Fünf Jahre nach "Gladiator" beschert uns Altmeister Ridley Scott mit "Königreich der Himmel" erneut ein monumentales Historienepos. KINO.DE traf den Regisseur und seine Stars zum Gespräch: Orlando Bloom, Kreuzritter und Titelheld, Jeremy Irons, der als alter Haudegen glänzt, Eva Green, die Schwester des Königs von Jerusalem, und Marton Csokas, der den starrköpfigen Kriegstreiber Guy von Lusignan mimt.
Weil sie eben keine alte Geschichte ist. "Königreich der Himmel" dreht sich um die großen Fragen des Lebens, die uns alle bewegen. Der Held, den ich spiele, hat Frau und Kind verloren, und er versucht mit diesem Leid zurechtzukommen. Deshalb sucht er im Heiligen Land Antworten.
Dadurch werfen wir gleichzeitig ein Schlaglicht auf politische Themen. Denn heute wie damals wird diese Gegend von Kriegen heimgesucht. Da gibt es hoch interessante Parallelen.
"Königreich der Himmel": Kein politisches Statement, sondern eine persönliche Geschichte (Foto: Fox)
So weit wollten wir sicherlich nicht gehen. Der Zuschauer soll selbst seine Schlüsse ziehen. Ridley Scott ist ja kein politischer Dokumentarfilmer.
Es kommt bei diesen epischen Filmen einfach darauf an, dass eine persönliche Geschichte ins Zentrum rückt, die für das Publikum Aussagekraft hat. Spektakuläre Bilder allein reichen nicht.
Ich hätte bei einem reinen Spektakel auch nicht mitgemacht, denn eigentlich wollte ich nach "Troja" kein Historienprojekt mehr drehen.
Die bekommen sie ja auch. Wir bauten unter anderem ganze Stadtteile des alten Jerusalem auf; es gibt Schlachten mit tausenden von Statisten. Sie werden Augen machen.
Es sah wie im 12. Jahrhundert aus. Ich habe mich immer wieder gezwickt, denn ich glaubte, ich würde träumen.
Die äußeren Dimensionen waren so riesig, dass ich vor lauter Ehrfurcht richtig nervös wurde. Ich versuchte mich mit allen Mitteln wieder einzukriegen, denn ich wollte ja den Dreh nicht vergurken. Die einzige Lösung war es, jede Szene in- und auswendig zu studieren, damit ich keine Fehler machte. Außerdem trainierte ich permanent für meine Schwertkampfszene, denn die physische Anstrengung half mir bei der Konzentration.
Da warst du ja noch gut dran. Ich erfuhr erst eine Woche vor Beginn der Dreharbeiten, dass ich die Rolle hatte. Ich las dann Dutzende von Büchern, hörte alte Musik und sah mir Gemälde an, um mich darauf einzustimmen. Training gab's für mich nicht, denn ich hatte keine Kampfszenen. Die ganze Zeit war ich unsicher, ob ich diese Rolle gut hinkriege.
Doch, auf jeden Fall. Er versteht, wie verletzlich du als Schauspieler bist, und deshalb schafft er eine Atmosphäre der Sicherheit. Er sagt zu dir: "Das war gut", selbst wenn du in einer Szene furchtbar warst. Dann meint er ganz sanft: "Aber wie wäre es, wenn du es mal anders probierst?" Kein einziges Mal zeigte er auch nur eine Spur von Stress und Anspannung. Ich habe noch nie so einen Mann getroffen.
Ich habe schon mit vielen Regisseuren zusammengearbeitet, und Ridley Scott ist eine meiner besten Erfahrungen. Er lässt sich gern von Schauspielern überraschen. Und das ist das Erstaunliche bei einer so großen Produktion wie dieser: Letztendlich spielt der riesige äußere Aufwand keine Rolle. Denn im Zentrum stehen der Regisseur und die Schauspieler; und hier gelten die gleichen Gesetze wie bei einem kleinen Theaterstück.
Das können Sie laut sagen! Wir drehten über 130 Tage, sechs Tage die Woche. Und unsere Schauplätze in Marokko, Spanien und den Pyrenäen waren zwar schön, aber auch äußerst anstrengend.
Das Schlimmste waren die Windböen in Marokko. Die begannen kurz vor zehn Uhr morgens und hielten den ganzen Tag über an. Und das während der gesamten Drehzeit. Es war mörderisch!
Augen zu und durch: Orlando Bloom würde sich "Heerführer" Ridley Scott sofort wieder anschließen (Foto: Fox)
Das ist doch alles viel authentischer und realistischer. Da musst du nur durchhalten. Mein Vater war bei der Armee, auch meine Mutter war ziemlich zäh - da bin ich mit guten Genen ausgestattet. Schon als kleiner Junge bin ich wie ein Indianer durch die Wälder und Wiesen gezogen.
Du musst schon eine Rolle bis zum Letzten auskosten. Und wenn du physisch genauso am Ende bist wie deine Figur, dann ist das ein gutes Zeichen. Letztlich war dieser Film selbst ein richtiger Kreuzzug. Wenn ich wieder so einen Heerführer wie Ridley bekomme, dann bin ich sofort wieder bereit!