Mit "Die Legende der Wächter" präsentiert Zack Snyder ("300", "Watchmen") seinen ersten Familienfilm. Wie immer stand ihm seine Ehefrau Deborah Snyder als Produzentin zur Seite - auch bei dessen brandheißem neuen Projekt "Superman"!
"Cool und ungewöhnlich": Zack und Deborah Snyder bringen "Die Legende der Wächter" in beeindruckender Optik ins Kino (Foto: Warner)
Ihre gemeinsame Produktionsfirma firmiert unter dem Namen "Cruel and Unusual Films". Wie passt das zu "Die Legende der Wächter", Ihrem ersten Familienfilm?
ZACK SNYDER: Nun, ich bin grausam, meine Frau ist ungewöhnlich. Oder umgekehrt?
DEBORAH SNYDER: Spaß beiseite, wir haben einen Namen gewählt, der ins Auge stechen sollte, weil wir genau solche Filme drehen wollen. Filme, die aus dem Rahmen fallen, die ausgetretene Pfade verlassen, die inhaltlich und visuell eine Herausforderung darstellen. Das ist der rote Faden. Und es trifft auch auf "Die Legende der Wächter" zu, auch wenn er eher "cool and unusual" ist. Es ist der erste Film von Zack, der eine Altersfreigabe erhalten hat, mit der ihn sich auch unsere Kinder ansehen dürfen. Es ist aber ein Familienfilm, der für Erwachsene genauso spannend ist.
ZS: Ich sehe ihn in erster Linie als großes Epos, als aufregendes Abenteuer. Als solches ist er natürlich ein intensives Erlebnis, aber glauben Sie mir, die Vorlagen von Kathryn Lasky sind deutlich düsterer. Wir haben sie spürbar entschärft, weil die Wirkung natürlich eine andere ist, wenn man etwas auf der Leinwand sieht anstatt es nur zu lesen. Jedes Handlungselement haben wir im Vorfeld lange und ausführlich diskutiert und uns überlegt, wie wir es darstellen sollen.
DS: Wir wussten, dass der Höhepunkt des Films eine große Schlacht sein würde. Da haben wir genau hingesehen, wie weit man gehen darf bei dem, was man zeigt. Sehr hilfreich waren die vielen Testscreenings mit Eltern und Kindern.
Das Ergebnis ist eine klassische Heldenreise. Das ist interessant, weil Sie in Ihren vorherigen Filmen, "300" und "Watchmen", die Idee von Heldentum nachhaltig dekonstruiert haben.
ZS: Stimmt. Aber dieses Hinterfragen von Heldentum rührt doch daher, dass ich mich immer schon emotional und intellektuell mit den Motiven der klassischen Heldenreise identifiziert habe. Wenn man den Mythen auf den Grund gehen will, muss man sie auseinandernehmen und in ihre Einzelteile zerlegen. Das habe ich gemacht. Und mir damit das nötige Selbstvertrauen geholt, mich ohne Brechungen auf eine solche Reise einzulassen. Es war sehr befreiend.
Sie greifen wie in den beiden Filmen zuvor wieder auf einen Erzähler aus dem Off zurück. Was gefällt Ihnen an diesem Stilmittel?
ZS: Ein Erzähler schafft Abstand. Das gefällt mir. Ich glaube, das tut Filmen wie den meinen gut. Ein Erzähler macht die sehr direkten und satten Bilder ambivalent. Erst durch ihn wird eine Geschichte zur Legende. Viele haben "300" missverstanden, weil sie die Bilder eins zu eins genommen haben. Dabei sieht man nur das, was der Erzähler berichtet. Und er verfolgt damit eine Absicht: Wir wissen nicht, wie groß das Heer von Xerxes wirklich war. Aber eine Million Krieger klingt imposanter als 100.000 Krieger und macht die Helentaten der Spartaner noch heldenhafter. Wir arbeiten gerade am Drehbuch von "Xerxes", der von einer anderen Schlacht handelt, die aber zur exakt selben Zeit stattfindet - und aus einer anderen Perspektive erzählt wird, was das Gezeigte aus "300" in ein ganz anderes Licht rückt. Das ist ein Film, auf den ich mich schon sehr freue.
Und für den Sie vielleicht von den 3D-Erfahrungen, die Sie bei "Die Legende der Wächter" gemacht haben, profitieren können?
ZS: Ich hatte nie wirklich darüber nachgedacht, was es bedeuten würde, in 3D zu arbeiten, welche Auswirkungen das auf meine Arbeitsweise haben würde. Insofern war die dreijährige Produktionszeit eine lehrreiche Schule für mich. Wenn Sie mich fragen, kann sich das Ergebnis wirklich sehen lassen. Sollte ich in der Zukunft wieder einen 3D-Film machen, kann ich hoffentlich von den Erfahrungen profitieren, die ich hier bei der Arbeit an jedem einzelnen Bild gemacht habe.
DS: Wir haben lange überlegt, ob uns 3D wirklich interessiert, und kamen zu dem Schluss, dass die Geschichte sich wirklich anbietet für diese Art der Umsetzung. Wir setzen die Stereoskopie auf sehr ungewöhnliche Weise ein. Mit ein oder zwei Ausnahmen lassen wir nichts aus dem Rahmen herausspringen, vielmehr ist unser 3D ein Fenster in die Welt, die wir zeigen.
ZS: Für die Animatoren war es nicht immer leicht, mit mir zu arbeiten. Mir war wichtig, meinen Inszenierungsstil eins zu eins auf die Animation zu übertragen. Deshalb haben wir einiges ganz anders gemacht, als man es in diesem Medium wohl normalerweise machen würde. Aber es war gut, sich jeden Tag aufs Neue zu fordern und zu hinterfragen, was man gerade macht oder ob es nicht vielleicht Möglichkeiten gäbe, es anders und damit besser zu machen.
Dabei haben Sie Ihren nächsten Film, "Sucker Punch", der kommenden März in die Kinos kommt, explizit nicht in 3D gemacht.
ZS: Lassen Sie es mich so ausdrücken: "Sucker Punch" ist deshalb nicht in 3D, weil "Die Legende der Wächter" in 3D ist. Es wäre nur eine nachträgliche Umwandlung in 3D in Frage gekommen, weil der Film bereits in 2D abgedreht war. Natürlich war das eine Überlegung. Aber weil ich gerade einen richtigen 3D-Film gemacht hatte, war mir bewusst, dass eine Konversion bestenfalls eine halbherzige Angelegenheit geworden wäre. Für mich kam nicht in Frage, einen Film abzuliefern, dessen 3D nicht so gut ist wie beim vorangegangenen Film. Wenn ich in der Zukunft wieder einen 3D-Film machen sollte, dann würde ich ihn entsprechend konzipieren und mit 3D-Kameras drehen.
DS: Nach dem Erfolg von "Avatar" war es nachvollziehbar, dass Warner Bros. bei all seinen Projekten überlegte, ob nicht eine Umwandlung der richtige Weg sei. Wir haben die Idee auch nicht grundsätzlich abgelehnt, aber hatten schließlich gute Argumente, warum 2D die bessere Lösung ist. Der Film sieht wirklich prächtig aus und wir hatten keine Lust, ihn mit schlechtem 3D zu ruinieren. Davon gibt es aktuell schon zuviel.
Wie weit sind Sie mit dem Film?
ZS: Fast fertig. Ein Monat noch, dann ist die Arbeit abgeschlossen. Ich glaube, "Sucker Punch" wird viele überraschen. Tief im Herzen ist es ein sehr emotionales Drama, das all die verrückten visuellen Ideen zusammenhält.
Wenn Sie von einem kommenden Film in 3D sprechen, können Sie nur "Superman" meinen.
ZS: Der Deal ist noch ganz frisch. Natürlich gibt es bereits ein paar Überlegungen, aber es ist noch nichts spruchreif. Hier ist, was ich sagen kann: Superman ist eine Figur, die ich schon als Kind geliebt habe. Er ist der King Daddy, der König der Superhelden. Es gibt nur zwei Figuren, die noch ikonografischer sind, und das sind Micky Maus und der Weihnachtsmann. Insofern ist es eine große Herausforderung und eine große Verantwortung. Vor allem aber ist es aufregend, die Welt zu erschaffen, in der Superman zu Hause ist.
Wann geht es los?
ZS: Wir fangen mit der Arbeit an, wenn wir von der Promotiontour nach Hause zurückgekehrt sind.