24 Justizminister fordern von Hollywood den Verzicht auf Zigaretten - weil eine Studie beweist, dass sich Jugendliche anstecken lassen.
Als Sharon Stone einst in "Basic Instinct" die Beine übereinander schlug, stockte Millionen Zuschauern der Atem. Und das lag nicht an dem Glimmstängel, den sie provokant in spitzen Fingern hielt.
Doch bei 24 amerikanischen Justizministern sorgen Szenen wie diese für nervöse Hustenanfälle. Ihnen flatterte kürzlich eine alarmierende Studie auf den Tisch, die belegt: Je öfter Jugendliche ihre Stars im Kino rauchen sehen, desto eher werden sie selbst nikotinsüchtig.
Also schrieben die Politiker einen offenen Brief an die "Motion Picture Association of America" (MPAA) und ersuchten die Filmemacher dringend, "das Rauchen in Kinofilmen deutlich zu reduzieren, damit Teenager nicht selbst zu Rauchern werden."
"Wir sagen ja nicht, dass hier gegen ein Gesetz verstoßen wird", erklärt Tom Dressler, ein Sprecher des kalifornischen Justizministeriums, das Schreiben. "Wir wollen nur, dass die Filmindustrie wirklich alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um die Gesundheit der jungen Generation zu schützen."
Nun wartet alles auf eine Reaktion von Jack Valenti, die Graue Eminenz der MPAA. Einstweilen ließ er durch seinen Sprecher verlauten: "Mister Valenti hat das Schreiben erhalten. Rauchen ist jedoch, falls Sie sich erinnern, immer noch legal. Also können Sie sich anhand des Absenders des Briefes selbst ausrechnen, welche Relevanz das Schreiben hat."
Gar keine nämlich, so sollte der aufmerksame Zuhörer den lakonischen Satz wohl vervollständigen.
Die Tabakindustrie schweigt derzeit noch zu dem neuen Vorstoß. Ein Sprecher von Philip Morris USA beeilte sich jedoch daran zu erinnern, dass alle Hersteller 1998 ein Abkommen unterzeichnet hätten, in dem man einen Verzicht auf Product Placement von Zigaretten in Kinofilmen erklärt habe.
Seither gibt's zwar keine Markennamen mehr zu sehen, wenn sich Willis & Co. cool den Glimmstängel in den Mundwinkel schieben, aber deswegen wird natürlich nicht weniger gepafft.
Der aktuelle Brief ist nicht die erste Initiative: Im Mai diesen Jahres, pünktlich zum Weltnichtrauchertag, hatte die Organisation "Smoke Free Movies" eine "Schwarze Liste" der schlimmsten Tabaksünder zusammengestellt. Die Megastars Drew Barrymore, John Travolta, Leonardo DiCaprio, Nicolas Cage, Bruce Willis und Julia Roberts wurden als Hauptschuldige ausgemacht.
Der kleinen Aufstellung hatte man 200.000 Bittbriefe nichtrauchender Jugendlicher beigelegt und bei den Genannten um eine Stellungnahme gebeten.
Julia Roberts versteht keinen Spaß, wenn's um ihr Beiwerk zum Kaffee geht (Foto: Columbia TriStar)
Die Reaktion kam prompt und eindeutig: Die "Director's Guild", die wichtigste Vereinigung von Hollywood-Regisseuren, ließ die Briefe ungeöffnet zurücksenden. Aus dem Umkreis von Julia Roberts wurde gar Klage gegen die Rauchgegner eingereicht.
Doch was bisher nur wie ein bemitleidenswerter Aufschrei einiger Fanatiker schien, ist mit der aktuellen Studie der "Dartmouth Medical School" schwarz auf weiß belegt: Gestartet wurde mit 2603 Nichtrauchern zwischen 10 und 14 Jahren. Am Ende der Studie wurde aus den Filmen, die die Jugendlichen gesehen hatten, ermittelt, wie viele Szenen jeder einzelne gesehen hatte, in denen zum Glimmstängel gegriffen wurde.
Das Ergebnis: Aus der Gruppe mit den meisten gesehenen Raucherszenen (zwischen 1665 und 5308) hatten fünf mal mehr Jugendliche selbst mit dem Rauchen begonnen, als in der Gruppe mit den wenigsten Raucherszenen (0 bis 531).
John Stewart, ein Sprecher der Anti-Raucher-Lobby, wirft Hollywood Scheinheiligkeit vor, weil eine Raucherszene nicht einmal Einfluss auf die Altersfreigabe hat:
"Jedes Jahr sterben 500.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Wenn jemand in einem Film das F-Wort benutzt, gibt's sofort ein R-Rating (entspricht etwa FSK 16, die Red.). Aber ich habe noch nie gehört, dass jemand gestorben wäre, weil er 'Fuck!' gesagt hat.
Womit wir wieder bei Sharon Stone wären. Der Drehbuchautor von "Basic Instinct", Joe Eszterhas, muss sich nicht erst seit der berühmten Verhörszene des Vorwurfs erwehren, er würde in seinen Filmen das Rauchen verherrlichen. Als der Ex-Raucher jedoch selbst an Lungenkrebs erkrankte, startete er eine eigene Anti-Tabak-Kampagne. Sein Wahlspruch:
"Die Zigarette in den Händen eines Hollywood-Stars auf der Leinwand ist ein Revolver, dessen Mündung auf 12- bis 14-Jährige gerichtet ist."