Ihre Dankesrede bei der "Oscar"-Verleihung 2001, wo sie als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde für ihre Rolle der unter dem alkoholabhängigen Maler Jackson Pollock (Ed Harris) leidenden Geliebten, brachte in 45 Sekunden die Charakteristika von Marcia Gay Hardens Schauspielkunst auf den Punkt: Selbstbeherrschung bis zum Äußersten, um auf keinen Fall Tränen oder Schwächen zu zeigen und schwierige Situationen mit Würde und Haltung zu meistern. Das gelang der 1959 in Kalifornien geborenen Schauspielerin auch in "Rendezvous mit Joe Black", wo sie als älteste Tochter des sein Imperium ordnenden Medientycoons Parrish (Sir Anthony Hopkins) bereits an dessen Erbe arbeitet. Hardens Blick ist der einer durchorganisierten Frau, die strenge Ordnung liebt, Regeln aufstellt, skeptisch auf Veränderungen reagiert und an Verantwortung und Pflichten gewöhnt ist. Dabei äußert sich ihr Mitleid nicht in Gefühlsausbrüchen, sondern in tatkräftiger Hilfe wie in "Die Geschichte vom Spitfire Grill", wo sie als Nichte von Ellen Burstyn in der Küche des Lokals aushilft, als die Tante sich das Bein bricht.
Marcia Gay Harden, die viel im Theater arbeitet und mehrfach ausgezeichnet wurde, debütierte in dem Gangsterfilm "Miller's Crossing" der Coen-Brüder als Geliebte von Albert Finney, die ein Verhältnis mit dessen rechter Hand Gabriel Byrne unterhält und ihn in einer Szene mit einem gezielten Kinnhaken ausknockt. In der Komödie "Der Club der Teufelinnen" betrügt sie als Psychologin erfolgreich ihre Patientin Diane Keaton mit deren Mann, in Barbet Schroeders Krimi "Desperate Measures" war sie die Ärztin, die von einem Killer (Michael Keaton) als Geisel genommen wird, und in "Flubber" wird sie als Dekanin und Geliebte von Robin Williams der Forschung wegen sträflich vernachlässigt und muss ertragen, dass er nicht zum Hochzeitstermin erscheint. Nachdem sie bereits in "Space Cowboys" für Clint Eastwood vor der Kamera stand, griff dieser auch für "Mystic River" auf sie zurück: Als Ehefrau des in seiner Kindheit geschändeten Dave (Tim Robbins) versucht sie, diesem Halt zu geben. In Mike Newells "Mona Lisas Lächeln" gehört Marcia Gay Harden zum hochkarätigen Schauspielerinnen-Ensemble, das von Julia Roberts angeführt wird.
Bacon spielt für Eastwoods Tochter
Ihr bisher größter Erfolg waren Nacktfotos für den Playboy.
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Ob Kevin Bacon in Alison Eastwoods Regiedebüt lieber unerkannt bleiben will? (Foto: Kurt Krieger)
Doch jetzt wird Alison Eastwood ihren ersten Film inszenieren. Am Set des Selbstmord-Thrillers "Rails and Ties" darf die 34-Jährige gleich die Edelmimen Kevin Bacon und Marcia Gay Harden dirigieren.
Möglich macht das natürlich nur Daddy Clint, Hollywood-Ikone mit dem entsprechenden Einfluss. Denn Töchterchen Alison hat bisher lediglich Auftritte in zweitklassigen TV-Serien vorzuweisen oder kleinere Parts in Papas Filmen wie im Thriller "Mitternacht im Garten von Gut und Böse". Wann immer Alison die Hauptrolle spielte, wie zuletzt im Ökö-Kracher "Fusion Factor", kamen die Filme erst gar nicht ins Kino.
So tat Alison im Februar 2003 das, was viele erfolglose Schauspielerinnen tun: Sie zog sich aus. Weil Miss Eastwood einen bekannten Namen und genügend Kurven durch die Gegend trägt, erschienen die Bilder zumindest nicht im nächstbesten Schmuddelblatt, sondern gleich beim Hochglanz-Branchenführer Playboy.
Es fährt ein Zug nach nirgendwo
Dass Alison nun bei ihrem Regiedebüt ausgerechnet zwei der Stars aus Daddys doppelt Oscar-prämiertem Vorstadtdrama "Mystic River" vor die Kamera kriegt, ist natürlich auch kein Zufall. Schließlich produziert Clint Eastwood den Film höchstpersönlich.
Auch die Handlung von "Rails and Ties" erinnert an "Mystic River" und erzählt vom dramatischen Konflikt zweier Familien: Eine Mutter will Selbstmord begehen und stellt sich mit ihrem Auto, in dem auch ihr 9-jähriger Sohn sitzt, mitten auf einen Bahnübergang. Kevin Bacon spielt dabei den geschockten Zugführer, Marcia Gay Harden dessen Frau.
Nur schade für Alison, dass Clint Eastwoods Einfluss aufs Casting - und vielleicht sogar auf einige Filmkritiker - deutlich größer ist als auf den Ticketverkauf an der Kinokasse.