Die Drehbücher verfasst er stets gemeinsam mit seinem Bruder Ethan, mit dem er seit dem gemeinsamen Debüt im Jahre 1984 eine symbiotische... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max08/kuk08/kuk36/u0836105/b150x150.jpg Joel Coen

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Joel Coen


  • Geburtstag
    29.11.1954
  • Geburtsort
    Minneapolis, Minnesota

Die Drehbücher verfasst er stets gemeinsam mit seinem Bruder Ethan, mit dem er seit dem gemeinsamen Debüt im Jahre 1984 eine symbiotische Gemeinschaft bildet, wobei Ethan, geboren 1957, für die Produktion, Joel selbst, geboren 1954, für die Regie zuständig ist, obwohl sich auch diese Bereiche vermischen. Die Coens, die Film studiert haben und als Cutter für Sam Raimis Horrorfilme anfingen, gelten als originelle und zitierwütige Flaneure durch die amerikanische Filmgeschichte.

Die Vorlieben der Coen-Brüder gelten dem Film noir und der Screwball Comedy. So wurde ihr Debüt "Blood Simple" eine freie Variation von James M.Cains mehrfach verfilmtem Roman "The Postman Always Rings Twice" und eine ironische Hommage. Die Entführungsgeschichte "Arizona Junior", die Unternehmer-Satire "Hudsucker - Der große Sprung" und, wieder eine Entführungsgroteske, "The Big Lebowski" (mit Jeff Bridges als Bogart in Badelatschen), wimmeln von Anspielungen, Zitaten und Brechungen, was oft auf Kosten der Erzählung und Spannung geht.

Kern des Coen-Werkes sind drei Thriller: der Gangsterfilm "Miller's Crossing", der sich von Hawks' "Scarface" bis zu Jean-Pierre Melvilles "Der Teufel mit der weißen Weste" vor dem Krimi-Genre verbeugt, aber genügend Eigendynamik besitzt; der Horror-Thriller "Barton Fink" (Goldene Palme Cannes 1991), der eine kafkaeske Atmosphäre in einem heruntergekommenen Hotel mit der Krise eines Autors und einer Serienkillerstory mischt, und "Fargo", eine schwarze Mord- und Intrigengeschichte im verschneiten US-Hinterland, die fast ausschließlich eigenständige Elemente enthält und den Oscar für das beste Drehbuch erhielt.

In der Südstaaten-Odyssee "O Brother, Where Art Thou?" gingen die Coens in episodenartiger Erzählweise drei entflohenen Kettensträflingen nach, die sich während der Depression durchschlagen müssen. In diesem Film experimentierten sie mit digitaler Farbveränderung von Landschaften. Mit "The Man Who Wasn't There" inszenierten sie 2001 einen weiteren Film noir in brillanter Schwarz-Weiß-Fotografie, in dem Billy Bob Thornton als schweigsamer Friseur auf der Suche nach einem besseren Leben in eine Mordgeschichte verwickelt wird. Ihre bislang leichtgewichtigste Arbeit präsentierten die Coens 2003 mit der Screwball-Comedy "Ein (un)möglicher Härtefall", in der sich George Clooney als gerissener Anwalt und Catherine Zeta-Jones lange Zeit in den Haaren und schließlich in den Armen liegen.

In "Ladykillers", dem ersten Remake der Coens nach dem gleichnamigen Komödie-Gauner-Klassiker, mietet sich ein "Professor" (wunderbar von Tom Hanks gespielt) bei einer alten Dame (Irma P. Hall) ein und empfängt täglich Besuch von vier Freunden, die sich angeblich zum gemeinsamen Musizieren treffen. In Wahrheit planen sie einen raffinierten Einbruch ins Casino. Die Geschichte wurde von der britischen Insel in die Südstaaten verlegt und in vergilbt anmutenden Gelbtönen gedreht. 2006 gehörte er mit seinem Bruder zum Reigen von 21 Regisseuren, die einen Beitrag zum Episodenfilm "Paris je t'aime" abdrehten. In "Tuileries", einer Pariser U-Bahn-Station, spielt Steve Buscemi einen Touristen, der unbedarft in einen Streit gerät.

Als Weltpremiere lief auf den Filmfestspielen von Cannes 2007 "No Country for Old Men", das bei der 80. Oscar-Verleihung der große Gewinner war mit vier Auszeichnungen, für den besten Film, die beste Regie, das beste adaptierte Drehbuch und den besten Nebendarsteller. Zuvor wurde das Drehbuch mit einem Golden Globe geehrt. Für die Regie erhielten sie die Auszeichnungen der Regisseurs- und Produzentengewerkschaft der USA. Josh Brolin spielt einen Vietnamveteranen, der von einem Profikiller (Javier Bardem) verfolgt wird. Das Drehbuch basiert auf einem Roman von Cormac McCarthy.

Joel Coen hat mit seiner Frau Frances McDormand, die für ihre schwangere Polizistin in "Fargo" den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt, zwei Kinder. Sohn Pedro haben die beiden 1995 in Paraguay adoptiert.

  • Geburtstag
    29.11.1954
  • Geburtsort
    Minneapolis, Minnesota
  • Geburtsland
    USA

Oscars: Colin Firth dankt wie in "The King's Speech", Natalie Portman weint

"Wenn Du nominiert bist und dann Deinen Namen hörst - das fühlt sich an wie ein lautloses impressionistisches Gemälde…"

Großansicht Von der Academy vierfach gewürdigt: Hauptdarsteller Colin Firth und "The King's Speech" - bei den Damen siegt Natalie Portman für "Black Swan" (Foto: ©A.M.P.A.S)

Von der Academy vierfach gewürdigt: Hauptdarsteller Colin Firth und "The King's Speech" - bei den Damen siegt Natalie Portman für "Black Swan" (Foto: ©A.M.P.A.S)

So beschrieb Hollywoods Liebling Tom Hanks zu Beginn den besonderen Reiz einer Oscar-Verleihung. Dieser blumige Vergleich muss auch den großen Sieger Colin Firth verwirrt haben. Denn der Brite rang ganz wie seine stotternde Filmfigur König George in "The King's Speech" mit den richtigen Worten, nachdem er den magischen Satz "And the Oscar goes to… Colin Firth" gehört hatte: "Ich habe so ein komisches Gefühl im Bauch, das sich den Weg zu meinen Füßen bahnen will - aber meinen Freudentanz will ich lieber niemandem zumuten."

Den Rest seiner Dankesrede absolvierte Colin Firth sichtlich um Fassung bemüht im Stotterrhythmus - und dabei war garantiert kein Method Acting im Spiel: Der feinsinnige Brite steckte nicht etwa noch in seiner Rolle fest, er war schlicht vollkommen überwältigt.

Dabei war Colin Firths Sieg ebenso wenig überraschend wie der Preis für Natalie Portmans Glanzleistung in "Black Swan". Als Ballerina, die unter enormem Leistungsdruck die Grenzen ihres Körpers und ihrer Seele überschreitet, beeindruckte sie wie Millionen deutscher Kinozuschauer auch die ehrwürdige Academy - und nahm den Oscar als beste Hauptdarstellerin entgegen.

"Das ist der Wahnsinn!", rief Natalie Portman und kämpfte bei jedem Wort mit den Tränen. Sie dankte brav ihren Eltern sowie Luc Besson für ihre erste Rolle in "Leon - der Profi". Als sie sich schließlich an den Choreographen von "Black Swan", Benjamin Millepied, wandte, verlor Portman endgültig die Fassung: "Du hast mir die wichtigste Rolle meines Lebens gegeben", schluchzte Natalie dem Mann entgegen, von dem sie ein Kind erwartet.

Großansicht Großer Verlierer des Abends: "True Grit" von den Coen-Brüdern (Foto: Paramount)

Großer Verlierer des Abends: "True Grit" von den Coen-Brüdern (Foto: Paramount)

Der größte Verlierer

Tränen dürfte es auch bei den Coen-Brüdern gegeben haben: Ihr Western-Remake "True Grit" war zehn Mal nominiert und ging dennoch vollkommen leer aus. Stattdessen wurde "The King's Speech" mit vier Goldjungs neben "Inception" (ebenfalls vier Preise) der meistausgezeichnete Film des Abends. Dabei heimste das berührende Monarchendrama, das insgesamt zwölf Mal nominiert war, allerdings den wichtigsten Oscar für den besten Film ein. Außerdem gewann Newcomer Tom Hooper gleich auf Anhieb den begehrten Regie-Oscar. Auch fürs Drehbuch gab's einen Academy Award. "Inception" erhielt die Preise eher in den kleineren technischen Kategorien wie Visual Effects, Kamera und Ton.

Auch der hochgehandelte "The Social Network" gewann nur drei von acht möglichen Oscars (adaptiertes Drehbuch, Schnitt und Musik). Dafür überraschte Autor Aaron Sorkin mit einem Plädoyer für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der im Film alles andere als gut wegkommt: Ohne ihn wäre keine Revolution in Nordafrika möglich geworden, gab Aaron Sorkin zu bedenken.

Großansicht Christian Bale erhielt eine Trophäe für die beste Nebenrolle in "The Fighter" (Foto: Senator)

Christian Bale erhielt eine Trophäe für die beste Nebenrolle in "The Fighter" (Foto: Senator)

Ärger um das F-Wort

Einer der wenigen Momente schallenden Gelächters in einer ansonsten arg braven Oscar-Nacht war ausgerechnet Christian Bale zu verdanken. Er gewann den Preis für die beste Nebenrolle als Mark Wahlbergs Bruder in "The Fighter" und spielte auf der Bühne mit seinem Image als spaßgebremster Perfektionist: "Ich werde hier keine F**k-Arie ablassen, das kennt ihr ja schon zur Genüge von mir!" Bale hatte sich am Set von "Terminator 4" einen legendären Ausraster geleistet und einen Beleuchter minutenlang wüst beschimpft, weil dieser durchs Bild gelaufen war.

Auch der zweite Nebenrollen-Oscar ging an "The Fighter": Melissa Leo, die zuletzt schon für "Frozen River" nominiert gewesen war, wurde für ihren Part als biestige Mutter der boxenden Brüder Wahlberg und Bale ausgezeichnet. Sie benutzte in ihrer Dankesrede allerdings tatsächlich das böse F-Wort: "Als Kate Winslet hier oben stand, sah das so verf*ckt einfach aus!" In der US-Übertragung, die wegen des Superbowl-Eklats (Janet Jacksons "Nipplegate") um einige Sekunden zeitversetzt über den Äther ging, wurde diese Stelle prompt überpiept.

Großansicht Bester ausländischer Film: Das Familiendrama "In einer besseren Welt" (Foto: Universum)

Bester ausländischer Film: Das Familiendrama "In einer besseren Welt" (Foto: Universum)

Ausnahmsweise kein deutscher Jubel

Den Auslands-Oscar gewann Susanne Bier für Dänemark mit dem Familiendrama "In einer besseren Welt". Ein deutscher Beitrag war in diesem Jahr ausnahmsweise nicht nominiert. Deutsche Oscar-Chancen hatten aber Hans Zimmer für die Musik in "Inception" sowie Jakob Schuh und Max Lang für ihren animierten Kurzfilm "Der Grüffelo" gehabt. Die Preise gewannen jedoch "The Social Network" respektive "The Lost Thing".

Als bester animierter Spielfilm wurde erwartungsgemäß "Toy Story 3" geehrt, der auch als bester Film nominiert gewesen war. Für Ausstattung und Kostüme erhielt Tim Burtons knallbunte Mär "Alice im Wunderland" zwei Oscars, beim Makeup triumphierte - fast zwangsläufig - "Wolfman".

Großansicht Nicht die Moderatoren sondern Hollywood-Legende Kirk Douglas sorgt für besondere Momente (Foto: Kurt Krieger)

Nicht die Moderatoren sondern Hollywood-Legende Kirk Douglas sorgt für besondere Momente (Foto: Kurt Krieger)

Wall Street hinter Gitter und greise Flirt-Attacke

Einiges Aufsehen erregte die Dankesrede von Charles Ferguson, der für seine Finanzkrisen-Doku "Inside Job" einen Oscar erhielt: "Vor drei Jahren wurde eine weltweite Finanzkatastrophe durch massive Betrügereien verursacht. Doch bis heute musste dafür noch kein einziger Finanz-Manager ins Gefängnis. Da läuft etwas völlig falsch!"

Ach ja, außer den Gewinnern waren auch noch zwei Moderatoren im Kodak Theatre von Los Angeles zugange. Allerdings fielen Anne Hathaway und James Franco kaum auf, obwohl Letzterer sogar als Hauptdarsteller in "127 Hours" (der bei sechs Nominierungen komplett leer ausging) selbst eine Oscar-Chance hatte. Wie mau die Gags der beiden waren, zeigte eine Rückblende auf Bob Hopes genial-pointierte Moderationen - die waren sogar in schwarzweiß lebendiger als die des Jahres 2011!

So war der schönste Oscar-Moment der 83. Verleihung auch nicht Anne Hathaway oder James Franco zu verdanken, sondern einer 94-jährigen Hollywood-Legende: Kirk Douglas! Am Stock gehend und mit schleppender, kaum zu verstehender Stimme verlieh er den Preis für die beste Nebendarstellerin. Dabei erwies er sich als galanter Charmeur: "Du siehst toll aus! Wo warst Du nur, als ich noch Filme gedreht habe?", fragte er eine errötende Anne Hathaway.

Antwort: weit weg von einer Oscar-Verleihung - und das wäre wohl besser auch so geblieben…


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