Als einer der wenigen international arbeitenden französischen Regisseure, schuf der 1943 bei Paris geborene Jean-Jacques Annaud mehrere Welterfolge... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max10/kuk10/kuk19/u1019040/b150x150.jpg Jean-Jacques Annaud

Alle Bilder

Jean-Jacques Annaud


  • Geburtstag
    01.10.1943

Als einer der wenigen international arbeitenden französischen Regisseure, schuf der 1943 bei Paris geborene Jean-Jacques Annaud mehrere Welterfolge, die kühn und spektakulär dem Medium jeweils neue Dimensionen erschlossen.

Annaud schloss mit 20 Jahren sein Studium an der Filmhochschule in Rekordzeit ab, wurde Werbefilmregisseur von über 500 Spots, die mehrfach ausgezeichnet wurden, und leistete seinen Militärdienst in einem Krankenhaus in Kamerun ab, wo er die Idee zu seinem ersten Spielfilm, der Kolonialsatire "Sehnsucht nach Afrika" (1976) entwickelte, die den Oscar für den besten ausländischen Film erhielt. Der Fußball- und Kleinstadtsatire "Damit ist die Sache für mich erledigt" (1979, mit Patrick Dewaere), folgte sein erster Welterfolg mit dem Abenteuer aus prähistorischer Zeit "La guerre du feu - Am Anfang war das Feuer" (1981), für das Roman Polanskis Hausautor Gérard Brach das Drehbuch schrieb und der Schriftsteller Anthony Burgess ("Uhrwerk Orange") eine eigene Lautsprache für die Darsteller der Urmenschen (Rae Dawn Chong, Ron Perlman) entwickelte. Noch heute wird der Film in TV-Dokumentationen wegen seines Realismus als Beispiel für die Lebensumstände zu Zeiten des Homo sapiens verwendet.

Durch "Am Anfang war das Feuer" wurde der deutsche Produzent Bernd Eichinger auf Annaud aufmerksam. Den beiden gelang eine für unmöglich gehaltene kongeniale Umsetzung von Umberto Ecos Weltbestseller "Der Name der Rose", in dem Sean Connery als Franziskanerpater William von Bakerville eine Mordserie in einem Kloster löst, das auch noch von der Inquisition geplagt wird. Mit "Der Bär" realisierte Annaud 1989 in den Dolomiten und in Kanada einen Tierfilm mit nur wenigen und nur am Rande vorkommenden Darstellern (u.a. Tchéky Karyo), filmte aus der Tierperspektive eine Geschichte ums Überleben in der rauen Wildnis. Sein Erotikfilm "Der Liebhaber" (1991), nach dem Roman von Marguerite Duras, setzte auch in diesem Genre mit der Liebesgeschichte zwischen einer halbwüchsigen Französin (Model Jane March) und einem chinesischen Kaufmann, neue Maßstäbe des Darstellbaren.

Nur für die 3D-IMAX-Kinos inszenierte Annaud 1995 "Wings of Courage", einen Film über den Piloten und Autor Antoine de Saint-Exupéry ("Der kleine Prinz"). Sein Abenteuerfilm "Sieben Jahre in Tibet" (mit Brad Pitt in der Hauptrolle) schlug Martin Scorseses Tibetfilm "Kundun" an der Kasse und erregte Aufsehen, weil Annaud klar und deutlich die Rolle des Bergsteigers Heinrich Harrer als Mitläufer der Nazis zeigte. Mit dem Dritten Reich beschäftigte sich Annaud auch in dem umstrittenen Film "Duell - Enemy at the Gates", der die Berlinale 2001 eröffnete. Der in Potsdam-Babelsberg abgedrehte Film über einen russischen und einen deutschen Scharfschützen, gespielt von Jude Law und Ed Harris, die sich in den letzten Tagen des umkämpften Stalingrad ein Mann-zu-Mann-Duell liefern, erregte die Gemüter. Nicht nur historische Ungenauigkeiten, auch die Tatsache, dass der bis dato teuerste Film, der in Deutschland mehrheitlich mit deutschen Fondsgeldern gedreht wurde, weder von einem deutschen Regisseur inszeniert noch mit hiesigen Stars besetzt wurde, wurde bemängelt. Trotz deutscher Kritikerschelte punktete "Duell" solide an den amerikanischen und europäischen Kinokassen.

Mit "Zwei Brüder" bewies Annaud wie bereits bei "Der Bär" seine Fähigkeit, wilde Tiere als Hauptdarsteller zu präsentieren. Mit der mit Digitalkamera an exotischen Locations gefilmten abenteuerlichen Geschichte zweier Tiger-Brüder konnte der Franzose allerdings nicht an den überragenden Erfolg von "Der Bär" anschließen.

  • Geburtstag
    01.10.1943
  • Geburtsland
    Frankreich

"Araber sind das Klischee islamischer Terroristen leid"

Mit seinem Wüstenepos "Black Gold" entführt Jean-Jacques Annaud nach Arabien in die Zeit des Machtkampfs um Öl. Sein nächstes Projekt plant der Kultregisseur in der Mongolei.

Großansicht Vom Kampf ums Öl im Arabien der 30er Jahre erzählt Jean-Jacques Annauds in gewohnt opulenten Bildern gefilmtes Epos "Black Gold" (Foto: Universal)

Vom Kampf ums Öl im Arabien der 30er Jahre erzählt Jean-Jacques Annauds in gewohnt opulenten Bildern gefilmtes Epos "Black Gold" (Foto: Universal)

Ihr Film ist eine Koproduktion mit dem Doha Film Institute. Konnten Sie nach eigenem Gusto arbeiten?
JEAN-JACQUES ANNAUD: Bei all meinen Projekten genieße ich absolute Freiheit. Das Doha Film Institute kam erst ins Boot, als das Drehbuch zu "Black Gold" schon stand. Katar möchte ein Filmzentrum aufbauen und eine Filmschule, für so ein kleines Land nicht gerade einfach. Das Festival von Doha in Partnerschaft mit Tribeca war ein erster Schritt in die Richtung. Der politische Wille und die finanziellen Mittel sind da, und was das Emirat mit Al Jazeera geschafft hat, wird es auch mit dem Aufbau einer Filmindustrie schaffen. Ich fand dort die ins Meer mündende Sanddüne für die Schlüsselszene des Films und machte nur die besten Erfahrungen.

Woher kommt Ihre Liebe zu dieser Region?
Ein Film beansprucht mich drei Jahre, ohne persönliches Interesse am Thema geht das nicht. Mich fasziniert diese Zivilisation und Zeit der Entdeckung des Öls, vor allem im Kontext mit dem Charme von 1001 Nacht, dieses Hereinstolpern in die Moderne. Deshalb war ich begeistert, als mir der tunesischstämmige Produzent Tarak Ben Ammar die Verfilmung des Romans "Der schwarze Durst" vorschlug.

Richtet sich die Geschichte primär an den arabischen Markt?
Ich konzentriere mich nie auf einen bestimmten Markt. Die arabische Welt feierte "Black Gold" enthusiastisch. Manche meiner Werke hatten ein langes Leben trotz schlechten Starts. Ich realisiere keine Filme unter modischen Gesichtspunkten.

Erforderte das Thema ein besonders subtiles Lavieren zwischen Tradition, Religion und westlicher Modernität?
Ich konnte mich auf exzellente Berater in Frankreich und Tunesien stützen. Das Publikum in den arabischen Ländern hat gelacht, weil viele Szenen an sehr aktuelle Alltagskonflikte erinnern. Die Menschen schätzen es, wenn man ihre Kultur mit Respekt behandelt und nicht das Klischee des islamistischen Terroristen bedient.

Sie haben größtenteils auf CGI verzichtet, nicht mit Pixel, sondern mit Menschen gearbeitet.
Nichts gegen CGI, aber wenn ich bei einem Historiendrama zu 80 Prozent auf CGI setze, dann korrespondiert der Film nicht mit der Realität, bleibt künstlich und nimmt mir obendrein das Vergnügen, das Spezielle an der fremden Welt zu verstehen, die ich beschreibe. Und wie soll ich die Zuschauer mit auf eine spannende Reise nehmen, wenn alles aus dem Computer kommt? Wenn indische oder chinesische CGI-Experten arabische Reiter erfinden, von denen sie keine Ahnung haben?

Bilder zu "Black Gold"

Fotos ansehen

Welche Auswirkung hatte die Jasmin-Revolution auf den Dreh in Tunesien?
Wir mussten nur zwei Tage überziehen. Ich habe Geschichte erlebt und fühlte mich keine Sekunde in Gefahr, sondern von unserem tunesischen Team beschützt. Es herrschte eine kollegiale und freundschaftliche Atmosphäre ohne ein böses Wort gegen den Westen, die Christen oder gegen Ausländer. Wir bewegten uns wie auf einem Boot im Sturm auf hoher See, wo Mannschaft und Kapitän alles tun, damit die Passagiere nicht merken, was los ist.

Sie sind berühmt für die Monumentalität Ihrer Bilder. Zieht es Sie deshalb mit Ihrem nächsten Projekt in die ferne Mongolei?
Eine unglaubliche Landschaft erwartet mich da. Basierend auf dem großen literarischen Erfolg von Jian Rongs "Wolf Totem" in China, spielt die Handlung in der Epoche der Kulturrevolution und ist sehr ökologisch orientiert, was man eigentlich in diesem Riesenreich nicht erwartet. Ein junger Mann entdeckt die mongolische Zivilisation und erlebt das langsame Verschwinden der Tradition. Der Autor zeigt die damalige Brutalität der Industrialisierung, ohne jemanden anzuklagen. Die Chinesen können leicht den Bogen zur Gegenwart schlagen. Ich freue mich schon auf die Dreharbeiten und das Eintauchen in diese Zivilisation. Es ist doch etwas anderes, einen Film in China mit Chinesen zu machen, statt nur einen Film über China.

Ist das Projekt schon in trockenen Tüchern?
Produzent ist die chinesische FCC, ich koproduziere mit meiner Firma Reperage, vielleicht finden wir noch andere Partner. Für China ist das Budget groß, für uns mehr im Mittelbereich. Der Film setzt auf eine große visuelle Kraft und erschafft das Leben in den Sechzigerjahren neu. Die Locations in der Mongolei bringen mich zum Träumen.


Filmografie

treffpunkt kino kompakt

In der aktuellen Ausgabe: Die große Preview zu "Ice Age - Voll verschoben" und der erste Trailer zu "Skyfall"!

Zum Magazin

Das multimediale Kinomagazin jede Woche kostenlos per Mail - jetzt registrieren!

GO

News zum Star