Eine Frau nach Maß, Münchner Kindl, Seele von Mensch und als bayerisches Urgestein "die alpenländische Version von Marlene Dietrich" (Percy Adlon... - Foto: MDR http://images.kino.de/flbilder/max09/auto09/auto32/09320740/b150x150.jpg Marianne Sägebrecht
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Marianne Sägebrecht

  • Geburtstag
    27.08.1945
  • Geburtsort
    Starnberg

Eine Frau nach Maß, Münchner Kindl, Seele von Mensch und als bayerisches Urgestein "die alpenländische Version von Marlene Dietrich" (Percy Adlon). Marianne Sägebrecht brachte mit ihrer erfrischenden Herzlichkeit, komischen Rundlichkeit und natürlichen Ausstrahlung einen so eigenwilligen wie erfreulichen Ton in die deutsche Filmlandschaft, als sie sich 1984 als Leichenwäscherin in der Liebesgeschichte "Zuckerbaby" mit hinreißend draller Erotik und warmherzigen Gefühlswallungen in U-Bahn-Fahrer Eisi Gulp verliebte. Gegen jede Schönheitsnorm und gegen den Jugendwahn des Gewerbes setzte Sägebrecht in der Folgezeit mit einfachen, offenen und dank ihrer immer strahlenden Augen immer sympathischen Charakteren ein buchstäbliches Gegengewicht.

Marianne Sägebrecht wurde 1945 in Starnberg geboren und absolvierte die Realschule. Ihr Vater war im Krieg gefallen, der Stiefvater, ein KZ-Heimkehrer, misshandelte sie jahrelang, bis sie mit 16 Jahren nach München zog und sich als medizinisch-technische Assistentin ausbilden ließ und eine Fotolehre begann. Schon als Kind hatte sie sich für Kleinkunst interessiert und Bühnenbilder entworfen. Sie heiratet mit 19, wird Mutter einer Tochter und leitet mit ihrem Mann vier Jahre die Kleinkunstbühne "Spinnradl" in Starnberg. Nach der Scheidung 1976 wird sie Chefin der Künstlerkneipe "Mutti Bräu" in München und als Mutter der bayerischen Kleinkunstszene mit ihrer Truppe "Opera Curiosa" ein Begriff. Sie knüpft Kontake zu Varietés, Theaterleuten und zum Zirkus Roncalli, spielt Kabarett und organisiert Theatertreffen. Die daraus resultierenden Schulden wird sie mit dem Geld aus ihren Filmerfolgen bezahlen.

Als Sägebrecht 1979 im Münchner Studiotheater in "Adele Spitzeder" als Hure Bella auf der Bühne steht, sieht sie dort Regisseur Percy Adlon, der sie in seinem TV-Film "Herr Kischott" besetzt und vier Spielfilme mit ihr inszenieren wird ("Die Schaukel, "Zuckerbaby", "Out of Rosenheim", "Rosalie Goes Shopping"). In "Out of Rosenheim", der unter dem internationalen Titel "Bagdad Café" ein Welterfolg wird, strandet sie als Bayerin in der kalifornischen Wüste und macht aus einer Oase ein Paradies. Sägebrecht tritt in amerikanischen Produktionen als Haushälterin von Michael Douglas in "Der Rosenkrieg" und als Kosmetikerin in Rio in "Mond über Prador" auf, bleibt aber Europa treu und ist als Gutemine die Idealbesetzung der Ehefrau von Häuptling Majestix in "Asterix und Obelix gegen Caesar" (1999).

Ihre Heimat findet Sägebrecht seit den späten 90er-Jahren in TV-Movies, vor allem in den drei Teilen um die Köchin "Marga Engel" (2001, 2003, 2004). Sie spielt Mägde, Landarbeiterinnen, eine französische Provinzpostbotin ("Eine Frau nach Maß") und immer wieder Haushälterinnen und gute Seelen ("Der kleine Lord", "Scheidung auf amerikanisch"). 2003 gibt sie in einer Talkshow ihren Rückzug vom Film bekannt und will Dokumentarfilme über einfache Menschen drehen, nimmt aber kurz darauf wieder Rollen an, so 2005 als Masseuse in "Charlotte und ihre Männer" (TV).

Marianne Sägebrecht veröffentlicht 1994 das Buch "Ich trau der Zukunft", das als kalendarischer Lebenslauf angelegt ist. Sie lebt mit Mutter und Tochter in einer Dreizimmerwohnung in Schwabing.

Im Lauf ihrer Karriere wird Marianne Sägebrecht 1982 mit dem Schwabinger Kunstpreis, 1986 mit dem Ernst-Lubtisch-Preis (für "Zuckerbaby"), dem Filmband in Gold des Bundesfilmpreises (1988 für "Out of Rosenheim") und dem Bambi 1989 ausgezeichnet. Für ihre beeindruckende Leistung als Dienstmagd und spätere Ehefrau von Michel Piccoli in Jiri Weiss' "Martha und ich" wird sie 1991 auf dem Filmfestival von Seattle als Beste Darstellerin ausgezeichnet. 2003 erhält sie den Bayerischen Verdienstorden.

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