Er ist einer der originellsten Dokumentarfilmer der Geschichte. Der schwergewichtige und von Witz, Sarkasmus und Selbstironie sprühende Michael Moore wurde 1989 mit "Roger & Me" über Nacht bekannt, einer mit Reportageelementen aufgelockerten Dokumentation über die Politik des Automobilkonzerns General Motors, der in Flint/Michigan elf Fabriken mit über 30.000 Arbeitern schloss, weil die Produktion ins Billigland Mexiko verlegt wurde. Moore, dessen Familie dort gearbeitet hatte, der dort 1954 geboren wurde und Journalist geworden war, verfolgt den Konzerndirektor Roger Smith und macht die Suche und Recherche zum Thema seines Films. Als hätten Groucho Marx, Karl Marx und Woody Allen eine Satire auf den Kapitalismus in Reinkultur ersonnen, läuft die tragische Wirklichkeit als "Doku-Mödie" mit geistreicher Analyse und beißendem Zynismus ab, ohne das reale Elend zu verleugnen. Moore machte, als er vom Konzern mit Prozessen überzogen wurde, aus der Not eine Tugend, gründete 1990 ein Zentrum für alternative Medien und konnte durch den unerwarteten Erfolg des Films, der weltweit vertrieben wurde, die Attacken abwehren. Mit dem Geld der Auftragsproduktion "Canadian Bacon - Unsere feindlichen Nachbarn" (1995), einer Satire über die USA, die nach dem Ende des Kalten Krieges ein neues Feindbild suchen, eine Massenschlägerei an der kanadischen Grenze hochstilisieren und gegen Kanada zu Feld ziehen (Vorbild für "Wag the Dog" und "South Park"), konnte Moore 1997 "The Big One" finanzieren. Dort geht er auf eine Lesereise und nutzt die Zwischenzeiten für weitere im Stil von "Roger & Me" gefilmte Exkursionen in ökonomische Extremsituationen und weitere Angriffe gegen die Managerkultur.
Moore entwickelte sich entgültig zum Enfant terrible der Dokumentarfilmszene, als er 2003 den Oscar für "Bowling for Columbine" in Empfang nehmen durfte. In gewohnter Weise fiel er mit der Tür ins Haus und analysierte das Gewaltphänomen ausgehend vom Columbine-Highschool Massaker 1999. Mit über einer Million Kinobesucher ist es der bislang erfolgreichste Dokumentarfilm in Deutschland. Mit "Fahrenheit 9/11" ging Moore dann zum Frontalangriff gegen die US-Regierung über. Mit bitterer Polemik, aber auch als Wahlkampagne zu verstehen und daher umstritten, beschrieb er die Machenschaften der Bush-Administration. In Cannes erhielt er die Goldene Palme und den FIPRESCI Preis. 2007 fokussierte er in "Sicko" das amerikanische Gesundheitssystem und ging der Frage nach, warum die Regierung kein großes Interesse an einem staatlichen Gesundheitswesen hat. Mit "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte", der 2009 in Venedig seine Premiere feierte, dokumentierte er in bewährter Manier die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf den einfachen US-Bürger.
Michael Moore ist seit 1991 mit seiner Produzentin Kathleen Glynn verheiratet. Zusammen haben sie eine Tochter namens Natalie.
Matt Damon soll US-Präsident werden
Obama-Ultimatum statt Bourne-Ultimatum!
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Wird Matt Damon nach Barack Obama der nächste US-Präsident? Michael Moore hofft darauf... (Foto: Kurt Krieger)
Michael Moore ist immer für einen Aufreger gut. Der umstrittene US-amerikanische Doku-Kämpfer hat mit "Bowling for Columbine" die Waffenlobby aufs Korn genommen, mit "Fahrenheit 9/11" die Bush-Regierung in die Ecke gedrängt und mit "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" die Verursacher der Finanzkrise angeprangert.
Doch Moore kann nicht nur provozieren, er macht auch konstruktive Vorschläge. Nun hat er einen Kandidaten für die 2012 anstehenden Präsidentschaftswahlen im Visier: Matt Damon! Der Hollywood-Star setzt sich "mit großem Mut" für Schlüsselthemen der aktuellen Politik ein, lobt Michael Moore:
"Ihm ist es egal, wen er vielleicht vor den Kopf stößt, wenn er die Dinge sagt, die gesagt werden müssen!"
Matt Damon war Ende Juli mit Lehrern auf die Straße gegangen um gegen standardisierte Prüfungen an US-Schulen zu protestieren. Zuletzt hatte er schwere Vorwürfe gegen die Politiker der Republikaner und Demokraten erhoben, weil sie seiner Meinung nach die Schuldenkrise für parteipolitische Machtspiele missbraucht hatten.
Arnie als Vorbild
Michael Moore steht dabei eindeutig auf der Seite der liberaleren Demokraten und wünscht sich Freigeist Matt Damon daher als Kandidaten, der Amstsinhaber Barack Obama beerben soll: "Wenn man gewinnen will, muss man sich die Taktik von den Republikanern abschauen - sie haben bewiesen, dass man gewinnt, wenn man einen Prominenten aufstellt. Manchmal gewinnt man sogar mit einem Schauspieler. Ich will, dass auch wir Demokraten anfangen, so zu denken."
Damit spielt Moore natürlich auf den ehemaligen Präsidenten und Westernhelden Ronald Reagan sowie Ex-Gouvernator Arnold Schwarzenegger an. Ob Matt Damon tatsächlich politische Ambitionen hat, ist unklar.
Vorerst ist Damons Terminkalender jedenfalls noch voller hochkarätiger Filmprojekte: In "Ness" spielt er den legendären Gangsterjäger Eliot Ness, den schon Kevin Costner in "The Untouchables - Die Unbestechlichen" verkörpert hatte, in "We Bought a Zoo" rettet er nach einer wahren Geschichte mit seinen Kindern einen Tierpark und im SciFi-Thriller "Elysium" von "District 9"-Macher Neill Blomkamp schlägt er sich als Ex-Betrüger mit einer Alien-Invasion herum.