Joel Schumacher

Joel Schumacher

Leben & Werk

Fast zehn Jahre arbeitete er als Kostümbildner und Produktionsdesigner, bevor er zur Regie wechselte. Dies kann die Detailverliebtheit und die ausgesuchte Atmosphäre seiner Filme erklären, die teils ungewöhnliche Geschichten (“Flatliners“), teils Blockbuster (zwei “Batman”-Filme), teils umstritten (“8 mm”) und teils grimmige satirische Kommentare zur modernen Massengesellschaft wurden.

In einem seiner besten Filme, “Falling Down”, (1993) unternimmt beispielsweise ein hervorragender Michael Douglas als durchdrehender Angestellter einen Amoklauf gegen McDonalds, Junkies und Street Gangs, bevor er sich von dem ihn jagenden Cop (Robert Duvall) erschießen lässt.

Joel Schumacher wurde 1939 in New York geboren, begann als Schaufensterdekorateur und Ausstatter für TV-Werbespots, bevor er als Kostümbildner zum Film ging, wo er für Woody Allen (“Der Schläfer“, “Innenleben”) arbeitete und erste Drehbücher (Sidney Lumets “The Wiz“) schrieb. Regiearbeiten für das Fernsehen folgte 1981 mit “Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K.” seine erste Spielfilmregie mit Lily Tomlin als geschrumpfter Hausfrau.

Mit “St. Elmo’s Fire” entstand 1985 einer der ersten Filme, die die damaligen Jungstars Hollywoods, das “Brat Pack” um Rob Low und Demi Moore, vereinte. “Seitensprünge”, das Remake des französischen Erfolgs “Cousin, Cousine“, um Ausbrüche aus Ehebanden, half Sean Young und Isabella Rossellini in ihren Karrieren weiter, ebenso “Entscheidung aus Liebe“, einer der ersten Filme mit Julia Roberts.

Schumachers ungewöhnlichster Film wurde “Flatliners”, die Story von fünf Medizinstudenten (u.a. Roberts), die sich zeitweise in Todeszustände versetzen und mit den alptraumartigen Folgen nicht mehr zurechtkommen. Die beiden “Batman”-Filme (Teil 3 mit Val Kilmer, Teil 4 mit George Clooney), die Tim Burtons düstere Visionen ins Popbunte gefälliger Comic-Versionen überführten, wurden ebensolche Erfolge wie die John-Grisham-Verfilmung “Die Jury”. “8 mm” führte ins Pornobusiness und war als eindimensionaler Rachefeldzug von Nicolas Cage umstritten.

Eine überraschende Abkehr vom Mainstream feierte Schumacher 2000 mit “Tigerland”, der von der Kritik zwar gepriesen wurde, beim Kinopublikum aber kaum Resonanz fand. Der mit einem Mini-Budget realisierte und mit der Handkamera gefilmte Antikriegsfilm zeigt ein Trainingscamp, in dem zukünftige Frontsoldaten vor ihrem Einsatz in Vietnam geschunden werden. Colin Farrell, inzwischen ein Star, spielt darin seine erste Hauptrolle.Schumacher castete ihn auch für “Nicht auflegen!”, in dem Farrell von einem versteckten Scharfschützen in einer Telefonzelle festgehalten wird. Der an nur zwölf Drehtagen bereits Ende 2000 abgedrehte Film kam aufgrund der Ereignisse des 11. Septembers 2001 sowie des Scharfschützen von Washington erst 2003 in die Kinos. In der Zwischenzeit hatte Schumacher seine erste Zusammenarbeit mit Hitproduzent Jerry Bruckheimer fertig gestellt: Im Agententhriller “Bad Company”, laut Schumacher “mehr ein Bruckheimer- als ein Schumacher-Film”, muss ein Lebenskünstler (Chris Rock) bei der CIA den Platz seines ermordeten Bruders einnehmen und bekommt dazu einen Veteranen (Anthony Hopkins) an seine Seite gestellt. Danach kam es für “Die Journalistin” zu einer weiteren Zusammenarbeit von Schumacher und Bruckheimer. Der für Bruckheimer eher untypische Politthriller erzählt nach dem authentischen Fall der irischen Journalistin Veronica Guerin deren Versuche, sich im Dublin der Neunziger gegen die herrschenden Drogenbarone zu stellen. Für die berauschend ausgestattete Verfilmung des Andrew-LLoyd-Webber-Hitmusicals “Das Phantom der Oper” konnte Schumacher wieder voll auf seine Erfahrungen als Produktionsdesigner zurückgreifen. Am Boxoffice blieb die aufwändige Produktion jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Schumacher über seine Arbeit: “Ich fühle mich als Geschichtenerzähler, dessen Aufgabe es ist, die Zuschauer für zwei Stunden zu fesseln. Da ist es egal, ob es ein kleiner oder großer Film ist.”

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