Er war einer der einflussreichsten Regisseure des internationalen Films. Der 1912 im italienischen Ferrara geborene Michelangelo Antonioni behandelte seit seinem Debütfilm "Chronik einer Liebe" (1950), in dem er eine dem Neorealismus der damaligen Zeit radikal entgegengesetzte gesellschaftliche Position vertritt, ein Thema: die Einsamkeit und Entfremdung des modernen Menschen. Antonionis Personen sind von Depressionen befallen, sie erleben, wie sich ihre Gefühle langsam auflösen, sie verlieren den Boden unter den Füßen, und sie werden unfähig zu erotischen Begegnungen. Dabei folgt ihnen Antonioni mit einer distanzierten Kamera, die in langen Einstellungen aufnimmt, die leere Plätze fotografiert, in die die Personen erst relativ spät eintreten oder die die Orte fixiert, auch wenn die Personen sie schon verlassen haben. Speziell diese Art, den Raum als Seelenlandschaft oder architektonische Umrahmung mit thematischer Korrespondenz mitspielen zu lassen, war in den 50er und 60er Jahren revolutionär und wurde von amerikanischen Autorenfilmern (Woody Allen, Robert Altman, Quentin Tarantino) bis in die Gegenwart kopiert.
Am deutlichsten zeigen sich Antonionis Themen und Formalismen in der Trilogie "L'Avventura" (1959), "La notte" (1961) und "Liebe '62" (1962), in denen jeweils Monica Vitti mitspielte. Die zeitweilige Lebensgefährtin des Regisseurs spielte auch 1964 in Antonionis ersten Farbfilm "Die rote Wüste", der Motive aus "Der Schrei" (1957, mit Alida Valli) aufgreift, eine schizophrene junge Frau, die in einer verlassenen Industrielandschaft herumirrt. Antonioni, der nie kommerziell erfolgreich war, erlebte mit seinem Film "Blow Up" (1966), in dem David Hemmings als Fotograf im London der Swinging Sixties in eine scheinbare Mordgeschichte gerät, die nicht aufgelöst wird, einen überraschenden Welterfolg. Sein Porträt amerikanischer Jugend in "Zabriskie Point" (1969) ist ein Abgesang auf die Konsumgesellschaft. Mit Jack Nicholson in der Hauptrolle inszenierte er 1973 "Beruf: Reporter", in dem ein Journalist in der Wüste einen fatalen Identitätswechsel unternimmt und umkommt. Der Film wurde unter anderem wegen seiner komplizierten siebenminütigen ungeschnittenen Schlusssequenz berühmt. 1982 führte Antonioni Stil und Thematik der Entfremdung von Mann und Frau mit "Identifikation einer Frau" erfolgreich weiter.
Nach über zehn Jahren Pause, bedingt durch einen Schlaganfall, der ihn rechtsseitig lähmte und das Sprachvermögen nahm, inszenierte er gemeinsam mit Wim Wenders den Episodenfilm "Jenseits der Wolken", der sein Universum noch einmal nostalgisch ausmalt und in dem Marcello Mastroianni und Jeanne Moreau, die in "La notte" ein entfremdetes Ehepaar gespielt hatten, in einer kurzen Szene ein Wiedersehen feierten. Antonioni arbeitete zwischenzeitlich an Video-Clips und veröffentlichte mit "Bowling am Tiber" einen Band mit Erzählungen. 1995 erhielt er den "Oscar" für sein Gesamtwerk.
Am gleichen Tag wie sein Kollege Ingmar Bergman starb Michelangelo Antonioni am 30. Juli 2007 im Alter von 94 Jahren.
Downey Jr. ist Soderberghs Eros
Man wusste ja schon immer, dass Robert Downey Jr. eine gewisse liebreizende Anziehungskraft besitzt. Nun darf er sie einmal mehr vor der Kamera einsetzen.
Liebesbedürftig:
Robert Downey Jr.
Neben Alan Arkin wurde Downey Jr. jetzt von Steven Soderbergh für seine Episode in "Eros" verpflichtet. Der Film besteht aus drei Kurzfilmen, die alle mit dem Thema menschliche Liebe und Sexualität zu tun haben. Die anderen beiden Teile werden von Michelangelo Antonioni und Wong Kar-wai geliefert.
Eigentlich sollte Pedro Almodóvar das Dreigespann komplettieren, doch dem kam was dazwischen. Also stellte sich Soderbergh als Ersatz zur Verfügung. Die Dreharbeiten finden bereits nächste Woche statt, damit der kreative Regisseur so bald wie möglich am Drehbuch für "Ocean's Twelve" weiterschreiben kann.
Für Robert Downey Jr. ist "Eros" ein kleines Intermezzo, bevor er sich auf macht, in "Gothika" das Gruseln zu lernen. Doch mit dem großartigen Alan Arkin zu spielen war eine Chance, die er sich auf keinen Fall entgehen lassen wollte.