Amerikanischer Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Darsteller. Nach langen Jahren mit Fernsehshows, die so famos gerühmt wie vorzeitig... - Foto: Universal http://images.kino.de/flbilder/max07/bf07/bf36/b0736003/b150x150.jpg Judd Apatow

Steckbrief

Judd Apatow


  • Geburtstag
    06.12.1967
  • Geburtsort
    Syosset, New York

Amerikanischer Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Darsteller. Nach langen Jahren mit Fernsehshows, die so famos gerühmt wie vorzeitig abgesetzt wurden, gelang Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Judd Apatow mit der Komödie "Jungfrau (40), männlich, sucht..." 2005 ein Sleeper-Hit, der sich mit dem Erfolg der One-Night-Stand-Komödie "Knocked up - Beim ersten Mal" 2007 fortsetzte. Die Beziehungen, Familie, Freundeskreise, schmutzige Witze, Arbeit und Privates munter verwirbelnden Dialog-Komödien gelten als Schlüsselfilme einer Entwicklung, die die herkömmliche romantische Komödie aufgibt zu Gunsten einer neuen realistischen Form. Hier prallen derb daherredende, orientierungslose Kindmänner und geschockte Karrierefrauen in unwahrscheinlichen Situationen aufeinander - und das nicht nur beim unvermuteten Sex.

Apatow: "Ich glaube, die meisten Männer sind unreif, und viele Frauen sind es auch. Frauen vermasseln Beziehungen, weil sie denken, sie wüssten auf alles eine Antwort. Und Männer vermasseln es, weil sie sich zu oft betrinken und Pornos gucken. Es macht mir Spaß, darüber zu schreiben...ein neuer Typus von Film, ein Film über Penisse, aber mit Herz."

Judd Apatow wurde 1967 in Syosset, New York, als Sohn einer Schauspielerin und eines Immobilienmaklers geboren, die sich scheiden ließen, als er zwölf Jahre alt zwar. Er besuchte die lokale High School und fand in deren Radiostation mit der Sendung "Comedy Club" die Möglichkeit, sieben Jahre Live-Interviews mit prominenten Comedians zu führen. Mit 17 Jahren fing er als Stand-Up Comedian an, fand aber schnell heraus, dass er zwar gutes Material geschrieben hatte, aber keine eigene Persönlichkeit auf der Bühne entwickeln konnte. Apatow zog nach Los Angeles, teilte sich kurzzeitig mit Adam Sandler eine Wohnung, fasste als Autor und Produzent Fuß im Fernsehen. Doch seine Shows für Ben Stiller (1993), "Comic Strip live" (1994), Garry Shandling (bis 1998), die Kult gewordene High-School-Serie "Freaks and Geeks" (18 Folgen 1999/2000, für NBC, mit James Franco und Seth Rogen) und die College-Sitcom "Undeclared" (17 Folgen) wurden trotz Kritikerlob frühzeitig abgesetzt. Auch die Jim-Carrey-Komödie "The Cable Guy" (1996) brachte Apatow nicht voran. Später schrieb er für Carrey die Mittelstands-Satire "Fun With Dick and Jane" (2005).

1999 gründete Apatow die Firma Apatow Productions, deren Arbeiten meist von Universal oder Sony vertrieben werden. Der Erfolg kam mit Will Ferrell: Apatow produzierte für den Meister des Panisch-Absurden ("Old School") die Mediensatire "Anchorman - Die Legende von Ron Burgundy" (2004) und die Redneck- und NASCAR-Satire "Ricky Bobby - König der Rennfahrer" (2006), die den Weg frei machten für die "Jungfrau" mit Titelheld Steve Carrell und Apatows Lieblingsdarsteller Seth Rogen, der als fauler Dauerkiffer und Loser zum Verantwortung zeigenden Vater in "Beim ersten Mal" wird. Rogen schrieb das Drehbuch für die von Apatow produzierte Teensexkomödie "Superbad" (2007), eine weitere Reifeprüfung für diesmal aus dem Umfeld von "American Pie" stammende Collegestudenten.

Apatow rekrutiert die meisten seiner Darsteller aus dem engsten Freundeskreis, so die Clique um den kanadischen Schauspieler und Darsteller Seth Rogen, und lässt die Familie mitspielen, die beiden Töchter und Ehefrau Leslie Mann (süffisante Gattin von Paul Rudd in "Beim ersten Mal"), die er beim Casting zu "Cable Guy" kennen lernte und 1997 heiratete. Sie leben in Pacific Palisades.

Apatows Vorbilder sind Robert Altman, Hal Ashby, James L. Brooks und John Cassavetes ("er war am besten, wenn die Familie mitspielte").

  • Geburtstag
    06.12.1967
  • Geburtsort
    Syosset, New York
  • Geburtsland
    USA
  • Familie
    verheiratet mit der Schauspielerin Leslie Mann

"Übergeben und kacken ist nicht lustig"

"Brautalarm" ist mit über 150 Mio. Dollar Einspiel mittlerweile die erfolgreichste von Comedy-Koryphäe Judd Apatow produzierte Komödie am US-Boxoffice und überholte auch "Sex and the City" als erfolgreichste Komödie, in der Frauen die tragenden Rollen spielen. Regie führte Paul Feig, der auch als Executive Producer verantwortlich zeichnet.

Großansicht Regisseur Paul Feig hat von seinen Ladies in der Komödie "Brautalarm" einiges gelernt (Foto: Universal)

Regisseur Paul Feig hat von seinen Ladies in der Komödie "Brautalarm" einiges gelernt (Foto: Universal)

Haben Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet?
PAUL FEIG: Man hofft natürlich immer auf einen Hit und ist nie von Anfang an überzeugt, dass der Film einschlagen wird. So bin ich positiv überrascht vom Erfolg von "Brautalarm". Insbesondere, weil ich mich während der Vorbereitung und Produktion unter Druck fühlte. Ich dachte mir, wenn wir diesen Film nicht gut hinkriegen, wird Hollywood vielleicht so bald keine Filme mehr drehen, in dem so viele Frauen tragende Rollen haben. Jetzt, wo der Film so erfolgreich ist, bin ich beruhigt.

Dieser Erfolg ist wahrscheinlich erfüllender als in einer Show Geld zu gewinnen, wie Sie es am Anfang ihrer Karriere getan haben?
Ja, nichts ist besser als Erfolg an der Kinokasse zu haben.

Was zieht das Publikum in "Brautalarm"?
Die Leute gehen in den Film, weil sie hören, dass der Film lustig ist, und man wirklich fast die ganze Zeit lachen kann, was nicht unbedingt typisch für Hollywoodkomödien ist. Dass Leute den Film dann auch mögen, liegt vor allem daran, dass er im Kern eine emotionale Geschichte erzählt und dass Kristen Wiig die durchaus nicht ganz einfache Hauptfigur so liebenswert macht. Schließlich und endlich können die Leute einen persönlichen Bezug herstellen.

"Brautalarm" wird gerne mit "Hangover" verglichen. Mögen Sie den Vergleich?
Ich finde der Vergleich stimmt nicht ganz. Zu Anfang hat er mich nicht gestört. Mit einem so erfolgreichen Film verglichen zu werden, ist ja eine gute Sache. Natürlich ist "Brautalarm" wie "Hangover" ein Film über eine Gruppe lustiger Menschen, es wird geheiratet und fast hätte die Junggesellinnenparty auch in Vegas stattgefunden. Aber jetzt mag ich den Vergleich nicht mehr so, weil ich befürchte, dass ein Teil unseres potenziellen Publikums abgeschreckt wird, weil es denkt, dass es ein weiteres "Hangover" zu sehen bekommt. Auf Twitter schreiben viele Kinobesucher schon, dass "Brautalarm" nicht so wie "Hangover" ist. Die Mundpropaganda lief schon sehr gut, deswegen ist "Brautalarm" nach den ersten Wochen auch gar nicht so stark eingebrochen.

Ja, der Film läuft sehr gut, trotz auch zum Teil harscher Kritik. Hat Sie die geärgert?
Ich weiß, es ist kleinlich, und die Mehrheit der Kritiken sind sehr gut, ich glaube "Brautalarm" ist sogar die am besten besprochene Komödie des Jahres, aber die negativen bleiben hängen. Ich habe mich geärgert, war frustriert, dass die Leute den Film nicht verstanden haben. Die Kritik, über die ich mich am meisten geärgert habe, stand in dem kleinen lokalen Blatt aus der Gegend, in der ich lebe. Da hieß es, der Film sei respektlos gegenüber Frauen. Die Besprechung hat unsere Bewertung bei rottentomatoes um ein Prozent heruntergezogen.

Als Sie das Buch gelesen haben, hat Sie die heftige Szene im Brautmodenladen nicht wenigstens ein wenig abgeschreckt?
Diese Szene stand so nicht im Buch, als ich an Bord kam. Tatsächlich war es Judd Apatow, der vorgeschlagen hat, dass die Frauen eine Nahrungsmittelvergiftung kriegen sollten. Und ich dachte, das wird sicher richtig lustig! Wir beide sind also die Übeltäter. Kristen Wiig war am Anfang zwar etwas unsicher wegen der Szene, aber hat sie dann super umgesetzt. Vor Szenen wie diesen habe ich grundsätzlich keine Angst. Meine einzige Sorge ist, kann ich sie gut herüberbringen? Der Schlüssel dazu ist ja nicht, zu zeigen, wie die Frauen sich tatsächlich übergeben und kacken, das wäre nicht lustig, sondern zu zeigen, wie die Frauen damit umgehen. Es ist wirklich lustig, das Publikum bei der Szene zu beobachten.

Haben Sie viele Testscreenings gemacht, um die Reaktionen etwa dazu zu sehen?
Judd Apatow hat dieses System perfektioniert, viele Testscreenings zu machen und die Ergebnisse im Schnitt einzuarbeiten. Anderswo ist es so, dass nach zehn Wochen Schnitt der Film erstmals gescreent wird, hier war es so, dass ich nach drei Wochen schon Material vorgeführt habe und wir geschaut haben, was funktioniert und was nicht.

Bilder zu "Brautalarm"

Fotos ansehen

Sie haben bereits während der Vorbereitung und des Drehs viel improvisiert?
Ja, nachdem Drehbuch und Casting so weit waren, haben wir geprobt, die Schauspielerinnen die Dialoge lesen und verschiedene Ansätze ausprobieren lassen. Sie haben ihre Persönlichkeit eingebracht und den Figuren drei Dimensionen gegeben. Die Ergebnisse flossen in das Drehbuch ein und wir probten noch einmal. Auch am Drehort haben wir noch improvisiert.

Das heißt, Sie haben oft mit zwei Kameras gearbeitet?
Ja, Cross-Shooting ist meine Lieblingsdrehart bei Komödien. Mit zwei Kameras zu drehen, ist unschätzbar, es gibt einfach Momente, die nicht wiederholbar sind.

Ein Teil der Impro gibt es dann auf der DVD zu sehen?
Es wird eine um etwa sechs Minuten längere Extended Version mit einer Szene, wo Kristen Wiigs Figur zu einem Blind Date geht, und einige Entfalle und Outtakes geben. Da sieht man, wie lustig all die Schauspielerinnen wirklich sind, auch die in den kleineren Rollen, es ist ein kleines Showcase für sie alle.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Judd Apatow aus?
Wir sind alte Freunde, ich kenne ihn seit er 17 war. Wir haben zusammen Standup-Comedy in den Achtzigerjahren gemacht. Wir haben einen ähnlichen Sinn für Humor und fürs Geschichtenerzählen. Bei der Serie "Freaks and Geeks" haben wir dann erstmals wieder kreativ zusammengearbeitet. Wir ergänzen uns, des einen Schwäche wird durch des anderen Stärke ausgeglichen, wir fordern uns gegenseitig heraus. Er hat gute Ideen und ich kann sie, auch die ausgefallenen, einbauen.

Mischt er sich viel ein?
So viel ich ihn lasse. Ich schätze seinen Rat, er ist ein toller Geschichtenerzähler und erkennt Probleme. Er vertraut mir. Judd war vielleicht fünf von 50 Drehtagen am Set, rief an und fragte, ob alles okay sei und schaute auch beim Schnitt vorbei.

Wie würden sie Ihren und seinen Komödienstil beschreiben?
Er ist sehr ehrlich. Der Humor entsteht aus menschlichen Geschichten, die sich aus wirklichen Erlebnissen speisen, oder sich zumindest so anfühlen. Wir mögen keine Geschichten, die total verrückt und abgehoben sind, in denen das Publikum nicht nachvollziehen kann, warum die Figuren etwas tun. Nur wenn die Zuschauer sich in die Figuren einfühlen können, entwickelt sich gute Komödie.

Wie war es als Mann unter so vielen Frauen, von denen zwei auch noch das Drehbuch schrieben und mitproduzierten?
Ich habe etwas gelernt. Es war nicht so, dass ich sagte, also Ladies, wir machen jetzt das und das. Ich habe schon gefragt, was würden Frauen jetzt tun? An sich arbeite ich gerne mit Frauen zusammen, ich hatte auch immer mehr weibliche Freunde als männliche. Männer neigen dazu aggressiver zu sein, auch in einer Komödie, Frauen sind eher passiv-aggressiv. Jedenfalls finde ich Frauen lustiger als Männer, sie überraschen mehr, sind nicht ganz so krude. Was besonders angenehm ist, ist, dass Frauen, die Komödie spielen, weniger eitel sind und nicht sagen, ich will nicht von dieser Seite aufgenommen werden oder ähnliches. Komödienschauspielerinnen wollen in erster Linie lustig sein und scheren sich nicht um ihr Aussehen.

Haben Sie ein nächstes gemeinsames Projekt?
Ich habe gerade eine Originalidee an Universal verkauft, das Projekt, eine unkonventionelle Liebesgeschichte, wird wieder Judd Apatow produzieren und wir werden wohl einige Darsteller aus "Brautalarm" casten. Ich schreibe das Drehbuch und hoffe nächsten Sommer zu drehen. Möglicherweise drehe ich diesen Herbst noch eine größere Komödie, wieder geht es um Frauen, ein Sequel, für das die Schauspieler-Verträge aber noch nicht unterschrieben sind.

Ist der nächste Film nach einem Hit nicht besonders schwierig, weil die Erwartungen so hoch sind?
Hmm, wenn man den letzten Film nicht toppt, dann sieht das aus wie Versagen, aber nein, ich finde das ist ein Luxusproblem. Ich schätze eine Herausforderung.


Filmografie

kino.de kompakt

In der aktuellen Ausgabe: Katherine Heigl im Trailer zur Actionkomödie "Einmal ist keinmal".

Zum Magazin

Das interaktive Kinomagazin jede Woche kostenlos per Mail - jetzt registrieren!

GO

News zum Star