Eine der unkonventionellsten Schauspielerinnen des US-Kinos, hat sich die zierliche Jennifer Jason Leigh eine Bandbreite von vorwiegend exzentrischen weiblichen Charakteren geschaffen, die von der Mörderin bis zur großen Literatin, von der Country-Sängerin bis zur Designerin von Computerspielen reichen.
Leigh, Jahrgang 1962, Tochter des bei einem Hubschrauberunfall getöteten Schauspielers Vic Morrow und der Autorin Barbara Turner, debütierte mit 14 Jahren auf der Bühne und 1980 im Film. Sie ist von einer extremen Wandlungsfähigkeit, stellt sich psychisch ganz in den Dienst der Rolle und akzeptiert von der Entführerin ("Kansas City") über die massenvergewaltigte Prostituierte ("Letzte Ausfahrt Brooklyn") bis zur Reporterin ("Hudsucker - Der große Sprung") und Erbin in der viktorianischen Epoche ("Washington Square") jedes darstellerische Risiko. Leigh war die virtuos formulierende und blitzgescheite (authentische) Schriftstellerin Dorothy Parker ("Mrs. Parker und ihr lasterhafter Kreis") und betrieb in Robert Altmans "Short Cuts" einen Telefonsex-Service. Eine ihrer intensivsten Rollen war die Mitbewohnerin von Bridget Fonda in "Weiblich, ledig, jung sucht...", die sich Fondas Persönlichkeit bemächtigt.
2000 war Leigh als sexgierige Amerikanerin, die mit einer Busgesellschaft in der Wüste strandet, in dem Dogma-Film "The King Is Alive" zu sehen. In Sam Mendes' "Road to Perdition" absolvierte sie einen Kurzauftritt als Ehefrau von Tom Hanks, die gemeinsam mit ihrem jüngsten Sohn vom psychopathischen Sprössling eines irischen Mobsters umgebracht wird. Als Halbschwester von Meg Ryan durfte sie deren sexuelles Erwachen in "In the Cut" mit intimen Dialogen fördern, in der Gothik-Charakterstudie "The Machinist" spielte sie die vom unter Schlaflosigkeit leidenden Christian Bale besuchte Prostituierte Stevie. Außerdem war sie eine von mehreren Darstellern, die in Todd Solondz' "Palindromes" die 13-jährige Hauptfigur Aviva verkörperten.
Mit zahlreichen Kritiker- und Festivalpreisen ausgezeichnet, spielte Leigh auf dem Theater unter anderem sechs Monate lang die Sally Bowles im Musical "Cabaret". 2001 schrieb, inszenierte und produzierte sie gemeinsam mit Alan Cummings das Beziehungsdrama "Beziehungen und andere Katastrophen", in dem beiden - neben weiteren Hollywoodstars - auch selbst auftraten.
Filmstar spioniert Paparazzi aus
Sie klettern auf Bäume, verfolgen ihre Opfer mit Nachtsichtgeräten und hetzen die Stars in wilden Auto-Verfolgungsjagden durch die Straßen. Für einen guten Schnappschuss, am besten in peinlicher Pose und mit möglichst wenig Kleidung am Leib, tun sie alles: Paparazzi.
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Rache-Engel für alle gestressten Stars: Jennifer Jason Leigh (Foto: Kinowelt)
Höchste Zeit also, den Spieß umzudrehen - so denkt zumindest Klasse-Schauspielerin Jennifer Jason Leigh. In der bitterbösen Mediensatire "Rag Tale", zu deutsch "Klatschgeschichte", spielt sie eine ehrgeizige Reporterin für die Yellow Press.
Um die Journalisten mit dem zweifelhaften Verhältnis zur Wahrheit auch so richtig schlecht aussehen zu lassen, studierte Leigh erstmal deren Arbeit. Statt also wie sonst bei Filmpremieren selbst über den Roten Teppich zu stolzieren, drängte sie sich mit Fotografen und Schreiberlingen hinter der Absperrung - um hautnah mitzuerleben, wie aus einem flüchtigen Küsschen unter Filmpartnern heiße Affären gedichtet werden.
"In unserem Film geht's um Klatschblätter wie 'The Sun'", erklärt Leigh. "Ich habe das Zeug früher nie gelesen, auch weil sie über mich ohnehin nie schreiben. Es war schon interessant zu sehen, welche Lügen sie mit einer Schlagzeile und einem Bild produzieren - nur um dir dann im weiteren Text zu erklären, dass sie es gar nicht so gemeint haben, wie es auf den ersten Blick aussah. Diese Technik, die Wirklichkeit zu verfremden, wollte ich mir aneignen."
Die Independent-Queen schlägt zurück
Unterstützt wird Leigh dabei im Film von Ian Hart, der den Fans noch als Professor Quirrell in "Harry Potter und der Stein der Weisen" bekannt sein wird. Er mimt einen gnadenlosen Fotografen.
"Ian war mehrere Tage mit den schlimmsten Paparazzi unterwegs", berichtet Jennifer. "Peinlich wurde es nur, als ihn bei einer Premiere ein paar Freunde erkannten und riefen: 'He, Ian, was zum Geier machst du bei dem Abschaum?'"
Für Jennifer Jason Leigh, die mit "Weiblich, ledig, jung sucht ..." und als Gattin von Tom Hanks in "Road to Perdition" auch einem breiteren Publikum bekannt wurde, ist "Rag Tale" seit langem der erste Film mit komischem Unterton. Zuletzt wurde ihr im Thriller "In the Cut" der Kopf abgetrennt, dann gab sie in "Der Maschinist" Christian Bales hoffnungslose Lieblings-Prostituierte. Ab 14. April ist sie in "Palindrome" als behinderte 12-Jährige mit Kinderwunsch zu sehen.
Und wenn Leigh in "Rag Tale" so gut ist wie gewohnt, darf sich die Yellow Press auf einiges gefasst machen.