"Wir wollen nicht die üblichen Hochglanz-Spots, mit denen uns die Medienberater der Bush-Regierung bombardieren!"
Spätestens seit seinem legendären "Shame on you, Mr. Bush!" bei der letzten Oscar-Verleihung ist klar - Michael Moore ist ein Freund der deutlichen Worte, wenn es um Kritik am US-Präsidenten geht. Daher wünscht sich der Doku-Provokateur ("Bowling for Columbine") auch jetzt gesalzene 30 Sekunden harscher Kritik gegen den mächtigsten Mann der Welt: Moore sitzt in der Jury des Wettbewerbs "Bush in 30 Seconds".
In einer halben Minute können Amateurfilmer hier ihren Unmut über die derzeitige Regierung freien Lauf lassen. Die Ergebnisse werden auf der Web-Site bushin30seconds.org veröffentlicht. Der Siegerspot wird sogar im Fernsehen gezeigt, und das in der selben Woche, in der George W. seine alljährliche Rede zur Lage der Nation halten wird - damit sich auch keiner von des Präsidenten geschickter Rhetorik blenden lassen möge.
Erhebt seine Stimme auch gegen die Politik von George W. Bush: Michael Stipe (Foto: Warner)
Das Ganze ist weit mehr als nur eine Web-Kampagne versponnener Linksaußen: In der Jury sitzen neben Moore beispielsweise die CNN-Kommentatorin Janeane Garofalo, Regisseur Michael Mann ("Ali"), REM-Frontmann Michael Stipe, Regisseur Gus Van Sant ("Good Will Hunting"), Pearl Jam-Sänger Eddie Vedder, Moby sowie weitere namhafte Persönlichkeiten aus Kunst und Journalismus.
Auch die nötige finanzielle Unterstützung ist vorhanden, denn hinter dem Bewerb steht die Kriegsgegner-Gruppe moveon.org. Kürzlich mit einer Spende von 5 Mio. Dollar durch den Milliardär George Soros bedacht, hatte die Organisation schon durch ihre Beteiligung an den landeweiten Protestaktionen gegen den Irak-Krieg auf sich aufmerksam gemacht. Die Initiative "Bush in 30 seconds" geht auf den Mitbegründer Moby zurück.
Dessen Ansprüche an die Spots sind hoch: "Sie sollen das Fernsehpublikum aufklären, mobilisieren und ihm die Wahrheit über George W. Bush nahe bringen."
Von dieser Wahrheit hat man bei moveon.org klare Vorstellungen: So wirft man dem "Eisenpräsidenten" vor, er habe die Bevölkerung hinsichtlich der Lage im Irak - besonders beim Thema Massenvernichtungswaffen - von Anfang an in die Irre geführt. Außerdem baue er den Umweltschutz ab, um so Firmen zu begünstigen, die seine Wahlkampagnen finanzieren.
Bush habe außerdem den Bildungsetat drastisch gekürzt und dabei die Ausbildung für 20.000 Lehrer gestrichen. Mit dem "Patriots Act" habe er den gläsernen Bürger geschaffen, der dem FBI ohne konkrete Verdachtsmomente hilflos ausgeliefert sei - jeder könne nun im Zweifelsfall bis zu einem halben Jahr ohne Gerichtsverhandlung festgehalten werden. Von den neuen Steuerkürzungen würden außerdem nur die Besserverdienenden profitieren, dazu seien seit Bushs Amtsantritt 3,3 Millionen Arbeitplätze vernichtet worden.
Wer das ähnlich sieht, kann bis zum 5. Dezember seinen maximal 4 MB großen Filmbeitrag als Mpeg oder Quicktime direkt auf die Website bushin30seconds.org hochladen.
Auch Regieprofi Gus van Sant wird ein kritisches Auge auf die Beiträge werfen (Foto: Kurt Krieger)
Neben der Jury stimmen dann zwischen 15. und 31. Dezember auch die Besucher der Seite über die Beiträge ab. Dabei werden jeweils eins bis fünf Punkte in folgenden Bereichen vergeben: aufklärerische, informative und polemische Effektivität (40%), Originalität von Idee und Konzept (20%), Einprägsamkeit (20%) und klare Message (20%).
Für deutsche Nachwuchsfilmer hat die Sache allerdings einen kleinen Haken: Die Teilnehmer müssen mindestens 15 Lenze zählen und entweder US-Bürger sein oder in den Vereinigten Staaten leben.
Oder einen "guten Bekannten" haben, für den das zutrifft...