Kleine Schwester, ganz groß: Nachdem ihr großer Bruder Daniel zum Shooting-Star der britischen Popszene geworden war, zog Natasha Bedingfield ihren umwerfenden Pop-Ohrwurm "These Words" aus dem Hut und tat es ihm gleich.
Natsasha Bedingfield kam 1982 in Neuseeland zur Welt und wuchs in Lewisham im South East London als Tochter einer musikalischen Familie auf: Ihre Oma war Opernsängerin, beide Elternteile sangen ebenfalls und mit ihren Geschwistern Daniel und Nikola musizierte Natasha schon früh in ersten Bands. Als Teenager lernte sie Klavier und Gitarre spielen, musste sich nach Ende der Schulzeit aber zunächst für eine von zwei unmusikalischen Ausbildungsvarianten entscheiden: Zur Wahl standen ein Psychologie- und ein Kunststudium. Auf dem Art College wurde ihr empfohlen, beide Bereich zu verbinden und Kunsttherapie zu studieren, nachdem Natasha stets begeistert die emotionalen Aspekte ihrer eigenen Bilder interpretiert hatte. "Ich wusste schon damals, dass mich das Psychologiestudium auch als Songwriter weiter bringen würde", erklärte die Sängerin später. "Es konnte mir einen besseren Einblick in das Verhalten der Menschen geben. Ich hatte genug von inhaltloser Musik. Viele Leute denken sich eine Melodie aus und suchen dann noch irgendwelchen Worten, die dazu passen. Ich interessiere mich nicht für "Blah Blah"-Zeilen - ich möchte Texte, die mich genauso wie den Zuhörer provozieren."
Nach zwei Jahren an der Uni, während derer sie konstant in den Heimstudios ihrer Freunde an eigenen Songs gearbeitet hatte, gab Natasha das Studium auf, um sich ganz der Musik zu widmen. Als sie genug Songmaterial beisammen hatte, schickte sie schließlich ein Demo an das BMG-Label Phonogenic. Dort wurde sie daraufhin mit offenen Armen empfangen. Das Label verstand den Willen der Sängerin, sich in keine Schublade pressen zu lassen und stimmte in Sachen Vermarktung und Präsentation mit den Vorstellungen von Natasha überein. "Ich habe keine Lust, die nächste 'Miss XY' zu werden. Ich möchte ganz einfach ich selber sein. Und das kann alles möglich heißen", erläuterte sie. Das Label schickte sie nach Los Angeles, wo während der folgenden Sechs Monate die Aufnahmen zum Debütalbum erfolgten. Beim Songwriting erhielt sie Unterstützung von hochkarätigen Fachleuten wie Guy Chambers (u.a. Robbie Williams), Andy Frampton und Steve Kipner (u.a. Christina Aguilera, Janet Jackson) und Mark "Spike" Spent (u.a. No Doubt, U2, Björk). So entstanden die Songs teilweise bei spontanen Jams oder aus Fragmenten, die Natasha zuvor auf ihrem Diktiergerät oder in ihrem Notzbuch festgehalten hatte.
Daniel Bedingfield war mittlerweile zum Superstar in Großbritannien geworden. Mit Singles wie "Gott Get Thru This" führte er die britischen Charts an und wurde von den Medien bereits als neue Pop-Hoffnung gefeiert. Höchste Zeit für Natasha nachzulegen: Im Sommer 2004 erschien ihre erste Single "Single", mit der sie prompt auf Platz drei Verkaufscharts und sogar auf Platz eins der Radiocharts gelangte. Schon mit ihrer zweiten Single zog sie mit ihrem Bruder gleich: Mit dem mitreißenden "These Words" erreichte die blonde, gerade 22jährige Sängerin im September Platz eins der britischen Charts. Auch im europäischen Ausland und vor allem in Deutschland schlug der Song ein und marschierte bis auf Rang zwei der deutschen Singles-Charts. Auf ihrem Debütalbum "Unwritten", das im Oktober auf den Markt kam, zeigte sie dann die ganze Bandbreite ihres Könnens: Natasha Bedingfield präsentierte eine zündende Song-Palette zwischen HipHop, Rock und Dance. Sie überzeugte dabei nicht zuletzt mit ihren Texten, in denen sie voller Humor, Sprachwitz und Tiefe über Allerweltsthemen wie Liebe, Lust und Leidenschaft sinnierte.
Das Album stürmte ohne Umweg auf den Spitzenplatz der britischen Charts und erreichte in Deutschland Position 20. Ihr Erfolgsrezept beschreibt die Sängerin mit einfachen Worten: "Man darf einfach keine Angst haben und muss sich fallen lassen können. Genau darum geht es auch im Song ,If You're Gonna .... Mein Bruder war in dieser Hinsicht einer meiner wichtigsten Ratgeber. Er war schon immer einer meiner größten Fans und hat in fast jedem seiner Interviews auf meine Talente hingewiesen". Rivalität kommt bei dem Geschwisterpaar gar nicht erst auf. Ein Bedingfield-Geschwister-Projekt kommt für Natasha dennoch nicht in Frage: "Wir sind beide sehr eigenständig und haben entgegen diverser Presseberichte keinerlei Ambitionen, eine Band à la The Jackson 5 ins Leben zu rufen."