Neben Federico Fellini war Visconti der wichtigste Regisseur der italienischen und einer der bedeutendsten der europäischen Filmgeschichte. Luchino... - Foto: http://images.kino.de/flbilder/max01/mbiz01/mbiz09/z0109153/b150x150.jpg Luchino Visconti

Steckbrief

Luchino Visconti


  • Bürgerlicher Name
    Luchino Visconti di Modrone
  • Geburtstag
    02.11.1906
  • Geburtsort
    Mailand
  • gestorben
    17.03.1976

Neben Federico Fellini war Visconti der wichtigste Regisseur der italienischen und einer der bedeutendsten der europäischen Filmgeschichte. Luchino Visconti (1906 - 1976), der Mitbegründer des Neorealismus, der sich wie Fellini später von der Stilrichtung abwandte und in Filmen von großer epischer Kraft Schönheit, Tod, Verfall und die Dekadenz und Morbidität des Adels und des Großbürgertums in ausgeklügelten Arrangements ausbreitete, entstammte einer mailändischen Fürstenfamilie, die ihre Vorfahren bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen konnte. Er war ein kulturell gebildeter Mann und politisch Marxist, dessen Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen sich nicht erfüllten. Visconti arbeitete als Regieassistent von Jean Renoir, und begründete mit "Ossessione" (1942), der in die Po-Ebene verlegten Verfilmung von James M. Cains "The Postman always Rings Twice", den Neorealismus, in dem er den gelackten Komödien und Melodramen der Zeit ein Bild von Mord, Armut, Gier, Leidenschaft und zerstörerischer Kraft eines Tramps und einer Ehebrecherin entgegensetzte. Der Film wurde nur gekürzt freigegeben. Nach dem Krieg drehte Visconti mit Franco Zeffirelli, seinem damaligen Geliebten, und Francesco Rosi als Regieassistenten, auf Sizilien das Fischerdrama "Die Erde bebt", und mit Anna Magnani "Bellissima", eine Satire auf das Filmgeschäft und die unerfüllten Träume der armen Leute in der Not der Nachkriegszeit. Spätestens mit "Senso" (1954), in dem sich eine Gräfin während der italienischen Befreiungskriege in einen Deserteur verliebt, demonstrierte Visconti seine außerordentliche Fähigkeit, melodramatische Stoffe opernhaft mit visueller Opulenz als große Abschiedssymphonien zu komponieren. "Rocco und seine Brüder", in dem eine süditalienische Familie in Mailand zerbricht, steht zwischen neorealistischen Tendenzen und dem epischen Bilderreigen, der seinen Höhepunkt in Viscontis größtem Meisterwerk, in "Der Leopard", findet, der als einer der schönsten Filme aller Zeiten gilt und auch international trotz Kürzungen durch den Verleih, ein Erfolg wurde und die Goldene Palme von Cannes erhielt. "Der Leopard", mit der Traumbesetzung Burt Lancaster, Alain Delon und Claudia Cardinale, malt in einem prächtigen Familienepos den Übergang vom Feudalismus zur bürgerlichen Gesellschaft mit kostbaren Szenen, von denen die 45-minütige Ballsequenz, die noch Martin Scorsese und Michael Cimino beeinflussen sollte, nie wieder erreicht wurde. Mit "Die Verdammten" (über die Ruhrbarone unter dem Faschismus), "Tod in Venedig" (Verfilmung der Novelle von Thomas Mann) und "Ludwig II." (Helmut Berger als Märchenkönig der Bayern) schafft Visconti in seiner "deutschen Trilogie" Bilder von dekadenter Todessehnsucht und Glanz im Angesicht des Untergangs. Die besonders in Deutschland heftig diskutierten Filme erweisen sich als zeitüberdauernd und, auch in der Zeichung von Sexualität und Faschismus, als modellbildend. "Gewalt und Leidenschaft" und "Die Unschuld", den er im Rollstuhl vollendet, waren Viscontis letzte Werke. Der Regisseur war international auch renommiert durch seine Operninszenierungen, unter anderem mit Maria Callas. 1971 erhielt er in Cannes einen Spezialpreis für sein Gesamtwerk.

  • Bürgerlicher Name
    Luchino Visconti di Modrone
  • Geburtstag
    02.11.1906
  • Geburtsort
    Mailand
  • Geburtsland
    Italien

Star-Parade in Cannes

Im Kino mit den Stars: Nicht immer lockte nur das neueste aus dem Weltkino beim 63. Festival in Cannes die Massen an.

Großansicht Wenn Altmeister Visconti lockt, mischen sich sogar Superstars wie Benicio del Toro und Kate Beckinsale unters Volk (Foto: Kurt Krieger)

Wenn Altmeister Visconti lockt, mischen sich sogar Superstars wie Benicio del Toro und Kate Beckinsale unters Volk (Foto: Kurt Krieger)

Eines der Highlights, das sich auch einige Superstars nicht entgehen lassen wollten, war die Vorführung der von Martin Scorsese präsentierten, fantastisch restaurierten Fassung von Luchino Viscontis Meisterwerk "Der Leopard" von 1962.

Benicio Del Toro sitzt schon früh im vollen Kinosaal, plauderte entspannt mit seinen Fans, lässt sich fotografieren und gibt den Star zum Anfassen. Als ihm der Rummel dann doch zu viel wird, verzieht er sich in eine andere Reihe und wird schließlich von Kollegin Kate Beckinsale erlöst, die in diesem Jahr Jury-Mitglied war. Sie setzt sich neben ihn und die beiden stecken fortan die Köpfe zusammen.

Wenig später hat Salma Hayek, bildschön wie immer, ihren großen Auftritt, wird von den Fans mit Applaus begrüßt und fiebert sich, ebenso wie Juliette Binoche, durch die bildgewaltige drei Stunden-Fassung. Am Ende ließen sich die Darsteller von einst auf der Bühne feiern: Claudia Cardinale und ein sichtlich bewegter Alain Delon genossen das Bad in der Anerkennung des Publikums.

Bilder zu "Der Leopard"

Fotos ansehen

Hollywood an der Côte D'Azur

Nur drei amerikanische Produktionen hatten es in diesem Jahr an die Croisette geschafft, zwei davon außer Konkurrenz. Auch wenn also kein Preisregen für die USA zu erwarten war: alle drei Filme boten ehrliches, unterhaltsames Kino.

Zum einen Ridley Scotts Eröffnungsfilm "Robin Hood", der seinem Star Russell Crowe die Gelegenheit gab, seinen Söhnen Charlie (6) und Tennyson (3) zu zeigen, wie Daddy im Blitzlichtgewitter eine gute Figur abgibt.

Zum anderen Oliver Stone, der die Sorgen der Menschen auf den Punkt brachte mit der Fortsetzung seines Klassikers von 1988.?In "Wall Street - Geld schläft nicht" macht Michael Douglas als aus dem Knast entlassener, ins Zentrum der Hochfinanz zurückkehrender Gordon Gekko zwar bisweilen den jungen, idealistischen Wall Street Banker Jake, den Shia LaBeouf gibt, schauspieltechnisch platt. Und auch wenn das Hollywood-Ending, bei dem Gecko doch noch so etwas wie Herz, Gefühl oder einfach nur Unrechtbewusstsein zeigt, zu mainstreamig ausfällt: Für beste Unterhaltung mit Message ist allemal gesorgt.

Bilder zu "Wall Street - Geld schläft nicht"

Fotos ansehen

Ebenso in Doug Limans "Fair Game", der einzigen US-Produktion im Rennen um die Goldene Palme. Intelligentes Spannungskino gelingt dem Regisseur von "Mr. & Mrs. Smith" mit dem mit Naomi Watts und Sean Penn prominent besetzten Politthriller nach dem realen Skandal um die Botschaftergattin Valerie Plame, die als CIA-Agentin enttarnt wurde. Auch ohne Palmwedel also ein faires Spiel, verlässliche Thrillerkost fürs Publikum!


Filmografie

treffpunkt kino kompakt

In der aktuellen Ausgabe: Das große Special zu "Men in Black 3" und der erste Trailer zu "The Great Gatsby"!

Zum Magazin

Das multimediale Kinomagazin jede Woche kostenlos per Mail - jetzt registrieren!

GO

News zum Star