Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Ken Loach im Alter von 70 Jahren, als er für sein Kriegsdrama "The Wind That Shakes the Barley" auf den... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max07/kuk07/kuk36/u0736058/b150x150.jpg Ken Loach

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Ken Loach


  • Geburtstag
    17.06.1936
  • Geburtsort
    Nuneaton, Warwickshire

Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Ken Loach im Alter von 70 Jahren, als er für sein Kriegsdrama "The Wind That Shakes the Barley" auf den Filmfestpislen Cannes 2006 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Loach ist der große Meister des englischen Sozialrealismus und sozialpolitischen Diskurses, der in stilistisch unverwechselbaren packenden Spielfilmen und TV-Arbeiten das Schicksal der kleinen Leute aus der Arbeiterklasse in engagierte und packende Erzählungen mit dem Impetus der Aufklärung über Entrechtung, Ausgrenzung und Systemstrategien der Mächtigen verbindet. Loach ist häufig wegen seines Anklagegestus angegriffen worden, geht aber unbeirrbar seinen Weg, die Wunden der Gesellschaft aufzuzeigen. Dabei gelang es Loach in seinen besten Filmen, den für das englische Kino typischen Galgenhumor, den Witz der Ausgebeuteten und die Schlagfertigkeit der Proletarier einzubinden. In der Regel gibt es bei Loach kein Happy End, aber wohlwollende Aussichten in die Zukunft; es bleiben trotz der Misere die Hoffnungen und Träume im Vordergrund.

Loach wurde 1936 als Sohn eines Fabrikarbeiters geboren, diente in der Royal Air Force, studierte Jura und begann mit experimentellem Theater, bevor er erst bei ABC Television, ab 1961 bei der BBC Arbeit fand. Seine in der Zusammenarbeit mit dem Produzenten Tony Garnett entwickelten Stoffe hatten zunächst halbdokumentarischen Charakter (z.B. "Cathy Come Home", 1966).

1967 debütierte Loach als Spielfilmregisseur mit "Poor Cow", in dem Stars wie Terence Stamp spielten. Loach untersuchte die krank machenden Mechanismen innerhalb der Familie, ob in "Kes" oder in seinem wichtigsten Film der 70er-Jahre, "Family Life. Ende der 80er-Jahre wurden die Filme von Loach auf Festivals oder als Beiträge für den Europäischen Filmpreis mehrfach ausgezeichnet, so "Riff Raff", in dem das Thatcher-England am Beispiel einer Großbaustelle humorvoll vorgeführt wird, oder "Raining Stones".

"Ladybird, Ladybird" erzählte vom Kampf einer Mutter um das Sorgerecht für ihre Kinder. Mitte der 90er versuchte Loach am Beispiel des Spanischen Bürgerkrieges ("Land and Freedom") und der Revolution in Nicaragua ("Carla's Song") die gescheiterte Geschichte der sozialrevolutionären Bewegungen aufzuarbeiten.

"Carla's Song" bildete den Anfang einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem schottischen Drehbuchautor Paul Laverty, im Laufe derer zunächst "My Name is Joe" (1999) folgte, mit dem Loach ins Arbeitermilieu zurückkehrte. Mit "Bread & Roses" (2000) spielte erstmals ein Film Loachs in den USA und erzählte von illegalen mexikanischen Arbeiterinnen in den Putzkolonnen der Konzernhochhäuser.

Seinem Ruf als Chronist sozialer Veränderungen wurde Ken Loach auch 2001 mit "The Navigators" gerecht, in dem er die Folgen der Privatisierung der britischen Eisenbahn für eine Gruppe Gleisarbeiter nachzeichnete. Der mehrfach preisgekrönte "Sweet Sixteen" führte Loach zurück nach Glasgow, wo er die Geschichte eines schottischen Teenagers zwischen Armut und Kriminalität erzählt.

Nach Beiträgen zu den Episodenfilmen "11'09'01" und "Tickets" entstand mit "The Wind That Shakes the Barley" 2006 ein Film, der den Freiheitskampf der Iren aufgreift, die sich 1920/21 gegen die Briten auflehnen und nach anfänglichen Erfolgen der IRA gegen die Besatzer in einen Bürgerkrieg geraten. Der humanistische Anspruch des Films macht ihn über den konkreten historischen Hintergrund hinaus zum Meisterwerk.

Ken Loach wurde in Cannes 1990 für "Hidden Agenda" mit dem Preis der Jury, 1993 für "Raining Stones" mit dem Preis der Jury und 1995 für "Land and Freedom" mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet. "Land and Freedom" erhielt den César 1995 als Bester ausländischer Film. Für "Ladybird, Ladybird" wurde Loach mit dem Goldenen Bären der Berlinale 1994 geehrt.

Ken Loach ist seit 1962 mit Lesley Ashton verheiratet. Das Paar hat fünf Kinder.

  • Geburtstag
    17.06.1936
  • Geburtsort
    Nuneaton, Warwickshire
  • Geburtsland
    Großbritannien

Das war Cannes 2009

25 Jahre ist es her, dass mit Wim Wenders' "Paris, Texas" zuletzt ein deutscher Film in Cannes mit der begehrten Goldenen Palme prämiert wurde.

Großansicht Strahlten um die Wette: Sieger-Regisseur Michael Haneke und sein Hauptdarsteller Ulrich Tukur (Foto: Kurt Krieger)

Strahlten um die Wette: Sieger-Regisseur Michael Haneke und sein Hauptdarsteller Ulrich Tukur (Foto: Kurt Krieger)

Gestern gab es an der Croisette endlich wieder strahlende deutschsprachige Sieger. Die Goldene Palme ging an "Das weiße Band", ein Film des österreichischen Regisseurs Michael Haneke, produziert in Deutschland mit einer deutschen Schauspieler-Riege, angeführt von Ulrich Tukur, Josef Bierbichler und Burghart Klaußner. Ein formal strenges Werk in starken Schwarz-Weiß-Bildern, das von mysteriösen Vorkommnissen in einem norddeutschen Dorf am Vorabend des Ersten Weltkriegs erzählt, in dem die Autorität und Strenge der dörflichen Autoritäten schleichend die Gesellschaft vergiftet. Eine Parabel auf die Mechanismen von Faschismus und Terrorismus.

Mit Christoph Waltz gab es einen weiteren glücklichen deutschsprachigen Gewinner: Der österreichische Schauspieler, der bislang vornehmlich in Fernsehrollen glänzte, wurde für seinen Part in "Inglourious Basterds" als bester Darsteller prämiert. Zurecht, verkörpert er doch meisterhaft einen ebenso charmanten wie bedrohlichen SS-Offizier in Quentin Tarantinos neuestem Film. Er ist der Gegenspieler der "Basterds", einem Trupp jüdischer US-Soldaten, die während des zweiten Weltkriegs Jagd auf Nazis machen, im Film angeführt von Brad Pitt.

Großansicht Willkommen in Hollywood: Für Christoph Waltz bedeutet die Darsteller-Palme den Beginn einer neuen Karriere-Phase (Foto: Kurt Krieger)

Willkommen in Hollywood: Für Christoph Waltz bedeutet die Darsteller-Palme den Beginn einer neuen Karriere-Phase (Foto: Kurt Krieger)

Ekliger Schnitt im Schritt

Am Ende besiegt das Kino selbst das Dritte Reich in diesem wunderbaren Filmmärchen, das Tarantino mit gewohnt witzigen Dialogen, einem ausgefeilten Soundtrack und jeder Menge Reminiszenzen an die Filmgeschichte angereichert hat. Neben Waltz haben in diesem in Berlin-Babelsberg gedrehten Film noch jede Menge anderer deutscher Schauspieler ihren großen Auftritt, von Til Schweiger über Diane Kruger bis Daniel Brühl.

Viele Filme des diesjährigen Cannes-Wettbewerbs strotzten nur so vor Gewalt. Der große Skandalfilm war "Der Anti-Christ" des dänischen Regisseurs Lars von Trier, in dem sich ein Paar nach dem Tod seines Kindes in einer abgeschiedenen Waldhütte gegenseitig malträtiert - Genitalverstümmelungen inklusive. Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg brachte dieser Rolle eine Palme ein.

Großansicht Als sie ihre Wiese hinter dem Haus in Augenschein nahmenm, ahnten sie nicht, dass es das größte Konzert aller Zeiten werden würde: "Taking Woodstock" (Foto: Tobis)

Als sie ihre Wiese hinter dem Haus in Augenschein nahmenm, ahnten sie nicht, dass es das größte Konzert aller Zeiten werden würde: "Taking Woodstock" (Foto: Tobis)

Wüstes Gemetzel und feiner Blumenduft

Blutig waren auch Park Chan-wooks Vampirfilm "Thirst" und "Kinatay" vom Philippino Brillante Mendoza, der über weite Strecken beschreibt, wie eine Prostituierte vergewaltigt, ermordet und zerteilt wird - die Jury hielt dies dennoch für preiswürdig. Auch der Kritikerliebling "Un prophète" aus Frankreich (Großer Preis der Jury) sparte nicht mit Gewalt. Doch in der Geschichte über einen jungen Kleinkriminellen, der sich im Knast zum Gangsterboss hocharbeitet, steht sie zumindest im Dienst der Geschichte.

Ohne Gewalt, aber mit viel lakonischem Humor kommt dagegen "Looking for Eric" von Ken Loach aus. Ein kleiner Postangestellter bekommt darin Lebenstipps von ManU-Fußballstar Eric Cantona. Ang Lee zeichnet mit "Taking Woodstock" ein warmherziges Porträt der Hippie-Ära mit viel Liebe zum Detail, während Pedro Almodóvar sein Liebesdrama "Zerrissene Umarmungen", das leider nicht so so gelungen ist wie sein Vorgänger "Volver", ganz auf seine Diva Penélope Cruz angelegt hat. Das Weltkino hat eben auch 2009 viele Gesichter.


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