Das Musical "Hedwig and the Angry Inch" von John Cameron Mitchell erlangte Kultstatus. Auch mit seinem neuesten Regiestreich "Shortbus" gelang dem 43-jährigen New Yorker ein provokanter Film, der von den Kritikern gefeiert wird.
» Wie lief das Casting für Ihre Schauspieler ab, die allesamt keine Hollywood-Stars sind?
JOHN CAMERON MITCHELL: Weil wir nicht wirklich viel Geld hatten, gab ich diversen Magazinen Interviews und erwähnte unsere Homepage, auf der man sich als Schauspieler für "Shortbus" bewerben konnte. Auf dieser Website war zu lesen, was wir machen wollten: einen ernsthaften Film, der nicht notwendigerweise ein Porno sein sollte. Eben kein Film, der aus der Erotikecke kommt, sondern Sex eher aus dem emotionalen Blickwinkel auf eine humorvolle und philosophische Weise betrachtet.
Wir baten um Videotapes, in denen die Bewerber über eine wichtige sexuelle Erfahrung sprechen sollten. Ungefähr eine halbe Million Menschen klickten auf unsere Homepage, und wir bekamen ca. 500 Bewerbungen. Es wurde schnell klar, wem es mit der Bewerbung ernst war. Wir suchten nicht nach Exhibitionisten. Wir suchten nach Leuten, die sich trauten, verletzlich zu sein. Menschen die klug, witzig und attraktiv sind, aber nicht auf die typische Hollywoodart.
» Warum haben Sie keine Hollywood-Stars engagiert?
In unserer Vorstellung haben berühmte Menschen nicht wirklich Sex. Wie sollten sie ihn vor der Kamera haben? Aus Angst um ihre Karriere hätten in den USA die meisten professionellen Schauspieler große Panik davor gehabt, bei "Shortbus" mitzuwirken.
» Mit welchen Charakteren in "Shortbus" können Sie sich am ehesten identifizieren?
Alle Hauptfiguren sind ein Teil von mir. Es gibt Seiten von mir, die sind wie die Sextherapeutin Sofia, oder wie der Stalker, oder wie die Diva Justin Bond. Sonst wäre ich auch gar nicht an den Charakteren interessiert.