Das Adelsprädikat "von" ist eine Erfindung des dänischen Regisseurs Lars von Trier, der 2000 mit dem Gewinn der Goldenen Palme in Cannes den... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max11/kuk11/kuk22/u1122087/b150x150.jpg Lars von Trier

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Lars von Trier


  • Geburtstag
    30.04.1956
  • Geburtsort
    Kopenhagen

Das Adelsprädikat "von" ist eine Erfindung des dänischen Regisseurs Lars von Trier, der 2000 mit dem Gewinn der Goldenen Palme in Cannes den Höhepunkt seines Regieschaffens mit dem Melomusical "Dancer in the Dark" erreichte. Die isländische Sängerin Björk (Darstellerpreis in Cannes) spielte darin eine langsam erblindende Fabrikarbeiterin, die sich für ihren Sohn aufopfert und, ungewollt Mörderin geworden, am Galgen endet.

Lars von Trier wurde 1956 in Kopenhagen geboren, studierte dort an der Filmhochschule und fiel mit extravaganten Kurzfilmen auf, die, wie viele der folgenden Filme, an seinen Vorbildern Carl Theodor Dreyer und Andrej Tarkowskij orientiert waren. Sein Abschlussfilm "Bilder der Befreiung" befasste sich mit der deutschen Besatzung Dänemarks. Auf Filmfestivals fiel von Trier erstmals mit dem avantgardistischen Film noir "The Element of Crime" (1984) auf, der vor allem durch die Bildsprache originell wirkte und den Beginn von Triers Auseinandersetzung mit Filmgenres darstellte. So war der Krieg Thema in "Epidemic" (1987), in dem erstmals Udo Kier als Darsteller mitwirkte, so war "Medea" (nach einem Skript von Dreyer) dem Mythos der Kindermörderin verpflichtet, und so war "Europa" (1991) eine suggestive Eisenbahnfahrt durch das Europa der Nachkriegszeit. Für seine Charaktere (hier Barbara Sukowa, Kier und Jean-Marc Barr) zeigte von Trier noch relativ wenig Interesse.

Eine Zäsur bedeutete die TV-Serie "Riget - Hospital der Geister" (1994, zweite Staffel 1997), in der ein Krankenhaus von Geistern heimgesucht wird und Elemente des Melodrams sich mit skurrilem Humor und Horrorfilmpassagen mischen. Der Einsatz der Handkamera erreichte in dem mit dem Großen Preis der Jury in Cannes 1996 und dem Felix als Bester Europäischer Film ausgezeichneten "Breaking the Waves" einen Höhepunkt. Die Liebes- und Passionsgeschichte der jungen Bess (Emily Watson als die Schauspielentdeckung des Jahres), die sich aus bedingungsloser Liebe für den Gatten und Ölbohrarbeiter Jan (Stellan Skarsgard) aufopfert und Zwiegespräche mit einem zornigen Gottvater führt, ist einer der Meilensteine des europäischen Autorenkinos.

Von Trier gehörte 1995 zu den Unterzeichnern des "Dogma 95"-Manifestes, in dem vier dänische Filmemacher die "Keuschheit der filmischen Erzählung" forderten und den Verzicht auf konventionelles Genrekino. Nach ihren zehn Regeln drehte von Trier "Idioten" (1998): Eine Gruppe junger Bürger imitiert Schwachsinnige, um an den Reaktionen der Umwelt die Restriktionen der Gesellschaft zu testen, scheitert aber an den eigenen Vorgaben und dem sich entwickelnden Führerkult.

2003 präsentierte von Trier das Ergebnis seiner ursprünglich auf drei Filme angesetzten Zusammenarbeit mit Nicole Kidman. Kidman spielte in "Dogville" die junge Grace, die 1930 in einem Bergdorf in den amerikanischen Rocky Mountains Zuflucht vor der Polizei und ihrem Vater, einem Mafiaboss, sucht. Ausschließlich im Studio gedreht mit minimaler Ausstattung und gemalten Kulissen, stellte sich von Trier erfolgreich der Herausforderung, die Abstraktion des Raumes mit filmischen (und darstellerischen) Mitteln zu überwinden. Für die unter ähnlichen Bedingungen gedrehte Fortsetzung "Manderlay" übernahm Bryce Dallas Howard den Part Kidmans: Nach der Flucht aus Dogville landet Grace auf der Plantage Manderlay im Süden der USA, wo Schwarze noch wie Sklaven gehalten werden - einen Zustand, den die naive junge Frau notfalls mit Waffengewalt ändern möchte.

Eine weitere Auseinandersetzung mit den USA bot Thomas Vinterbergs nach einem Drehbuch von von Trier entstandene Satire "Dear Wendy", in der eine Gruppe von amerikanischen Außenseitern obsessive Beziehungen zu ihren Schusswaffen aufbaut, die sich schließlich in einem Blutbad entladen. Von Trier ist ohne Zweifel einer der kreativsten europäischen Filmemacher, der wichtige Impulse gibt, so eigenwillig wie umstritten und immer wieder von der US-Presse ob seines vermeintlichen Antiamerikanismus angefeindet.

  • Geburtstag
    30.04.1956
  • Geburtsort
    Kopenhagen
  • Geburtsland
    Dänemark
  • Familie
    Mutter: Inger Host (Beamte, 1995 verstorben)
    Stiefvater: Ulf Trier (Beamter)
    Vater: Fritz Michael Hartmann

    Ehefrau: Caecilia Holbek Trier (1996 geschieden)

    Lebenspartnerinnen: Bente Froge (seit 1997)

    Kinder:
    Zwei Kinder von Caecilia Holbek
    Zwei Kinder von Bente Froge
  • Links
    http://www.geocities.com/lars_von_trier2000/index1.html (Fan-Seite)

"Wir hätten besser die Klappe halten sollen"

Für Ihre Leistung im Psycho-Drama "Melancholia" gewann Kirsten Dunst in Cannes die Silberne Palme als beste Darstellerin. Doch die Kontroverse um Regisseur Lars von Triers Nazi-Scherze überdeckte fast, welches großartige Meisterwerk der Däne geschaffen hat.

Großansicht Gewann zurecht den Darstellerpreis in Cannes für ihr Portrat einer depressiven Frau in "Melancholia": Kirsten Dunst (Foto: Concorde)

Gewann zurecht den Darstellerpreis in Cannes für ihr Portrat einer depressiven Frau in "Melancholia": Kirsten Dunst (Foto: Concorde)

Wie war Ihre Arbeitsbeziehung mit Lars von Trier?
KIRSTEN DUNST: Für mich sehr angenehm. Wir haben uns gut verstanden und viel zusammen gelacht.

Sie wechseln von Hollywood-Blockbustern zu Independent-Produktionen ... War der Dreh von "Melancholia" für Sie trotzdem etwas Neues?
Ich habe schon vor Melancholia mit anderen ausländischen Independent-Regisseuren und auch internationalem Cast gearbeitet, das kannte ich also schon. Neu für mich war die Arbeitsweise, die bei Lars von Trier am Set herrscht. Er erlaubt den Schauspielern, sehr natürlich zu sein und ermöglicht damit eine unglaubliche Erfahrung von Freiheit.

Inwiefern?
Man übt nicht vorher bei ihm. Normalerweise kommst du am morgen zu Set, du besprichst die Szene und probst sie, kommst nach dem Essen zurück und drehst genau das Eingeübte, oft mit Markierungen am Boden, wo du zu stehen hast. Mit Lars marschierst du einfach los, und die Kamera folgt dir. Das war für mich das tollste Erlebnis, das ich je hatte, diese Freiheit!

Ihm eilt der Ruf eines enfant terrible voraus, dem er in Cannes mehr als gerecht geworden ist. Warum wollten Sie mit ihm arbeiten?
Ich wollte mit ihm drehen, weil er für mich einer der größten Arthouse-Filmemacher unserer Zeit ist, der einzige, der Filme nur für Frauen schreiben kann, mit ganz großen Emotionen. Ich kenne keinen anderen männlichen Regisseur, der fähig ist, sich so in eine dieser Frauen hineinzuversetzen. Leider macht er nicht so oft Filme, und eine seiner Frauenfiguren zu sein, das empfand ich als Riesen-Chance und -Ehre.

Sie spielen eine von Depressionen heimgesuchte junge Frau, die dem Ende der Welt entgegen sieht. Keine leichte Rolle. Hat der Regisseur Ihnen geholfen?
Wir haben vorher viel gesprochen und Lars war sehr offen, was seine eigene Geschichte betrifft. Er hat von seinen Depressionen und Zusammenbrüchen erzählt, und wir haben gemeinsam überlegt, wie so etwas im Film aussieht, wie man das darstellen kann. Es gibt Szenen im Film, die sind autobiographisch im Hinblick auf seine eigenen Krankheitserfahrungen. Wenn sich ein Regisseur so öffnet und eine solch vertrauensvolle Atmosphäre erzeugt, dann ist man selbst auch bereit, sich an Orte zu begeben, die man sonst vielleicht meiden würde. Es ist eher wie eine Erfahrung, die man selber macht, nicht wie schauspielern. Lars hasst es, wenn etwas "wie gespielt" aussieht. Durch diese intensive Arbeit mit ihm hat sich bei mir die Art geändert, wie ich mich seitdem einem Film annähere.

Haben Sie Neues ausprobiert?
Ich mache schon seit Ewigkeiten Filme, bin schon sehr lange in dem Geschäft. Aber diesmal habe mich ganz anders geöffnet, habe Erfahrungen gemacht, die ich nie zuvor erlebt habe. Das war sehr erfrischend und anregend.

Was ist das Besondere an seinem Set?
Die Intimität, die er am Set aufbaut, die Familie, die er hat, Designer, Artdirector, Kameramann, jeder ist mit ihm sehr eng verbunden. Es ist wie eine Familie, jeder ist beteiligt, und gleichzeitig ist es sehr still, sehr natürlich. Du bekommst plötzlich Komplimente von Seiten, von denen du sie nicht erwartet hast, und das bestärkt dich. Er schafft eine Atmosphäre, wie ich sie nie zuvor erlebt habe.

Hören Sie in einem typischen Hollywood-Movie denn keine Komplimente?
Doch, aber sie sind nicht so echt, so unverfälscht, wie wenn sie z.B. von der Kostümbildnerin kommen. Alle sind dabei, weil sie Teil dieses Indie-Projekts sein wollen, nicht weil irgendein großes Budget dahintersteht. Das ist eine ganz andere Motivation.

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Fiel es Ihnen schwer, den richtigen Ausdruck für Ihre Figur zu finden?
Dein Job als Schauspieler ist es, alles, was dir im Leben zur Verfügung steht, zu benutzen, um auszudrücken, was das Drehbuch von dir verlangt. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann das nicht, dann spiele ich die Rolle nicht. Ich wüsste nicht, wie man spielen könnte, ohne auf Erfahrungen aus seiner eigenen Biografie, seiner Persönlichkeit zurückzugreifen. Am Ende des Tages ist das eine kathartische Erfahrung. Es kann dich sehr stark emotional treffen. Aus diesem Film kann man viel mitnehmen.

Können Sie sich vorstellen, ein reguläres Mitglied der Lars von Trier-Filmfamilie zu werden?
Lacht: Nicht, wenn es sich um einen Porno handelt! (in Anspielung auf von Triers Bemerkungen während der skandalträchtigen Pressekonferenz in Cannes, wo er als nächstes Projekt einen Porno mit Kirsten Dunst angekündigt hatte)

Mit welchen Regisseuren würden Sie gerne arbeiten?
Tarantino, ein ganz wichtiger für mich. Und Europäer? Da steht Michael Haneke ganz vorn. Ich wollte immer in anderer Sprache drehen, sehr gern einmal in deutsch. (spricht deutsch): Ich kann das ein bisschen, weil mein Vater Deutscher ist und aus Hamburg, kommt.

Wie war Ihre Reaktion, als diese Pressekonferenz aus dem Ruder lief? Sie sahen etwas entgeistert aus ...
Ich dachte, es wäre gut, wenn einer von uns jetzt einfach die Klappe halten würde...

Was gefällt Ihnen besonders an "Melancholia"?
Diese wahnsinnige visuelle Kraft. Der Anfang und das Ende sind unglaublich anzuschauen, überwältigend.

Glauben Sie, das Ende der Welt ist nah?
Nein!


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