Nach "Das Waisenhaus" gelang Juan Antonio Bayona mit "The Impossible" sein zweiter großer Erfolg. Trotz sehr unterschiedlicher Themen sieht der Regisseur Parallelen zwischen den Projekten.
Regisseur Juan Antonio Bayona (l.) beim Dreh zum Tsunami-Drama "The Impossible" mit Naomi Watts (r.) und Kinderdarsteller Tom Holland (m.) (Foto: Concorde)
Befürchteten Sie, dass es zu früh für einen Film über dieses Thema war?
JUAN ANTONIO BAYONA: Nein. Die Familie, auf deren Geschichte "The Impossible" beruht, sprach zum ersten Mal vor vier Jahren öffentlich über ihre Erfahrungen - auf diese Weise hörte auch meine Produzentin davon. Für sie und auch andere Überlebende, mit denen wir bei der Vorbereitung sprachen, war also der richtige Zeitpunkt gekommen.
Die Tsunami-Szenen drehten Sie bereits im Spätsommer 2010. Warum dauerte es so lange bis zum Kinostart?
Wir hatten für "The Impossible" nicht viel Geld. 40 Mio. Dollar sind viel für europäische Standards, aber nicht für Hollywood-Verhältnisse. Dafür hatten wir Zeit. So bereiteten wir Szenen vor, drehten sie und bereiteten die nächsten Szenen vor usw. Außerdem lasse ich mir beim Schnitt gern viel Zeit. Ich brauche Distanz, um das Material aus einem neuen Blickwinkel bewerten zu können.
Warum entschlossen Sie sich, den Tsunami in einem Wassertank zu rekonstruieren statt Computereffekte einzusetzen?
Es war eine so entscheidende Szene, dass ich keine CGI-Show daraus machen wollte. Natürlich sagte jeder, dass sei verrückt, aber wir haben es gewagt. Es war nicht unproblematisch, beim Dreh erlebten wir selbst, welche Power das Wasser hat. Guillermo Del Toro, mein Mentor, machte sich auch Sorgen, dass wir es nicht hinbekommen. Aber sobald er die Szenen sah, sagte er: "Du hast es geschafft."
Wandten Sie sich mit "The Impossible" bewusst von Genrefilmen ab?
Ich denke nicht in Genrekategorien, mir geht es um das Herz der Geschichte. Und das besteht wie in "Das Waisenhaus" aus einer Mutter-Sohn-Beziehung und der Konfrontation mit dem Tod.
Sie hatten nach dem Erfolg Ihres Langfilmdebüts etliche Angebote aus Hollywood. Warum entschieden Sie sich für diese spanische Produktion?
Ich hätte etliche Horror-Remakes oder Fortsetzungen drehen können. Es waren auch sehr interessante Projekte darunter. Aber ich konnte nicht aufhören, über die Geschichte von "The Impossible" nachzudenken. Letztlich ist es so, dass eine Geschichte mich aussucht - und nicht andersherum.
Drehten Sie aus kommerziellen Erwägungen mit internationaler Besetzung auf Englisch?
Nein, wir wollten einfach die Geschichte möglichst universell machen. In Wirklichkeit gab es damals sehr wenige Spanier vor Ort. Es geht nicht um Nationen, Ziel war es, die Geschichte aller Menschen zu verdichten, die diese Tragödie erlebten. Wir haben auch Erfahrungen anderer Überlebender eingebaut.
Ist so eine Großproduktion in Spanien unter den Vorzeichen der Wirtschaftskrise noch möglich?
Ich bin mir nicht sicher. Wir sollten uns im Klaren darüber sein, dass es eine Finanz- und keine Talentkrise ist. Mit diesem Film zeigen wir, wozu die spanische Filmindustrie imstande ist. Auf die Qualität der Arbeit bin ich immens stolz.
Wo finden Sie die besten Voraussetzungen für Ihr nächstes Projekt? Vielleicht doch in den USA?
Meine Maxime ist, die komplette Kontrolle zu haben. Denn jede Einstellung des Films muss etwas von der Geschichte vermitteln. Deshalb kümmere ich mich um alle Details. Wenn mir das in Hollywood möglich ist, werde ich definitiv dort arbeiten. Wenn nicht, dann nicht.