Katharina Thalbach

Katharina Thalbach

Leben & Werk

Kaum eine deutsche Schauspielerin hat die “dreckige Lache” so perfektioniert wie Katharina Thalbach. Ihr Kindergesicht mit Kulleraugen und die rauchige Stimme, die urplötzlich in ein Meckern übergehen kann, das Kokettieren mit ihrer Größe und die für eine Frau eckigen Bewegungen des Körpers bringen kontrastreiche Darstellungen hervor, die sie für lebenshungrige, neugierige und intensive Frauengestalten nutzt. Wegen ihrer lebenslangen Leidenschaft für das Theater war Thalbach nur zeitweise Filmstar, so in ihrem bekanntesten Film “Die Blechtrommel” (1980) in der denkwürdigen Verführungsszene in der Badekabine mit Oskar Matzerath und seinem Brausepulver auf ihrem Bauchnabel.

Thalbach, Tochter des Theaterregisseurs Benno Besson, wurde 1954 in Ost-Berlin geboren und wuchs im Theatermilieu auf, stand mit zehn Jahren erstmals auf der Bühne und hat seither als Darstellerin und Regisseurin (“Der Hauptmann von Köpenick”, “Macbeth”) hauptsächlich in Berlin (Schillertheater), aber auch in Paris, Hamburg und Zürich gearbeitet.

In der DDR war Thalbach in hochkarätigen Literaturverfilmungen wie “Lotte in Weimar” und “Die Leiden des jungen Werther” zu sehen. Nachdem sie ihrem Ehemann Thomas Brasch 1976 in den Westen gefolgt war, wurde sie in Margarethe von Trottas Regiedebüt “Das zweite Erwachen der Christa Klages” (1977) als Geisel in einem Banküberfall, die die Täterin deckt, bekannt. Die folgenden Arbeiten wie “Domino”, “Engel aus Eisen” und “Der Passagier”, alle von Brasch inszeniert, blieben Kritikererfolge. Nur Doris Dörries “Paradies” (mit Heiner Lauterbach) und “Kaspar Hauser”, wo sie die intrigant machthungrige Fürstin spielt, wurden Publikumserfolge. Sie glänzte stets in Ensemblefilmen wie “Sonnenallee“, wo sie in einer köstlichen Parodie auf die DDR-Erotik ihren Ehemann (Henry Hübchen) wieder in die Pflicht ruft.

Thalbach spielte in zahlreichen TV-Filmen (“Väter und Söhne”, “Die Manns”, “Die Rättin”) und wurde u.a. mit dem Bundesfilmpreis in Gold 1987 (für “Paradies”), dem Adolf-Grimme-Preis 1997 (für “Gefährliche Freundin”), dem Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste Berlin 1990 und dem Bayerischen Filmpreis 2006 (für “Strajk – Die Heldin von Danzig“) ausgezeichnet. Ihre Tochter Anna ist ebenfalls als Schauspielerin tätig.

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