Sie ist die schlagfertigste und mit Abstand beste "Kodderschnauze" des britischen Kinos und Fernsehens und in der Heimat seit der Auszeichnung durch den "OBE", den "Order of the British Empire-Orden", so etwas wie ein nationaler Schatz. Julie Walters hat noch vor Brenda Blethyn den rüden Working-Class-Humor gesellschaftsfähig gemacht, ihre Was-kostet-die-Welt-Attitüde, die mehr vom Leben fordert, war unschuldig und rauh zugleich und ging mit herzlicher Fröhlichkeit, die sich in späteren Jahren zu lüsterner Dreistigkeit wandelte, einher. Eine geborene Komödiantin, debütierte Julie Walters als freche Friseuse Rita an der Seite von Michael Caine 1983 im Film "Rita will es endlich wissen", der ihr die erste von zwei "Oscar"-Nominierungen und einen "Golden Globe" einbrachte. Die Rolle der Rita, die ihrem knurrigen alkoholsüchtigen Professor in mehrfacher Hinsicht den Kopf wäscht und mit ihrer unverblümten Sprache subversiv den Bildungspanzer Caines aufbricht, hatte sie vorher sieben Monate auf der Bühne gespielt. In den folgenden Jahren war Walters in "Ein Ehemann dreht durch" als Ehebrecherin, die mit ihrem Partner im Unfallauto buchstäblich auch sexuell eingeklemmt ist, als Puffmutter in "Personal Services" und als Gattin von Posträuber "Buster" (Phil Collins), die das süße Leben in Brasilien nicht aushält und wieder als Blumenverkäuferin nach London zurückkehrt, zu sehen.
Den Großteil ihrer Schauspielarbeit bestritt die ausgebildete Krankenschwester, die ihr Zuhause verließ und privat ein Schauspielstudium begann, im Fernsehen und auf dem Theater und verzichtete mehrfach auf Filmangebote aus den USA. Walters' Rückkehr zum Film hing mit dem internationalen Erfolg der Brit Comedies zusammen und begann mit "Girls' Night - Jetzt oder nie" 1998. Als lebenshungrige Fabrikarbeiterin Jackie bricht sie aus ihrer Ehe aus und reist mit der krebskranken Freundin (Brenda Bleythyn) nach Las Vegas, wo sie glückliche Wochen verbringen und Walters sich in einen Rancher (Kris Kristofferson) verliebt, zu dem sie nach Blethyns Filmtod zurückkehrt. In dem Welterfolg "Billy Elliott - I Will Dance" war sie die lebenstüchtige Tanzlehrerin des Jungen, die für Billy eine Ersatzmutter wird und ihren Zögling an die Londoner Royal Ballet School schickt. Für die Rolle erhielt sie den "BAFTA Award" als beste Nebendarstellerin und die zweite "Oscar"-Nominierung. Walters' selbstironische Art, ihr brachialer Mutterwitz, ihre vergnügungssüchtige Ader und die bis ins Alter höchst aktive Erotik gehören wie die ebenso raren Filmauftritte ihrer Kollegin Diana Rigg zu den besten Momenten des britischen Kinos.
In der Rolle der reinblütigen Hexe und siebenfachen Mutter Mrs. Molly Weasley spielt sie die Ersatzmutter von Harry und ist in den vier Potter-Filmen "Stein des Weisen", "Kammer des Schreckens", "Der Gefangene von Askaban" und zuletzt 2007 in "Der Orden des Phönix" zu sehen. 2003 erhielt "Kalender Girls" den British Comedy Award. Die Komödie von Nigel Cole dreht sich um zwei Freundinnen, die auf die Idee für einen Pin-up-Kalender mit älteren Hausfrauen kommen und diesen äußerst erfolgreich vermarkten können. Neben Walters spielte Helen Mirren die zweite Hauptrolle. Beide wurden 2004 für den Golden Satellite Award nominiert. 2007 trat sie als Mutter von Jane Austen (Anne Hathaway) in "Beliebte Jane" auf. Julian Jarrold drehte das Biopic in Irland.
Nach 12-jähriger Beziehung heiratete Julie Walters 1997 Grant Roffey. Ihre gemeinsame Tochter Maisie erkrankte zweijährig an Leukämie, überwand die Krankheit aber, was Walters 1990 zu ihrem Buch "Baby Talk" inspirierte .
Julie Walters lässt nicht die Hüllen fallen
Viel nackte Haut lässt Männerherzen höher schlagen. Dabei muss es nicht immer nur der straffe Körper einer jungen Dame sein.
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Nicht mehr frisch und doch begehrt: Julie Walters (Foto: Buena Vista)
In ihrem aktuellen Kinohit "Kalender Girls" zeigt sich Julie Walters trotz reiferen Alters sehr freizügig und erntet dafür bewundernde Blicke. Grund genug für das Männermagazin GQ, ihr ein verlockendes Angebot zu machen:
Die 53-Jährige sollte für eine der nächsten Ausgaben Nacktfotos von sich machen lassen, natürlich stilvoll und dezent. Die britische Schauspielerin war sogar höchst erfreut über diese Anfrage und fühlte sich geschmeichelt - hatte sie doch überhaupt nicht damit gerechnet, da sonst nur jüngere Frauen dafür in Frage kommen.
Nie mehr Sexsymbol
Dennoch erteilte sie der Zeitschrift eine Absage. Ihr hüllenloser Auftritt in "Kalender Girls" ist und bleibt eine Ausnahme. Julie Walters fürchtet, dass das Publikum sonst ihrem Körper mehr Aufmerksamkeit schenken würde, als ihrer Schauspielkunst.
Da kommt es Julie Walters sicher sehr gelegen, dass sie als nächstes wieder in der Rolle der Mrs. Weasley in "Harry Potter und der Gefangene von Azkaban" auf der Leinwand zu sehen sein wird. Denn umhüllt mit viel Stoff und als treusorgende Hausfrau und Mutter einer Großfamilie von Zauberern schweifen die Gedanken der Zuschauer bestimmt nicht ins Unanständige ab.