Der amerikanische Produzent, Regisseur und Autor Michael Mann drehte in zwanzig Jahren sieben Spielfilme, davon einige der wichtigsten US-Thriller. Mit "Heat" gelang ihm der bedeutendste Gangsterfilm der 90er-Jahre. Mann studierte Film in London und drehte in Frankreich Werbefilme. In den USA wurde er bekannt durch TV-Serien wie "Miami Vice", deren kühle, distanzierte Hochglanz-Ästhetik die 80er-Jahre dominierte und auf seine Spielfilmarbeiten verwies. In "Miami Vice", einer in Florida spielenden Krimiserie, in der Gaststars wie Pam Grier und Phil Collins neben dem Detektiv Don Johnson auftraten, wurde das Dekor zum entscheidenden Mitspieler. Im Kinofilm debütierte Mann 1981 mit "Thief - Der Einzelgänger", einer Gangsterballade über einen Einbrecher und Safeknacker (James Caan). 1986 verfilmte er mit "Manhunter - Blutmond" einen Roman von Thomas Harris, in dem die Figur des psychopathischen Serienkillers Dr. Hannibal Lecter, der später in Jonathan Demmes "Das Schweigen der Lämmer" weltberühmt wurde, zum ersten Mal auftauchte. Dem rasanten, in einem Naturschutzgebiet gefilmten Indianer-Western "Der letzte Mohikaner" (mit Daniel Day-Lewis und Madeleine Stowe) nach der Vorlage von James Fenimore Cooper, folgte mit "Heat" Manns Meisterwerk. Robert De Niro als Gangster vor seinem letzten Coup und Al Pacino als Cop mit verpfuschtem Privatleben traten in einer Ballade von äußerster Präzision, Professionalität und formal von außergewöhnlicher Kameraarbeit gegeneinander an und erwiesen sich, wie bei Melville, als die zwei Seiten einer Medaille. Mit "Insider" gelang Mann in einer virtuosen Mischung aus Psycho-Thriller und Journalistenfilm ein Paranoia-Thriller, der wegen seiner kritischen Untertöne gegenüber der amerikanischen Tabakindustrie behindert wurde und trotz seiner sieben "Oscar"-Nominierungen keinen der Preise gewann. Al Pacino und Russell Crowe stehen als TV-Produzent und gefeuerter Wissenschaftler im Spannungsfeld von Medien, Konzernen, Öffentlichkeitsarbeit und Privatleben.
Ein Oscar für die "Basterds"?
Es dauert noch über ein halbes Jahr, bis es wieder heißt: "And the Oscar goes to ...". Tatsächlich aber ist das Rennen um die wichtigste Filmtrophäe längst eröffnet und die "Inglourious Basterds" haben beste Chancen, ziemlich "Glorreiche Bastarde" zu werden.
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Die Filmwelt liegt Christoph Waltz zu Füßen - vielleicht auch bald die Academy? (Foto: Universal)
Zugegeben, es ist noch ein wenig früh, darüber zu spekulieren. Doch mit seinem guten Kinostart empfiehlt sich Inglourious Basterds durchaus für die Academy Awards. Selbst eine Oscarnominierung für den auch in den US-Kritiken durch die Bank mit Lob überschütteten Darsteller Christoph Waltz ist denkbar, wenn auch wohl "nur" als bester Nebendarsteller. Denn auch nicht-englischsprachige Schauspieler haben in der schauspielerlastigen Academy ab und zu eine Chance, man denke etwa an Marion Cotillard, die seit ihrem Oscar für La Vie en Rose mit namhaften Regisseuren wie Michael Mann oder Christopher Nolan gearbeitet hat. "Basterds"-Regisseur Quentin Tarantino nennt bislang einen Oscar für das beste Drehbuch für "Pulp Fiction" sein eigen.
Noch tut man sich schwer, die Oscar-Kandidaten auszumachen, die ja klassischerweise ohnehin erst in den folgenden Monaten ins Kino kommen. Ein potenzieller Kandidat ist schon aus dem Rennen: Martin Scorseses Shutter Island, dessen Start gerade kurzerhand auf Februar verschoben wurde. Sollte das Feld der Bewerber ausgerechnet in einem Jahr überschaubar sein, in dem das Feld der Bester Film-Nominierungen auf zehn erweitert wurde?