Ken Russell

Ken Russell

Leben & Werk

Das Enfant terrible des britischen Kinos der 60er und 70er Jahre, blieb der 1927 in Southampton geborene britische Regisseur Ken Russell fast immer seinem Motto treu: “Dies ist kein Zeitalter für gutes Benehmen. Dies ist das Zeitalter, wo man Leute in den Unterleib tritt, ihnen die Meinung geigt und eine Reaktion erwartet.”

Der selbsternannte Provokateur Russell kam nach Tanz- und Schauspielausbildung und Arbeit als freiberuflicher Fotograf relativ spät zum Film, nachdem er bei der BBC mit einer Reihe fiktionalisierter Dokumentationen über Künstler wie Béla Bartók oder Claude Debussy Aufsehen erregt hatte. Diese 22 Filme von je 15 Minuten Länge begründeten seinen Ruf als unkonventioneller freier Interpret von Biografien.

Sein Regiedebüt, eine Sommer-Sand-Strand-Teenie-Komödie, geriet 1963 zum Debakel, mit seiner schrägen Agentenfilmarbeit “Das Milliarden-Dollar-Gehirn” (1968), in der Michael Caine zum dritten und (für das Kino) letzten Mal den Agenten Harry Palmer spielte, stieß er bei den Produzenten auf Missfallen. Als er zudem den Komponisten Richard Strauss als egomanen Faschisten porträtierte, endete seine TV-Karriere abrupt. Doch in dieser Zeit erreichte ihn ein Angebot von United Artists, den Roman “Liebende Frauen” von D.H. Lawrence zu inszenieren. Der Film (1969) bestätigte seinen Ruf als Enfant terrible und war für die Zeit freizügig in den Liebesszenen mit Glenda Jackson (die einen “Oscar” als beste Hauptdarstellerin erhielt), Alan Bates und Oliver Reed.

In den folgenden Jahren entstanden die Filme, die Russells Ruf und Bedeutung ausmachten und die alle um die Beziehung von Kunst und Leben, Natur und psychische Deformationen der Helden und sexuelle Leidenschaften kreisen. “Tschaikowski – Genie und Wahnsinn” zeigt den Komponisten als homosexuellen Exzentriker, dessen Frau (Glenda Jackson) im Irrenhaus endet. Russell stützte sich in dieser Zeit auf eine popbunte psychedelische und innovative Bildästhetik, die ihren Höhepunkt in der Verfilmung der Rock-Oper “Tommy” der Gruppe “The Who” fand, deren Leadsänger Roger Daltrey selbst den blinden Flipperkönig und Erlöser Tommy spielte. Russell demaskiert Franz Liszt als macht- und karrierebesessenen Triebtäter (“Lisztomania”), nahm auf Fakten keine Rücksicht und feierte die pure Lust am Tabubruch.

Sein Meisterwerk wurde “Die Teufel” (1971), das auf eine Hexenaustreibungsgeschichte aus dem Frankreich des 17. Jahrhunderts zurückgeht, und mit Vanessa Redgrave und Oliver Reed in den Hauptrollen eine Attacke auf Kirche, sexuelle Hysterie und Machtpolitik (in der Figur des Kardinals Richelieu) wird. Russells Art Director für diesen Film war Derek Jarman, der später selbst Regisseur wurde und von Russell beeinflusst ist.

Ab Mitte der 70er Jahre, Russell war der erfolgreichste englische Regisseur jener Jahre, schien seine überbordende Phantasie nachzulassen, die “Valentino”-Biografie (mit Rudolf Nurejew) erschöpft sich in Wiederholungen. In den USA errang er mit “Der Höllentrip” (mit William Hurt als Wissenschaftler im Selbstversuch) und mit der erotischen Phantasie “China Blue – Bei Tag und Nacht” (mit Kathleen Turner als Hure) Kassenerfolge. “Die Hure” (mit Theresa Russell, Frau des Regisseurs Nicolas Roeg) setzt sich mit der Prostitution auseinander. In seinem Spätwerk (“Gothic“, “Der Regenbogen”) dominieren nüchterne, stilisierte Töne die Phantastik und Naturromantik. Russell ist auch Darsteller (“Das Russland-Haus”).

Im Alter von 84 Jahren verstarb Ken Russell im November 2011.

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