Marie Bäumer

Marie Bäumer

Leben & Werk

Als wilde Schöne brachte sie die “Männerpension” durcheinander, ritt als heiße Barsängerin Uschi in “Der Schuh des Manitu” flott über die Prärie und stürzte sich in “Der alte Affe Angst” in die Hölle der zerstörerischen Paarbeziehung, was ihr 2003 den Bayerischen Filmpreis einbrachte. Marie Bäumer lässt sich bei der Auswahl ihrer Rollen nicht festlegen, pendelt zwischen Film, TV und Theaterarbeit und befolgt die Maxime: “Ich versuche immer, zwischen meinem Beruf und meinem wirklichen Leben zu unterscheiden. Ich gehöre nicht zu denen, die monatelang nicht mehr aus einer Rolle herausfinden.”

Die pragmatische Einstellung der 1969 geborenen Düsseldorferin stammt aus ihrer Kindheit, als sie Karl May las und Indianer-Spiele liebte, weshalb ihr die Uschi, die mit Michael “Bully” Herbig auf Schatzsuche geht, lag wie eine zweite Haut. Zumal die Uschi urkomisch ist und sie beinahe als zweite, ulkige Romy Schneider gegolten hätte. Der Vergleich hinkt, nicht zuletzt weil Marie Bäumer bei aller Ähnlichkeit slawische Züge trägt, die ihr ovales Gesicht betonen. Ein Grund, weshalb sie für den TV-Film “Auferstehung” der Brüder Taviani (nach Leo Tolstoi) ausgesucht wurde, ebenso ein Historienfilm wie “Napoleon” (sie spielte seine jüngere Schwester Caroline) – Rollen, die sie wegen der Möglichkeit, in prachtvollen Kostümen aufzutreten, annimmt: “Die Stoffe sind wunderbar, alles ist aus Samt und Tüll. Man fühlt sich nicht eingeschnürt, hat aber trotzdem jene Grandezza, die es braucht, um sich in den hochherrschaftlichen Räumen angemessen zu bewegen.”

Bäumer absolvierte von 1994-1997 ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Hamburg und trat zwischen den Film- und TV-Engagements an fast allen Hamburger Theatern auf: Thalia Theater, Kammerspiele, Theater im Zimmer und Theater im Kampnagel. 1995 gelang ihr gleich mit der ersten Kinorolle in “Männerpension”, wo sie dem Knacki Til Schweiger das Leben schwermacht, der Durchbruch. Der Horrorfilm “Sieben Monde” bedeutete einen Rückschritt, aber ihr dritter Film “Der Schuh des Manitu” wurde mit über 11 Millionen Besuchern zu einem der größten Publikumserfolge in der Geschichte des deutschen Films.

Für Wim Wenders agierte Bäumer in dessen BAP-Hommage “Viel passiert” im engen Korsett der Konfitüren-Verkäuferin mit Bauchladen im Kino in einer stummen Rolle. “Der alte Affe Angst” wurde wegen der extremen Szenen der Liebes- und Sex-Auseinandersetzungen eines Paares zur puren Kraftanstrengung: “Je kontroverser eine Rolle, desto spannender.” In Paul Harathers “Adam & Eva” ging es, diesmal komödiantisch, im Geschlechterkampf weiter. Als Eva will Bäumer von Adam (Simon Schwarz) ein Kind, doch der will das bequeme Paradies trauter Zweisamkeit nicht aufgeben. Auf Thriller-Terrain begab sich Bäumer für die TV-Produktion “Ein toter Bruder“, in der sie auf einer Party mit der Vergangenheit in Gestalt der Rollstuhlfahrerin Diana (Valerie Koch) konfrontiert wird

In “Swinger Club” verlangte Regisseur Jan Schütte Improvisationsgabe und Nervenstärke von seinen Schauspielern, da er ohne Drehbuch arbeitete. Bäumer spielte darin Karina, eine Freundin der Hauptfiguren. Als Maria Goldberg, der Frau eines Judens, muss sie in Roland Suso Richters Fernsehfilm “Dresden” täglich mit seiner Deportation rechnen, und in dem 2008 mit dem Oscar ausgezeichnetem Kriegsdrama “Der Fälscher” ist sie in einer Nebenrolle als Aglaya zu sehen. 2008 flüchtete sie sich in dem Drama “10 Sekunden” als Frau eines Fluglotsen, der sich die Schuld an einer Flugzeugkollision gibt, in eine Affäre. Das Drama lehnt sich an die Flugzeugkatastrophe von Überlingen an.

Nicki von Tempelhoff ist Marie Bäumers Lebensgefährte. Mit ihm und dem gemeinsamen Sohn Shawn lebt sie in Hamburg.

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