Als quirliges Gegenmodell zu den vielen allzu konformistischen und auf den Massengeschmack abgestimmten Pop-Prinzessinnen ließ Nelly Furtado im Jahr 2000 die internationale Musikszene mit ihrer Debüt-Single "I'm Like A Bird" und dem nachfolgenden Album "Whoa, Nelly!" aufhorchen. Im Gegensatz zu den seinerzeit dominierenden weiblichen Pop-Spitzenkräften schrieb sie einen großen Teil ihrer Alben selbst und überzeugte mit einer weitgefächerten Palette musikalischer Einflüsse, die sie zu einem ebenso vitalen wie mitreißenden Soundmix vermengte. Dabei schaffte die Sängerin das Kunststück, mit eingängigen Songs das Massenpublikum zu erreichen, ohne bei Freunden alternativerer Klänge in Ungnade zu fallen.
Bereits im frühen Kindesalter entdeckte die zweisprachig aufgewachsene Tochter portugiesischer Eltern ihre Liebe zur Musik und sang während ihrer Jugend in diversen Jazz-Bands und bei Musicals in ihrer kanadischen Heimat. Doch die Zeit zum Musizieren war knapp bemessen: Schon früh musste die aus einfachen Verhältnissen stammende Furtado zum Einkommen der Familie beitragen und arbeitete über Jahre während der Sommerferien gemeinsam mit ihrer Mutter als Zimmermädchen. Ihre musikalischen Vorlieben bewegten sich zunächst im Bereich Mainstream-R&B. Künstler wie Mariah Carey, TLC und Bell Biv DeVoe zählten zu ihren Favoriten. Später entdeckte sie die Plattensammlung ihres Bruders und erweiterte ihren musikalischen Horizont um Gruppen wie Radiohead, Pulp, Oasis, Portishead und U2, später um brasilianische Musik und Künstler wie Nusrat Fateh Ali Khan und Malia Rodrigues. Einen gewichtigen Einfluss auf ihre musikalischen Aktivitäten sollte außerdem der HipHop haben.
Nachdem sie die High School abgeschlossen hatte, zog es die in Victoria geborene Furtado nach Toronto, wo sie tagsüber für eine Alarmanlagen-Firma arbeitete und des Nächtens die dortige Musikszene entdeckte. Sie schloss sich dem HipHop-Duo Nelstar an und begann, eigene Melodien und Raps zu schreiben. Bei einem ihrer regelmäßigen Auftritte in den Clubs der Stadt wurden Brian West und Gerald Eaton von der kanadischen Funk-Pop-Gruppe The Philosopher Kings auf die junge Dame mit dem großen Talent aufmerksam und boten sich an, ein Demo mit ihr zu produzieren. Während der Aufnahmesessions schrieb Furtado bereits einen Großteil des Materials, das später auf ihrem Debütalbum erscheinen und für ihren Katapultstart in die internationale Musikbranche sorgen sollte.
Im Jahr 2000 veröffentlichte Dreamworks die Debütsingle "I'm Like A Bird", die der Sängerin international sofort hohe Chartsplatzierungen einbrachte. Das nachfolgende Debütalbum "Whoa, Nelly!" wurde nicht nur von der internationalen Musikpresse hoch gelobt, sondern überzeugte auch die Plattenkäufer rund um den Globus: Die CD erreichte mehrfachen Platinstatus in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Irland und wurde in elf weiteren Ländern vergoldet. Nach einer umjubelten Headliner-Tour durch die USA im Jahr 2001 und dem Gewinn mehrerer Juno-Awards in ihrer kanadischen Heimat erreichte Furtado bei der Grammy-Verleihung 2002 ihren bisherigen Karrierehöhepunkt: Gleich in vier Kategorien wurde die Newcomerin für den prestigeträchtigen amerikanischen Musikpreis nominiert. Am Abend der Verleihung durfte sie dann die Trophäe in der Kategorie "Best Female Pop Vocal Performance" für "I'm Like A Bird" in Empfang nehmen.
Nach ihrem rasanten Aufstieg in die Oberliga der internationalen Popszene gönnte sich Furtado 2003 eine Pause und konzentrierte sich zunächst auf gänzlich private Aufgaben. Im September brachte sie ihr erstes Kind, Tochter Nevis, zur Welt. Noch während der Schwangerschaft hatte Furtado neue Stücke für ihr zweites Album geschrieben und schon zwei Monate nach der Entbindung erblickte der Nachfolger des triumphalen Debüts das Licht der Welt. Mit "Folklore" feierte Furtado die Rückkehr in die internationalen Hitlisten und landete mit "Powerless (Say What You Want)" erneut einen großen Single-Hit. Bei der Verleihung der Juno-Awards 2004 ging Furtado mit fünf Nominierungen als Favoritin ins Rennen und durfte dann zumindest eine Trophäe für die Single des Jahres mit "Powerless" in Empfang nehmen. Zur Fußball-Europameisterschaft in Portugal steuerte Nelly Furtado im Juni 2004 mit "Forca" den offiziellen Song bei, den sie auch bei der Abschlussveranstaltung vor dem griechischen Triumph im Finalspiel live im Stadion sang. Zwei Jahre später schloss Furtado die Arbeiten an ihrem dritten Album ab, und meldete sich mit "Loose" im Frühsommer 2006 triumphal in der internationalen Pop-Branche zurück. Das Album, das in Zusammenarbeit mit US-R'n'B-Großmeister Timbaland enstand, stürmte in Deutschland, Großbritannien und in den USA direkt an die Chartsspitze und wurde innerhalb kürzester Zeit mit Edelmetall ausgezeichnet.