Mit "Hotel Lux" beweist Leander Haußmann erneut sein Händchen für Tragikomik.
Leander Haußmanns Hauptdarsteller Michael Bully Herbig betritt mit "Hotel Lux" Neuland - und macht sich großartig (Foto: Concorde)
Mit welchem Gefühl soll der Zuschauer das Kino verlassen?
LEANDER HAUSSMANN: Wie eigentlich immer bei mir mit einem optimistischen, mit dem Gefühl, die Welt wird besser. Das unterscheidet die Komödie von der Tragödie.
Haben Sie vor Beginn des Projekts Lubitsch und Chaplin rauf- und runtergeguckt?
Nein, das ist so eine Cineasten-Geschichte. Sobald sich jemand als Hitler verkleidet oder ein Schauspieler ihn verkörpert so wie in "Hotel Lux", redet man von Ernst Lubitsch und Charlie Chaplin. Ich lege Wert darauf, dass diejenigen, die das bemerken in ihren Kritiken, nicht diejenigen gewesen wären, die damals den Erfolg von "Sein oder Nichtsein" erkannt hätten. Aus Gründen der politischen "Correctness" und der Moral war der Film ein gigantischer Flop.
"Hotel Lux" wanderte über die Jahre von einem Produzenten zum anderen. Empfanden Sie es als besondere Herausforderung, das Projekt zu verfilmen?
Das war schon mehrmals bei mir. Es lag bei Thomas Brussig, als wir gemeinsam "NVA" realisierten. Ich hatte Zeit, mich mit diesem Monstrum auseinanderzusetzen, und wusste auch, dass Helmut Dietl mir als Regisseur wohlwollend gegenüberstand und die Wahl von Brussig etwas mit "Sonnenallee" und mir zu tun hatte. Deshalb war ich auch nicht erstaunt, als das Projekt bei mir landete. Brussig sollte das Drehbuch schreiben, kam aber nur bis zum Treatment.
Es gab einen ziemlichen Verschleiß an Drehbuchautoren.
Das liegt daran, dass ich einen sehr großen Respekt vor Drehbuchautoren hatte und meinte, ich kann ein Drehbuch nur nach einer Vorlage schreiben. Im Verlauf der Bemühungen - auch durch Günter Rohrbach, der Uwe Timm und Volker Einrauch einbrachte - stellte ich fest, dass ich es vielleicht doch selbst kann. Dazu gehört ein gewisses Selbstvertrauen und der Glaube des Produzenten. Rohrbach sagte irgendwann "Jetzt schreiben Sie das mal gefälligst selbst, es reicht!" Mit Uwe Timm habe ich lange Gespräche geführt, und Volker Einrauchs Ausführungen waren als Grundlage durchaus für mich geeignet. Ich finde mein in anderthalb Jahren geschriebenes Drehbuch sehr gut. Da gibt es keine Allgemeinplätze oder ungenauen Dialoge. Darauf bin ich sehr stolz. Ich habe es mir nicht einfach gemacht. Der Ansatz für das Buch war ein sehr ernsthafter, eine Hommage an integre und aufrecht gebliebene Menschen wie Hans Zeisig, nicht unbedingt typische Helden oder Gesellschaftsveränderer, nicht die Weiße Rose. Aber sie lebten in dieser furchtbaren Zeit und haben sich nicht angepasst. Vor allem Komiker und Variétékünstler sagten: Ich bleibe, wie ich bin. Viele bezahlten ihre Haltung mit dem Tod.
Trotz Ihres Händchens für Humor: Fühlten Sie sich nicht manchmal wie bei einem Ritt auf der Rasierklinge?
Was die Komik betrifft, haben wir auf vieles verzichtet, da war schon mehr möglich. Aber genau diese Gratwanderung und den Verzicht halte ich für charmant. Und das Charmante war mir sehr wichtig. Uncharmant, hart und böse kann man immer bei diesem Thema sein. Wir sollten vielleicht mehr Selbstvertrauen in Deutschland gewinnen und uns nicht immer selbst kasteien bei der Verbindung von ernst und lustig. Das hat Shakespeare schon gemacht und die Amerikaner sowieso. Und wir trauen uns inzwischen auch.
Wie lief die Zusammenarbeit zwischen Ihnen als "peniblen Chaoten" und dem sehr genauen Michael Bully Herbig?
Trotz vieler negativer Eigenschaften habe ich eine positive, meine Offenheit. Ich habe überhaupt keine Berührungsängste mit nichts und ein großes Herz für Comedians. Sich auf die Bühne zu stellen und ein Programm abzuliefern, das die Leute zum Lachen bringt, ist eine große Mutfrage und bedarf eines sehr fundierten Könnens. Bei Bully, Bastian Pastewka oder Otto geht es nicht ums Witzeerzählen. Die haben ein Schauspielerherz, und das will mehr - wie die tragische Komponente, die Tiefe der Figur.
Gab es mal eine Konkurrenzsituation?
Immer, aber ich habe kein Autoritätsproblem, unser Verhältnis beruht auf Respekt. Wenn man sich bei einer so fragilen Arbeitsbeziehung nicht einigt, kann man das ganze Projekt, das Herz des Films, beschädigen. Ich empfinde mich nicht als Künstler, sondern als jemand, der verschiedene Leute zusammenbringt und sie mit seinen Ideen so befruchtet, dass sie tätig werden und sich entfalten können. Das betrifft Schauspieler ebenso wie Ausstatter, Musiker oder Kameraleute.
Und Ihr Verhältnis zu Günter Rohrbach?
Der gehört zu einer anderen Generation mit einer anderen Sicht auf die Dinge, ob Ästhetik, Erzählweise oder Historie. Da hat es schon extrem gekracht, bis zum Aufknallen des Telefonhörers. Aber mit Rohrbach kann man sich sehr gut anschreien, das ist im Nachhinein dann vergessen. Zum Streit gehört auch Nachgeben. Wenn man das Gefühl hat, der andere gibt nicht nach, wird man des Streitens müde. Aber wenn man wie bei Rohrbach weiß, der Streit lohnt sich, und man ein offenes Ohr hat für die Argumente des anderen, wird einem selbst bewusst, was wichtig ist. Man lernt dadurch.