Sie sind gemein, ätzend, hinterhältig und vulgär - "Mundstuhl" traf den Geschmack der deutschen Comedy-Fans offenbar genau. Mit Preisen und Edelmetall überhäuft gelang es den hessischen "Komödianten des schlechten Geschmacks", einen großen Teil der Fernsehen schauenden Bevölkerung diese Landes zu unterhalten.
Lars Niedereichholz und Ande Werner wurden 1968 in Offenbach und Oberursel geboren. Beide spielten in Rock-Bands, Lars zuletzt bei "The Automanic" (ausgezeichnet mit dem Deutschen Rockpreis), Ande bei "The Exotic Blowjob". Den Ernst des Lebens erlebte Lars als BWL-Student, Öko-Banker und Musik-Promoter, Ande als Germanist, Skandinavist und Philosoph i. a. A. (in abgebrochener Ausbildung).
Der eigentliche Spaß begann 1995, als sich die Bands der beiden auf einer Deutschland-Tour finanziell ruinierten und nur noch ihre Aftershow-Partys Unterhaltung boten. Im Geiste des dort herrschenden Humors rauften sich Lars und Ande zusammen, gründeten Mundstuhl, starteten eine rotzfreche Radioshow und traten Silvester 1996 erstmals vor Publikum auf. Das tobte in kürzester Zeit. Mundstuhls derber Ton, die Trash-Themen und ihre beißende Realsatire trafen den Nerv all derer, denen guter Geschmack längst wie "moralinsauer vergorene Anstandslimonade" schmeckte. An die Stelle des Korrekten trat das "Ultrakorreggde" der Kanak-Sprak - ein Stück deutsche Wirklichkeit. Die, die so sprachen, waren längst zu Mundstuhl-Helfern geworden und gaben Lars und Ande Tipps, damit sich ihre "Dragan und Alder"-Sketche noch krasser anhörten.
Im Juni 1998 brachten Mundstuhl ihr erstes Album "Nur vom Allerfeinsten" heraus und verkauften es bis heute 200.000-mal, das ist mehr, als jedes andere Comedy-Debüt-Album zuvor erreichte. "Nur vom Allerfeinsten" kreuzte 39 Wochen durch die deutschen Album-Charts.
Die Fan-Gemeinde wuchs und wurde 2000 mit dem zweiten Mundstuhl-Album "Deluxe" versorgt. In 61 Minuten, 52 Szenen und einer unermesslich tief verlinkten Website erweiterten die zwei unerschrockenen Hessen ihren Opferkreis: Bill Gates, Frauenärzte, die Trucker-Szene und die Modern-Fisting-Bewegung rückten ins Licht der Öffentlichkeit. Das Album stieg denn auch prompt auf Rang 4 der deutschen Albumcharts ein und wurde mit einem Echo für die erfolgreichste Comedy-Produktion ausgezeichnet.
Nach einer größeren Pause kamen sie Ende 2001 mit dem dritten Album "Heul doch!" zurück, kletterten auf Rang 23 der Albumcharts und hielten sich fünf Wochen.
Auf "Heul doch!" loteten die beiden beiden Trash-Piloten aus Hessen erneut die Grenzen des "guten" Geschmacks aus. Nach einem extrem umstrittenen, aber nicht besonders erfolgreichen Beitrag zum Grand Prix 2002 namens "Fleisch" folgte 2003 dann der vierte Longplayer "Die Könige der Nacht". Auch diesmal wieder durch "politische Unkorreggdness" glänzend erreichte das Album Rang 48 der Albumcharts. Mundstuhl gehören zu den großen deutschen Comedy-Stars auf deutschen Bildschirmen und Konzerthallenbühnen .