Deutscher Schauspieler. Bayrisches Urgestein, Kraftpaket auf der Bühne und im Film und 2007 mit dem Deutschen Filmpreis Lola als Bester... - Foto: Movienet http://images.kino.de/flbilder/max03/auto03/auto36/03360267/b150x150.jpg Josef Bierbichler

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Josef Bierbichler


  • Geburtstag
    26.04.1948
  • Geburtsort
    Ambach

Deutscher Schauspieler. Bayrisches Urgestein, Kraftpaket auf der Bühne und im Film und 2007 mit dem Deutschen Filmpreis Lola als Bester Hauptdarsteller für "Winterreise" ausgezeichnet, war Josef Bierbichler jahrelang in Filmen von Herbert Achternbusch eine feste Größe und feierte vor allem im Theater Triumphe. Wie Paulus Manker, Helmut Qualtinger und Bernhard Minetti besitzt Bierbichler eine eigene Lebenslust, die sich nicht mit anderen vergleichen lässt. Er meidet die Öffentlichkeit und sagt: "Das Publikum ist mir ehrlich gesagt relativ wurscht."

Josef (auch Sepp in einigen Credits) Bierbichler wurde 1948 in Ambach am Starnberger See als Sohn einer Landwirt- und Gastwirtsfamilie geboren. Schon als Kind zog es ihn zur Theaterschule in Holzhausen bei München. Bevor er mit 23 Jahren an die Otto-Falckenberg-Schauspielschule ging, absolvierte er eine Hotelfachschullehre. Von Pamela Wedekind und Rudolf Noelte in Holzhausen entdeckt, wurde er Mitglied des Münchner Residenztheaters und spielte auf Bühnen in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Luzern. Sein Durchbruch wurde der Jäger im Stück "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben", das 1975 von Kurt Wilhelm auch fürs Fernsehen adaptiert wurde. Bierbichler spielte den Faust ebenso wie moderne Stücke von Achternbusch und Tankred Dorst.

1975 lernte Bierbichler den Schriftsteller, Regisseur, Produzent und Schauspieler Herbert Achternbusch kennen, für den er ohne Gage bis 1998 ("Neue Freiheit, keine Jobs") in 15 Filmen (unter anderem "Die Atlantikschwimmer," "Bierkampf", Das Gespenst", "Heilt Hitler!") als Bauer, Bräutigam, Polizist oder Jockey spielte und berühmt wurde. Mit Achterbusch lebte er jahrelang in einer WG. Werner Herzog besetzte ihn 1976 als Seher Hias in "Herz aus Glas" und 1978 in "Woyzeck" als Tambourmajor, der Woyzeck (Klaus Kinski) öffentlich demütigt und ihm die Frau (Eva Mattes) nimmt.

Für das Kino hat Bierbichler Patriarchen gespielt, strenge Väter, Bauern und Unternehmer, so in "Wildfeuer" (1991, mit Anica Dobra), in Tom Tykwers Filmen "Die tödliche Maria" (1995, als Vater von Nina Petri) und "Winterschläfer" (1997, als Bergbauer) und in zwei Heimatfilmen von Hans Steinbichler: in "Hierankl" (2004) den Besitzer des titelgebenden Gutshofs und in "Winterreise" (2006) den manisch-depressiven Unternehmer. Bierbichler war Bertolt Brecht in Jan Schüttes "Abschied - Brechts letzter Sommer" (2000) und Baupolitiker in Christian Görlitz' "Freier Fall", der ihm 1998 den Adolf-Grimme-Preis einbrachte. 2007 steht er für die Martin-Walser-Verfilmung "Ohne einander" vor der Kamera.

Weitgehend unbekannt geblieben ist Bierbichlers einzige, über Jahre entstandene Regiearbeit "Triumpf der Gerechten" (1988), in der er als "Der Affe" notiert ist.

Als Bierbichler mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring der Deutschen Akademie für Darstellende Künste ausgezeichnet wurde, gab er das Preisgeld in Höhe von 20.000 Mark an Christoph Schlingensief weiter. Zur Verleihung der Lola 2007 konnte er nicht erscheinen.

Josef Bierbichler lebt mit seiner Frau und drei Kindern auf seinem Bauernhof in Ambach und betreibt das Gasthaus "Zum Fischmeister". Seine Schwester Annanmirl Bierbichler (1946-2005) war prägend für das Kino von Achternbusch.

  • Geburtstag
    26.04.1948
  • Geburtsort
    Ambach
  • Geburtsland
    Deutschland
  • Familie
    Ledig, drei Kinder

Das war Cannes 2009

25 Jahre ist es her, dass mit Wim Wenders' "Paris, Texas" zuletzt ein deutscher Film in Cannes mit der begehrten Goldenen Palme prämiert wurde.

Großansicht Strahlten um die Wette: Sieger-Regisseur Michael Haneke und sein Hauptdarsteller Ulrich Tukur (Foto: Kurt Krieger)

Strahlten um die Wette: Sieger-Regisseur Michael Haneke und sein Hauptdarsteller Ulrich Tukur (Foto: Kurt Krieger)

Gestern gab es an der Croisette endlich wieder strahlende deutschsprachige Sieger. Die Goldene Palme ging an "Das weiße Band", ein Film des österreichischen Regisseurs Michael Haneke, produziert in Deutschland mit einer deutschen Schauspieler-Riege, angeführt von Ulrich Tukur, Josef Bierbichler und Burghart Klaußner. Ein formal strenges Werk in starken Schwarz-Weiß-Bildern, das von mysteriösen Vorkommnissen in einem norddeutschen Dorf am Vorabend des Ersten Weltkriegs erzählt, in dem die Autorität und Strenge der dörflichen Autoritäten schleichend die Gesellschaft vergiftet. Eine Parabel auf die Mechanismen von Faschismus und Terrorismus.

Mit Christoph Waltz gab es einen weiteren glücklichen deutschsprachigen Gewinner: Der österreichische Schauspieler, der bislang vornehmlich in Fernsehrollen glänzte, wurde für seinen Part in "Inglourious Basterds" als bester Darsteller prämiert. Zurecht, verkörpert er doch meisterhaft einen ebenso charmanten wie bedrohlichen SS-Offizier in Quentin Tarantinos neuestem Film. Er ist der Gegenspieler der "Basterds", einem Trupp jüdischer US-Soldaten, die während des zweiten Weltkriegs Jagd auf Nazis machen, im Film angeführt von Brad Pitt.

Großansicht Willkommen in Hollywood: Für Christoph Waltz bedeutet die Darsteller-Palme den Beginn einer neuen Karriere-Phase (Foto: Kurt Krieger)

Willkommen in Hollywood: Für Christoph Waltz bedeutet die Darsteller-Palme den Beginn einer neuen Karriere-Phase (Foto: Kurt Krieger)

Ekliger Schnitt im Schritt

Am Ende besiegt das Kino selbst das Dritte Reich in diesem wunderbaren Filmmärchen, das Tarantino mit gewohnt witzigen Dialogen, einem ausgefeilten Soundtrack und jeder Menge Reminiszenzen an die Filmgeschichte angereichert hat. Neben Waltz haben in diesem in Berlin-Babelsberg gedrehten Film noch jede Menge anderer deutscher Schauspieler ihren großen Auftritt, von Til Schweiger über Diane Kruger bis Daniel Brühl.

Viele Filme des diesjährigen Cannes-Wettbewerbs strotzten nur so vor Gewalt. Der große Skandalfilm war "Der Anti-Christ" des dänischen Regisseurs Lars von Trier, in dem sich ein Paar nach dem Tod seines Kindes in einer abgeschiedenen Waldhütte gegenseitig malträtiert - Genitalverstümmelungen inklusive. Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg brachte dieser Rolle eine Palme ein.

Großansicht Als sie ihre Wiese hinter dem Haus in Augenschein nahmenm, ahnten sie nicht, dass es das größte Konzert aller Zeiten werden würde: "Taking Woodstock" (Foto: Tobis)

Als sie ihre Wiese hinter dem Haus in Augenschein nahmenm, ahnten sie nicht, dass es das größte Konzert aller Zeiten werden würde: "Taking Woodstock" (Foto: Tobis)

Wüstes Gemetzel und feiner Blumenduft

Blutig waren auch Park Chan-wooks Vampirfilm "Thirst" und "Kinatay" vom Philippino Brillante Mendoza, der über weite Strecken beschreibt, wie eine Prostituierte vergewaltigt, ermordet und zerteilt wird - die Jury hielt dies dennoch für preiswürdig. Auch der Kritikerliebling "Un prophète" aus Frankreich (Großer Preis der Jury) sparte nicht mit Gewalt. Doch in der Geschichte über einen jungen Kleinkriminellen, der sich im Knast zum Gangsterboss hocharbeitet, steht sie zumindest im Dienst der Geschichte.

Ohne Gewalt, aber mit viel lakonischem Humor kommt dagegen "Looking for Eric" von Ken Loach aus. Ein kleiner Postangestellter bekommt darin Lebenstipps von ManU-Fußballstar Eric Cantona. Ang Lee zeichnet mit "Taking Woodstock" ein warmherziges Porträt der Hippie-Ära mit viel Liebe zum Detail, während Pedro Almodóvar sein Liebesdrama "Zerrissene Umarmungen", das leider nicht so so gelungen ist wie sein Vorgänger "Volver", ganz auf seine Diva Penélope Cruz angelegt hat. Das Weltkino hat eben auch 2009 viele Gesichter.


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