http://images.kino.de/flbilder/max07/auto07/auto20/07200581/b150x150.jpg - Foto: Prokino Marjane Satrapi

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Marjane Satrapi


  • Geburtstag
    22.11.1969
  • Geburtsort
    Rasht
  • Geburtstag
    22.11.1969
  • Geburtsort
    Rasht
  • Geburtsland
    Iran

"Eigentlich ging es um John Travolta"

Nach "Persepolis" wagen sich Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud an eine Real-Verfilmung von Satrapis Graphic Novel "Huhn mit Pflaumen", eine herzzerreißende Liebesgeschichte und gleichzeitig die Geschichte ihres Großonkels. Auch das nächste Projekt spielt "en famille".

Großansicht Ganz große Liebesgeschichte: "Huhn mit Pflaumen" (Foto: Prokino (Fox))

Ganz große Liebesgeschichte: "Huhn mit Pflaumen" (Foto: Prokino (Fox))

Vom Animationsfilm zum Realfilm - ein großer Schritt?
MARJANE SATRAPI: Wir mussten quasi wieder bei null anfangen, das war eine ziemliche Umstellung und gleichzeitig der Kick an "Huhn mit Pflaumen". Allein der Wechsel vom Buch zum Film forderte uns heraus. Ich musste mich daran gewöhnen, dass die geschriebene Sprache eine ganz andere ist als die kinematografische. Ein interessierter Leser ist aktiv, der Zuschauer mehr passiv. Da muss man sich überlegen, wie man ihn packen und bei Laune halten kann. Ob die anrührenden oder humorigen Szenen aus dem Buch auf der Leinwand funktionieren, weiß man im Voraus nicht. Unsere langen Diskussionen führten dazu, dass wir am ersten Drehtag super vorbereitet am Set standen. Im Schneideraum haben wir dann noch einiges dazugelernt. Mir gefällt die Arbeit mit Schauspielern, diese Energie in der Luft. Ein Animationsfilm erinnert mich an einen Marathon, Realfilm mehr an mehrere Kurzstrecken. Da kommt man schon mal aus der Puste.

Würden Sie "Huhn mit Pflaumen" als Märchen einordnen?
Wo sonst stirbt ein Mann aus unerfüllter Liebe zur Frau? Fantasy interessiert uns mehr als Realität. Heute entblößen sich die Menschen seelisch in jeder dummen Talkshow. Ich vermisse das Geheimnis, die Poesie, die Imagination und den Sinn für Schönheit. Das alles wollten wir einfangen.

Ihr Film ist auch eine Liebeserklärung an das Teheran der Fünfziger- und Sechzigerjahre.
Eine Zeit, in der mein Volk an einen Wandel glaubte und von Demokratie träumte. Der Film handelt auch von dem, was wir verloren haben. Wir haben uns sehr viele Dokus angeschaut, um eine authentische Atmosphäre zu schaffen. Ende der Fünfzigerjahre war der Iran sehr westlich ausgerichtet.

Wie teilen Sie sich die Arbeit mit Ihrem Koregisseur auf?
Das Drehbuch entwickeln und schreiben wir zusammen, gehen die ganze Vorbereitung gemeinsam an. Am Set kümmere ich mich mehr um die Schauspieler und Vincent um Kameramann und Bildgestaltung. Manchmal zanken wir uns so richtig.

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Ermöglichte der internationale Erfolg von "Persepolis" Ihnen mehr Freiheit?
Man traut uns jedenfalls filmisch etwas zu. Nur erwartete man nach "Persepolis" einen weiteren Animationsfilm, unsere neuen Vorstellungen stießen auf Skepsis. Es dauerte eine Weile, die Leute zu überzeugen. Natürlich eröffnen sich neue Chancen, ich muss nicht jeden Cent umdrehen. Aber Geld ist nicht alles. Wenn ich unglücklich bin, macht mich Geld nicht glücklicher, wenn ich glücklich bin, kann Geld helfen, das Glück zu steigern. Die Oscar-Nominierung sollte man nicht überbewerten, ein schickes Schaulaufen. Auf dem roten Teppich fanden wir es ganz toll, dass alle Kameras auf uns gerichtet waren, und plötzlich merkte ich, nicht wir waren im Fokus, sondern John Travolta. Das war ziemlich ernüchternd und brachte uns auf den Boden der Tatsachen zurück.

Was hat Priorität - Bücher oder Film?
Die Bücher möchte ich nicht ganz aufgeben, aber nicht mehr unbedingt fürs Kino adaptieren. Filmemachen hat Priorität für uns. Jetzt warten wir ab, wie "Huhn mit Pflaumen" läuft. Dann gehen wir das nächste Projekt an.

Um was handelt es sich da?
Ich finde immer neue Themen in meiner großen Familie, niemand führt ein normales Leben, überall nur Chaos. Da geht mir der Stoff erst mal nicht aus.


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