Joaquin Phoenix

Joaquin Phoenix

Leben & Werk

Wie “Oscar”-Preisträger Benicio Del Toro (“Traffic”), der dem ebenfalls nominierten Kollegen (für “Gladiator”) 2001 den Preis als bester Nebendarsteller wegschnappte, wird Joaquin Phoenix gern mit dem jungen Marlon Brando verglichen, da beide Schauspieler die Aura des vergrübelten Skeptikers umgibt. Bei Phoenix kommt das Flair des mit seinen Dämonen ringenden Grenzgängers zwischen Gewalt, Wahnsinn und Selbstzerfleischung hinzu.

So meuchelt er als Commodus in “Gladiator” seinen Vater, den Imperator Marc Aurel, und ist der Schwester inzestuös zugetan. Den Kampf gegen Russell Crowe gewinnt er durch Heimtücke.

In “Quills”, wo er das Gedankenopfer des libertinösen Marquis de Sade war, vergeht er sich als von Zweifeln gequälter und um seine Würde als Gottesmann ringender Abbé an der Leiche der jungfräulichen Wäscherin Madeleine. In “The Yards” erledigt er die Schmutzarbeit für die U-Bahn-Reparaturfirma seines Chefs, mit dessen Tochter er verlobt ist: Er ersticht einen Eisenbahnaufseher und wird in seiner Freundschaft zu Kumpel Leo auf die Probe gestellt.

In “Signs” kämpft Phoenix gemeinsam mit Mel Gibson gegen feindlich gesinnte Aliens und in dem romantischen Sci-Fi-Liebesdrama “It’s All About Love” angesichts der drohenden Apokalypse um seine große Liebe.

Phoenix’ Charaktere sind korrupt, gefallsüchtig, brutal, liebesunfähig oder hadern mit der Welt: glanzvoll in ihrer Persönlichkeitsspaltung, lüstern in ihren meist dekadenten Begierden und schwermütig in ihren Schmerz verbissen.

Der echte Joaquin Phoenix stammt aus der freidenkerischen Hippie-Familie, aus der sein Bruder River und die drei Schwestern Rain, Summer und Liberty (alle Schauspieler) hervorgingen. 1974 in Puerto Rico geboren, begann Phoenix nach Jahren unsteter Wanderschaft zwischen den Kontinenten seine Karriere beim Fernsehen und nannte sich in seinen ersten drei Filmen (“Space Camp”, “Russkies” und Ron Howards “Eine Wahnsinnsfamilie“) noch Leaf, in Anlehnung an die metaphorischen Vornamen seiner Geschwister. Seit der Mediensatire “To Die for” 1995, wo er den Underdog Jimmy spielte, wechselte er wieder zu seinem ursprünglichen Vornamen.

Ein einschneidendes Erlebnis war der Drogentod von Joaquins Bruders River, der 1993 in seinen Armen starb. Phoenix soll danach zeitwilig unter Depressionen gelitten haben, etwa bei den Dreharbeiten zum Johnny-Cash-Biopic “Walk the Line”, in dem er die Titelrolle spielt. Seine Darstellung, zu der es auch gehörte, alle Lieder im Film selbst zu singen, brachte ihm eine Oscar-Nominierung und 2006 einen Golden Globe ein. In Oliver Stones Wüstenkrimi “U-Turn” spielte er den aggressiven Freund von Dorf-Beauty Claire Danes, in “Inventing the Abbots” beflirtet er Liv Tyler, seine spätere Freundin für drei Jahre, und in “Clay Pigeons” sitzt er als vermeintlicher Serienkiller unschuldig im Knast.

In “The Village – Das Dorf” stand er 2004 erneut für M. Night Shyamalan vor der Kamera, und in “Einheit 49″ gerät er als wackerer Feuerwehrmann in Not und hofft auf die Rettung durch seinen Kollegen John Travolta. 2004 wirkte Phoenix auch in dem mit drei Oscar-Nominierungen bedachten “Hotel Ruanda” mit. In dem berührenden Historienfilm spielt der Schauspieler einen amerikanischen Journalisten. Regisseur Terry George besetzte den jungen Star dann auch erneut für die Hauptrolle in seinem nächsten Film “Ein einziger Augenblick” (2007). Als Vater muss er erleben, wie sein kleiner Sohn zu Tode gefahren wird und der Täter Fahrerflucht begeht. Zu allem Unglück vertritt ihn dann auch noch der Flüchtige als Anwalt, nachdem die zerrüttete Familie rechtlichen Beistand aufsucht.

Joaquin Phoenix erlitt 2006 selbst einen schweren Autounfall, den er aber unverletzt überstand. Der Regisseur Werner Herzog war durch Zufall als erster am Unfallort und leistete Erste Hilfe.

Ein echtes Husarenstück schaffte Phoenix, als er im Herbst 2008 ankündigte, seine Schauspielkarriere an den Nagel zu hängen und sich in Zukunft als Rapper zu verdingen. Mit Zottelbart, angeblichen Drogeneskapaden und bizarren Medienauftritten – u.a. legendär beim US-Kulttalker David Letterman – narrte er die gesamte Öffentlichkeit. Davon zeugt nun die äußerst erkenntnisreiche Doku “I’m Still Here” von Casey Affleck.

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