Sein komischer cooler Killer Abdul aus "Knockin' on Heaven's Door" ging mit dem Satz "Soll isch dir dein Hirn pusten?" ebenso in die deutsche... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max10/kuk10/kuk07/u1007088/b150x150.jpg Moritz Bleibtreu
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Moritz Bleibtreu

  • Geburtstag
    13.08.1971
  • Geburtsort
    München

Sein komischer cooler Killer Abdul aus "Knockin' on Heaven's Door" ging mit dem Satz "Soll isch dir dein Hirn pusten?" ebenso in die deutsche Filmgeschichte ein wie Manni, der Freund von Franka Potente in "Lola rennt", oder der taxifahrende Student, der "Das Experiment" um Gefangene und ihre Wärter unterlaufen will und in eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt gerät.

Moritz Bleibtreu ist der in München geborene Sohn der Schauspieler Monica Bleibtreu ("Die Manns") und des 1998 gestorbenen Hans Brenner ("Das Todesspiel"). Er erzählt gern, wie ihn als Kind und Jugendlicher die Arbeit der Mutter auf der Bühne faszinierte und wie er nach der Schule zusah.

Als er schon bekannt war, nahm Moritz Schauspielunterricht in New York, war aber vom angesagten Method Acting eher abgeturnt, weil es Erfahrungen heraufzwingen wolle, anstatt natürliches Schauspielpotenzial zu nutzen. Bleibtreu spielt eher aus dem Bauch heraus und erzielt damit tolle Resultate.

Eine Zeitlang als Depp vom Dienst gehandelt, zeigte Bleibtreu schnell, dass er in keine Ecke zu drängen ist, und holte sich durch seine Vielseitigkeit gute, dankbare und Wandlungsfähigkeit fordernde Rollen. Sein herzensguter Tischler mit Vorliebe für Spider-Man-Comics wird in "Stadtgespräch" zwar als "dumm wie Brot" bezeichnet. Aber gerade er, der für Katja Riemann einen Geburtstags-Strip mit durchtrainiertem Körper hinlegt, ist der Mann für neue Einsichten und beschämt seinen Lover (Kai Wiesinger). Ähnlich ist seine Entwicklung in der sensationellen Houllebecq-Verfilmung "Elementarteilchen".

Bleibtreu widerstand auch der Versuchung, sich nach dem Welterfolg von "Lola rennt" als Traumpartner an Franka Potente zu binden. Vielmehr riskierte er einen scheinblinden DJ im Berliner Szene-Krimi "Fandango", wo er mit Nicolette Krebitz die Nacht der Nächte erlebt, und den teuflischen Unternehmenssanierer Tristan in Detlev Bucks Heilsarmee-Satire "Liebe Deine Nächste!".

Bleibtreu hat eine aus Instinkt heraus gute Hand bei seinen Projekten, sei es der Dorftrottel Nasreddin im Schelmenstück "Luna Papa" oder der Referendar Daniel, der in "Im Juli" seiner Traumfrau (Christiane Paul) in Hamburg über den Weg läuft, aber eine Odyssee bis nach Istanbul ans Goldene Horn durchleben muss, um das zu erkennen.

In dieser Zeit wurde Bleibtreus Repertoire beinahe schon wieder eingeengt, denn er machte in drei Filmen hintereinander lustige Bekanntschaft mit Drogen: Zuerst ließen sie ihn buchstäblich über einem Donaukahn schweben ("Im Juli"), danach war er Besitzer einer Hanfplantage im süddeutschen Wald und Kurier des Pizzaservices, der den Stoff unter die Pizza mengt ("Lammbock").

In "Solino" schließlich spielte er den mit Drogen handelnden älteren Sohn einer italienischen Einwandererfamilie in Duisburg, der in Rivalität zum Künstlerbruder seinen eigenen krummen Weg geht. Zwei der Filme entstanden unter der Regie von Fatih Akin, dessen Arbeiten er als "ehrlich" und "authentisch" lobte. So gibt er in Akins aktuellem Werk "Soul Kitchen" nun wieder einen Tunichtgut, der sich bei seinem Bruder, der um den Erhalt seines Szenerestaurants kämpft, durchzuschmarotzen versucht.

Bleibtreu stand für die Gangsterfarce "Basta - Rotwein oder Totsein" vor der Kamera, präsentierte sich in Oskar Roehlers "Agnes und seine Brüder" als Hilfsbibliothekar, der der Masturbation frönt, während er heimlich Studentinnen auf der Toilette beobachtet.

In Helmut Dietls märchenhaft-romantischer Komödie "Vom Suchen und Finden der Liebe" holte ihn nach seinem Selbstmord seine frühere Geliebte (Alexandra Maria Lara) aus der Unterwelt zurück.

Seine vielleicht bislang wichtigste Rolle brachte Moritz Bleibtreu Uli Edels RAF-Thriller "Der Baader Meinhof Komplex", in dem er nach dem Buch von Stefan Aust in der Titelrolle des Andreas Baader durch unglaubliche Präsenz, Charisma und mit den Händen zu greifende Zwiespältigkeit beeindruckte.

  • Geburtstag
    13.08.1971
  • Geburtsort
    München
  • Geburtsland
    BRD
  • Familie
    Mutter: Monika Bleibtreu (04.05.1944, Schauspielerin)
    Vater: Hans Brenner (25.11.1938 - 04.09.1998, Schauspieler)

    Lebenspartnerin:
    Clarice de Castro
  • Autogrammadresse
    c/o Agentur Players,
    Sophienstr. 21
    10178 Berlin
"Wenn die Mafia mitmischt, wird's teurer"

Nach dem Vampirfilm "Wir sind die Nacht" inszenierte Dennis Gansel mit "Die vierte Macht" einen Polit-Thriller fürs Kino und schätzt sich glücklich als einer der wenigen Regisseure in Deutschland überhaupt Genre-Filme machen zu dürfen.

Großansicht Moritz Bleibtreu gerät in Dennis Gansels Thriller "Die vierte Macht" in die tödlichen Wirren der russischen Politik (Foto: Kurt Krieger)

Moritz Bleibtreu gerät in Dennis Gansels Thriller "Die vierte Macht" in die tödlichen Wirren der russischen Politik (Foto: Kurt Krieger)

Wie war es, in Englisch zu drehen und inwieweit hat es sich auf den Verkauf ausgewirkt?
DENNIS GANSEL: Es lag auf der Hand, "Die vierte Macht" in Englisch zu drehen nachdem nur Moritz Bleibtreu einen Deutschen spielte. Ich hatte am Anfang zwar ein bisschen Angst davor, nicht in meiner Muttersprache zu drehen, aber es war erstaunlich einfach. Wir hatten Sprachcoaches vor Ort - für Russisch und Englisch - und außerdem konnte ich mich zur Not mit dem Hauptdarsteller ja auf Deutsch verständigen.

Wie sind Sie an die internationalen Schauspieler herangekommen?
Über das Buch. Und bei Schauspielern wie Rade Serbedzija, die viel beschäftigt sind, hatten wir einfach Glück, dass sie neben der Lust auch die Zeit hatten. Bei Stoffen wie diesen stößt man bei Schauspielern auf größtes Interesse.

Warum haben Sie in Kiew statt in Moskau gedreht?
Moskau ist einfach zu teuer. Die großzügige Unterstützung durch die Förderer hat uns ermöglicht auf hohem Niveau in Deutschland zu drehen. Hätte mir jemand 30 Mio. Euro Budget in die Hand gedrückt, hätte ich auch in Russland gedreht. So hatten wir nur drei Tage in Moskau, und einen Tag davon hat uns Moritz geschenkt.

Wie sind die Drehbedingungen in der Ukraine?
Ähnlich wie in Deutschland. Aber bekommt man es mit der ukrainischen Mafia zu tun, dann verteuert sich plötzlich ein Drehort um das Zehnfache. Sonst kann ich fast nur Positives berichten. Die Crews sind unglaublich gut, die Menschen offen und lebenslustig. Schade, dass die Chancen der orangenen Revolution so vertan wurden.

Wie in "Wir sind die Nacht" gibt es einige tolle Locations, wie etwa den Nachtclub.
Der Club war das Motiv, bei dem es die gerade genannten Probleme gab. Wir drehten die Szenen schließlich in einer leer stehenden Kirche in Friedrichshain. Produktionsdesigner Matthias Müsse und sein Team haben sich selbst übertroffen. Ihr Budget musste vor Dreh noch mal stark gekürzt werden und trotzdem haben sie Berlin als Moskau überzeugend hinbekommen.

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Musste im Schnitt viel gekürzt werden?
Wir hatten erst 150 Minuten. Auf der DVD wird also viel mehr zu sehen sein. Es ging vor allem darum, einen Unterhaltungsfilm zu machen und die Spannung zu halten. So haben wir etwa am Detailreichtum bei der Schilderung der Mechanismen des internationalen Terrorismus gespart und beim Anfang gekürzt.

Einen Genrefilm zu machen, ist in Deutschland ein Wagnis. Auch Ihr "Wir sind die Nacht" blieb unter den Erwartungen.
"Wir sind die Nacht" war ein Flop. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich überlege, wie viel Arbeit wir hineingesteckt haben und wenn man auf der anderen Seite sieht, welch Chance man gehabt hätte wäre das Timing nicht so unglücklich gewesen. Der Stoff war ja deutlich älter als "Twilight". Es muss doch im deutschen Kino noch etwas anderes geben außer Komödien! Umso glücklicher war ich, als Nina Maag und UFA Cinema "Die vierte Macht" machen wollten. Ich wünsche mir eine Kinotradition wie in Frankreich, wo es von der Klamotte über den Thriller bis zu "The Artist" alles gibt. In Deutschland ist das nicht so. Ich gehöre zu den wenigen Glücklichen, die überhaupt Genrefilme fürs Kino drehen dürfen. Tolle Thrillerideen scheitern oft schon bei der Drehbuchförderung. Für einen Film wie "Die vierte Macht" muss man marketingtechnisch viel mehr machen als z.B. für eine Schweighöfer-Komödie. Da gibt es ja bereits ein Grundpublikum, was perfekt beworben wird. Bei Thrillern fängt man bei null an.

Welches Filmprojekt gehen Sie in diesem Jahr an?
Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Die Verfilmung von Todd Strassers "Give a Boy a Gun" treiben wir voran. Es gibt auch noch andere Ideen und Projekte. Eines davon sollte sich im Laufe des Frühjahrs konkretisieren. Ich würde jedenfalls ungern dieses Jahr pausieren.


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