Als wilde Schöne brachte sie die "Männerpension" durcheinander, ritt als heiße Barsängerin Uschi in "Der Schuh des Manitu" flott über die Prärie... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max12/kuk12/kuk07/u1207033/b150x150.jpg Marie Bäumer
Alle Bilder
Marie Bäumer

  • Geburtstag
    07.05.1969
  • Geburtsort
    Düsseldorf

Als wilde Schöne brachte sie die "Männerpension" durcheinander, ritt als heiße Barsängerin Uschi in "Der Schuh des Manitu" flott über die Prärie und stürzte sich in "Der alte Affe Angst" in die Hölle der zerstörerischen Paarbeziehung, was ihr 2003 den Bayerischen Filmpreis einbrachte. Marie Bäumer lässt sich bei der Auswahl ihrer Rollen nicht festlegen, pendelt zwischen Film, TV und Theaterarbeit und befolgt die Maxime: "Ich versuche immer, zwischen meinem Beruf und meinem wirklichen Leben zu unterscheiden. Ich gehöre nicht zu denen, die monatelang nicht mehr aus einer Rolle herausfinden."

Die pragmatische Einstellung der 1969 geborenen Düsseldorferin stammt aus ihrer Kindheit, als sie Karl May las und Indianer-Spiele liebte, weshalb ihr die Uschi, die mit Michael "Bully" Herbig auf Schatzsuche geht, lag wie eine zweite Haut. Zumal die Uschi urkomisch ist und sie beinahe als zweite, ulkige Romy Schneider gegolten hätte. Der Vergleich hinkt, nicht zuletzt weil Marie Bäumer bei aller Ähnlichkeit slawische Züge trägt, die ihr ovales Gesicht betonen. Ein Grund, weshalb sie für den TV-Film "Auferstehung" der Brüder Taviani (nach Leo Tolstoi) ausgesucht wurde, ebenso ein Historienfilm wie "Napoleon" (sie spielte seine jüngere Schwester Caroline) - Rollen, die sie wegen der Möglichkeit, in prachtvollen Kostümen aufzutreten, annimmt: "Die Stoffe sind wunderbar, alles ist aus Samt und Tüll. Man fühlt sich nicht eingeschnürt, hat aber trotzdem jene Grandezza, die es braucht, um sich in den hochherrschaftlichen Räumen angemessen zu bewegen."

Bäumer absolvierte von 1994-1997 ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Hamburg und trat zwischen den Film- und TV-Engagements an fast allen Hamburger Theatern auf: Thalia Theater, Kammerspiele, Theater im Zimmer und Theater im Kampnagel. 1995 gelang ihr gleich mit der ersten Kinorolle in "Männerpension", wo sie dem Knacki Til Schweiger das Leben schwermacht, der Durchbruch. Der Horrorfilm "Sieben Monde" bedeutete einen Rückschritt, aber ihr dritter Film "Der Schuh des Manitu" wurde mit über 11 Millionen Besuchern zu einem der größten Publikumserfolge in der Geschichte des deutschen Films.

Für Wim Wenders agierte Bäumer in dessen BAP-Hommage "Viel passiert" im engen Korsett der Konfitüren-Verkäuferin mit Bauchladen im Kino in einer stummen Rolle. "Der alte Affe Angst" wurde wegen der extremen Szenen der Liebes- und Sex-Auseinandersetzungen eines Paares zur puren Kraftanstrengung: "Je kontroverser eine Rolle, desto spannender." In Paul Harathers "Adam & Eva" ging es, diesmal komödiantisch, im Geschlechterkampf weiter. Als Eva will Bäumer von Adam (Simon Schwarz) ein Kind, doch der will das bequeme Paradies trauter Zweisamkeit nicht aufgeben. Auf Thriller-Terrain begab sich Bäumer für die TV-Produktion "Ein toter Bruder", in der sie auf einer Party mit der Vergangenheit in Gestalt der Rollstuhlfahrerin Diana (Valerie Koch) konfrontiert wird

In "Swinger Club" verlangte Regisseur Jan Schütte Improvisationsgabe und Nervenstärke von seinen Schauspielern, da er ohne Drehbuch arbeitete. Bäumer spielte darin Karina, eine Freundin der Hauptfiguren. Als Maria Goldberg, der Frau eines Judens, muss sie in Roland Suso Richters Fernsehfilm "Dresden" täglich mit seiner Deportation rechnen, und in dem 2008 mit dem Oscar ausgezeichnetem Kriegsdrama "Der Fälscher" ist sie in einer Nebenrolle als Aglaya zu sehen. 2008 flüchtete sie sich in dem Drama "10 Sekunden" als Frau eines Fluglotsen, der sich die Schuld an einer Flugzeugkollision gibt, in eine Affäre. Das Drama lehnt sich an die Flugzeugkatastrophe von Überlingen an.

Nicki von Tempelhoff ist Marie Bäumers Lebensgefährte. Mit ihm und dem gemeinsamen Sohn Shawn lebt sie in Hamburg.

  • Geburtstag
    07.05.1969
  • Geburtsort
    Düsseldorf
  • Geburtsland
    BRD
Sinnlichkeit und Risiko

In Oskar Roehlers "Der alte Affe Angst" entfaltet Marie Bäumer ihr ganzes schauspielerisches Talent - und beweist Mut in einer Rolle mit Grenzerfahrung.

Großansicht Marie Bäumer ist in Top-Form

Marie Bäumer ist in Top-Form

» Ein großer Sprung von der flotten Saloonsängerin Uschi aus "Der Schuh des Manitu" zur Frau, die in einem schonungslosen Beziehungsdrama um ihre Liebe kämpft.

MARIE BÄUMER: Ich habe vorher auch dramatische Figuren gespielt, "Manitu" war ein wunderbarer Ausflug in den Bereich Comedy. Es macht mir auch Spaß immer wieder etwas Konträres zu machen, zu überraschen.

» Man hat das Gefühl, Sie gehen in "Der alte Affe Angst" an Ihre Grenzen.

Der Kampf lag in der Überlegung, wie drücke ich Emotionen aus, wie komme ich zu diesem Grenzpunkt. Manchmal war ich körperlich nach einem Nachtdreh ziemlich kaputt. Dann bin ich in voller Montur auf dem Hotelbett eingeschlafen, um vier Uhr morgens wach geworden und dann auf allen vieren ins Bad gekrabbelt. Das ging schon an die Substanz.

Großansicht Als Marie in "Der alte Affe Angst"

Als Marie in "Der alte Affe Angst"

» Ist bei so einem Stress noch ein Privatleben möglich?

Auf der Schauspielschule habe ich gelernt, einen klaren Abstand zur Arbeit zu finden, ich verliere mich nicht in einer Rolle, sondern beschäftige mich zwischendurch mit ganz normalen Dingen wie Wäschewaschen, Einkaufen oder dem eigenen Psychoterror. So richtig abschalten kann man nicht, aber man muss neue Kraft tanken.

» Wie sind Sie in diese schwierige Figur hineingeschlüpft?

Ich habe mich auf irgendeine merkwürdige Art in sie verliebt, sie war mir sehr nahe. Es war etwas Instinktives, eine Lust am Risiko, an der Sinnlichkeit. Eine bestimmte Lebenserfahrung gehört natürlich dazu. Als Schauspielerin ist es das Schönste, Trägerin einer Sehnsucht zu sein.

Großansicht Mit Simon Schwarz in "Adam & Eva"

Mit Simon Schwarz in "Adam & Eva"

» Ihr Filmpartner betrügt und belügt Sie, begehrt Sie sexuell nicht mehr. Warum kämpft eine Frau um so einen Mann?

Für mich hat er eine große Kraft in seiner Liebe. Er gehört zu den Männern, die als Kind unter Mangel an Zuneigung litten und als Erwachsene wahnsinnige Probleme haben, ihre Gefühle auszudrücken, sich in Blockade und Selbstzerstörung flüchten. Frauen sind vielleicht konfliktfreudiger.

» Haben Sie persönliche Erfahrungen mit dieser Art von Liebe?

Dass jemand zu Prostituierten geht und ich mich damit auseinandersetzen muss, stammt nicht aus meinem Nähkästchen. Aber dieses Aufdecken der absoluten Wahrheit ist mir nicht fremd, diese Ausschließlichkeit, dieses "jetzt will ich es wissen". In der Nähe zum anderen spiegeln wir uns. Was wir uns auch gegenseitig antun, die Liebe ist der Motor, der uns am Leben erhält.


Filmografie
Treffpunkt Kino
Treffpunkt Kino

Jetzt neu
Deutschlands größtes Kinomagazin können Sie ab sofort auch online erleben. In der aktuellen Ausgabe: Alles über J.J. Abrams' "Star Trek: Into Darkness" und die weiteren Kinohits des Monats.

News zum Star