Was macht eine mäßig erfolgreiche Alternative-Rock-Band, wenn die Karriere in die Sackgasse geraten ist? Sie entdeckt den Funk, benennt sich um und erobert plötzlich die Hitparaden der Welt. So einfach kann's gehen. Zumindest im Fall von Maroon 5.
Mitte der Neunziger gründeten die Highschoolfreunde Adam Levine (Gesang, Gitarre), Jesse Charmichael (Keyboard), Mickey Madden (Bass) und Ryan Dusick (Schlagzeug) in ihrer Heimatstadt Los Angeles die Band Kara's Flowers. Ganz im Sinne der florierenden Grunge-Bewegung beherrschten harte Gitarren und eingängige Melodien den Sound der Band, die sich rasch einen guten Ruf in der örtlichen Szene erspielte. Auch die Plattenfirmen wurden auf das aufstrebende Quartett aufmerksam, und so konnten Kara's Flowers bald aus einer Reihe von Vertragsangeboten der US-amerikanischen Majorfirmen auswählen. Den Zuschlag erhielt Reprise Records, bei dem 1997 das von Rob Cavallo (u.a. Goo Goo Dolls, Green Day, Alanis Morissette) produzierte Debütalbum "The Fourth World" erschien. Doch entgegen der anfänglichen Euphorie und trotz wohlwollender Besprechungen in der Fachpresse und begeisterter Reaktionen der College-Szene entwickelte sich das Album zum Ladenhüter. Die Band beschloss daraufhin, eine Vollbremsung hinzulegen. Im Jahr 1999 löste sie den Vertrag mit Reprise und machte sich an eine grundlegende musikalische Umorientierung.
Sänger Adam Levine zog es zu diesem Zweck vom sonnigen Los Angeles ins pulsierende New York, von dem er sich die zündende musikalische Eingebung erhoffte. Und die kam prompt: In der vielschichtigen New Yorker Musikszene begeisterte sich der Sänger vor allem für schwarze Musikrichtungen wie Funk, Soul, R'n'B und Gospel, die schließlich zur neuen Inspirationsquelle für seine Band werden sollten. Zurück in L.A. machte sich Levine mit seinen Bandkollegen daran, den alten Sound deutlich aufzuweichen und um groovende, R'n'B-geschwängerte Elemente anzureichern. Um die musikalische Neuausrichtung auch nach außen zu verdeutlichen, legte die Band ihren alten Namen ab und benannte sich in Maroon 5 um. Zudem wurde mit James Valtentine ein zweiter Gitarrist in die Band aufgenommen.
Der neue Sound zündete rasch: Bei zahlreichen Konzerten und Showcases vor allem in New York und Los Angeles überzeugte die Band ein weiteres Mal zahlreiche Plattenfirmen, die mit Vertragsangeboten lockten. Doch diesmal entschieden sich die Musiker gegen eine Majorfirma und unterschrieben im Jahr 2001 stattdessen beim Indie-Label Octone Records. Gemeinsam mit Matt Wallace (u.a. Faith No More, Train) ging es ins Studio, um den neuen Sound auf Band zu bringen. Das Ergebnis kam im Juni 2002 in Form des Albums "Songs About Jane" auf den Markt. Doch anfangs schien es fast, als ob auch der zweite Streich ein Flop werden sollte: Die Verkaufszahlen hielten sich erneut in sehr überschaubaren Grenzen, und es sollte ein Jahr dauern, bis die entscheidende Wende kam. Die im Sommer 2003 veröffentlichte Single "Harder To Breath" wurde zum landesweiten Hit in Radio und Musikfernsehen, stürmte die Hitparaden hinauf und zog auch endlich die Verkäufe des Albums in Erfolgsregionen mit. Mit der zweiten Single "This Love" gelang ein weiterer durchschlagender Hit, der wie sein Vorgänger in die Top Ten der Charts marschierte. Im Januar 2004 erreichte das Album mit über einer Million verkaufter Einheiten Platinstatus in den USA, und der Band war es im zweiten Anlauf doch noch gelungen, in die Oberliga des US-Rock vorzudringen.
Nach Eroberung der US-Charts wurde es Zeit, auch das alte Europa in Angriff zu nehmen: In Deutschland kam "Songs About Jane" Anfang 2004 heraus und damit rund zwei Jahre nach Erstveröffentlichung via BMG auf den Markt. Die ebenso zündenden wie ohrwurmträchtigen Singles verfehlten auch hierzulande nicht ihre Wirkung: Nach einem Achtungserfolg mit "Harder To Breath" gelang mit "This Love" der Durchmarsch bis auf Platz fünf der Charts. Das Album profitierte erneut vom massivem Airplay der Auskopplungen und rückte seinerseits bis in die Top Ten sowie in Goldregionen vor. Ein weiterer Volltreffer sollte die Single "She Will Be Loved" werden, die im Herbst 2004 veröffentlicht und vom Formatradio erneut gern und häufig gespielt wurde. Sie erreichte dadurch erneut hohe Chartsplatzierungen.