen Karriere zufrieden sein und von Glück reden, die Geschichten erzählen zu können, die ich will.
Inwieweit profitieren Sie von der TV-Arbeit?
Zusätzliche Erfahrung schadet nicht, ich lerne neue Schauspieler und potenzielle Crewmitglieder kennen. Ich hätte auch Angst, bei meinen wenigen Kinofilmen vielleicht die Praxis verlieren.
Gibt es eine Parallele zwischen Woody Allens New Yorker Humor und dem Ihren?
Ich habe als Heranwachsende keinen von Woody Allens New-York-Filmen verpasst, bin aber auch beeinflusst von Albert Brooks oder Mike Leigh. Mein Humor ist durch meine jüdische Herkunft geprägt, ich liebe einen gewissen Zynismus oder eine bestimmte Art von Ironie. Das ist aber kulturell, nicht religiös bedingt.
Gehen Sie oft ins Kino?
Ich bin zu beschäftigt mit meinen Kindern und meiner Arbeit. Einen neuen Film der Coen-Brüder schaue ich mir natürlich an, aber nicht unbedingt jeden Hollywood-Film. Die richten sich oft an ein junges Publikum und verkaufen es mit diesen Sequels für dumm. Filme, die mir gefallen, fliegen schnell wieder aus dem Kino. Ein schönes Arthouse-Kino nach dem anderen verschwindet, und bei der Fixierung auf das erste Wochenende schrumpfen die Chancen für alles, was nicht den Durchschnittsgeschmack bedient.