Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Leben & Werk

Deutscher Schauspieler. Bayrisches Urgestein, Kraftpaket auf der Bühne und im Film und 2007 mit dem Deutschen Filmpreis Lola als Bester Hauptdarsteller für “Winterreise” ausgezeichnet, war Josef Bierbichler jahrelang in Filmen von Herbert Achternbusch eine feste Größe und feierte vor allem im Theater Triumphe. Wie Paulus Manker, Helmut Qualtinger und Bernhard Minetti besitzt Bierbichler eine eigene Lebenslust, die sich nicht mit anderen vergleichen lässt. Er meidet die Öffentlichkeit und sagt: “Das Publikum ist mir ehrlich gesagt relativ wurscht.”

Josef (auch Sepp in einigen Credits) Bierbichler wurde 1948 in Ambach am Starnberger See als Sohn einer Landwirt- und Gastwirtsfamilie geboren. Schon als Kind zog es ihn zur Theaterschule in Holzhausen bei München. Bevor er mit 23 Jahren an die Otto-Falckenberg-Schauspielschule ging, absolvierte er eine Hotelfachschullehre. Von Pamela Wedekind und Rudolf Noelte in Holzhausen entdeckt, wurde er Mitglied des Münchner Residenztheaters und spielte auf Bühnen in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Luzern. Sein Durchbruch wurde der Jäger im Stück “Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben”, das 1975 von Kurt Wilhelm auch fürs Fernsehen adaptiert wurde. Bierbichler spielte den Faust ebenso wie moderne Stücke von Achternbusch und Tankred Dorst.

1975 lernte Bierbichler den Schriftsteller, Regisseur, Produzent und Schauspieler Herbert Achternbusch kennen, für den er ohne Gage bis 1998 (“Neue Freiheit, keine Jobs”) in 15 Filmen (unter anderem “Die Atlantikschwimmer,” “Bierkampf”, Das Gespenst”, “Heilt Hitler!”) als Bauer, Bräutigam, Polizist oder Jockey spielte und berühmt wurde. Mit Achterbusch lebte er jahrelang in einer WG. Werner Herzog besetzte ihn 1976 als Seher Hias in “Herz aus Glas” und 1978 in “Woyzeck” als Tambourmajor, der Woyzeck (Klaus Kinski) öffentlich demütigt und ihm die Frau (Eva Mattes) nimmt.

Für das Kino hat Bierbichler Patriarchen gespielt, strenge Väter, Bauern und Unternehmer, so in “Wildfeuer” (1991, mit Anica Dobra), in Tom Tykwers Filmen “Die tödliche Maria” (1995, als Vater von Nina Petri) und “Winterschläfer” (1997, als Bergbauer) und in zwei Heimatfilmen von Hans Steinbichler: in “Hierankl” (2004) den Besitzer des titelgebenden Gutshofs und in “Winterreise” (2006) den manisch-depressiven Unternehmer. Bierbichler war Bertolt Brecht in Jan SchüttesAbschied – Brechts letzter Sommer” (2000) und Baupolitiker in Christian Görlitz’ “Freier Fall”, der ihm 1998 den Adolf-Grimme-Preis einbrachte. 2007 steht er für die Martin-Walser-Verfilmung “Ohne einander” vor der Kamera.

Weitgehend unbekannt geblieben ist Bierbichlers einzige, über Jahre entstandene Regiearbeit “Triumpf der Gerechten” (1988), in der er als “Der Affe” notiert ist.

Als Bierbichler mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring der Deutschen Akademie für Darstellende Künste ausgezeichnet wurde, gab er das Preisgeld in Höhe von 20.000 Mark an Christoph Schlingensief weiter. Zur Verleihung der Lola 2007 konnte er nicht erscheinen.

Josef Bierbichler lebt mit seiner Frau und drei Kindern auf seinem Bauernhof in Ambach und betreibt das Gasthaus “Zum Fischmeister”. Seine Schwester Annanmirl Bierbichler (1946-2005) war prägend für das Kino von Achternbusch.

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