Jean-Jacques Annaud

Jean-Jacques Annaud

Leben & Werk

Als einer der wenigen international arbeitenden französischen Regisseure, schuf der 1943 bei Paris geborene Jean-Jacques Annaud mehrere Welterfolge, die kühn und spektakulär dem Medium jeweils neue Dimensionen erschlossen.

Annaud schloss mit 20 Jahren sein Studium an der Filmhochschule in Rekordzeit ab, wurde Werbefilmregisseur von über 500 Spots, die mehrfach ausgezeichnet wurden, und leistete seinen Militärdienst in einem Krankenhaus in Kamerun ab, wo er die Idee zu seinem ersten Spielfilm, der Kolonialsatire “Sehnsucht nach Afrika” (1976) entwickelte, die den Oscar für den besten ausländischen Film erhielt. Der Fußball- und Kleinstadtsatire “Damit ist die Sache für mich erledigt” (1979, mit Patrick Dewaere), folgte sein erster Welterfolg mit dem Abenteuer aus prähistorischer Zeit “La guerre du feu – Am Anfang war das Feuer” (1981), für das Roman Polanskis Hausautor Gérard Brach das Drehbuch schrieb und der Schriftsteller Anthony Burgess (“Uhrwerk Orange“) eine eigene Lautsprache für die Darsteller der Urmenschen (Rae Dawn Chong, Ron Perlman) entwickelte. Noch heute wird der Film in TV-Dokumentationen wegen seines Realismus als Beispiel für die Lebensumstände zu Zeiten des Homo sapiens verwendet.

Durch “Am Anfang war das Feuer” wurde der deutsche Produzent Bernd Eichinger auf Annaud aufmerksam. Den beiden gelang eine für unmöglich gehaltene kongeniale Umsetzung von Umberto Ecos Weltbestseller “Der Name der Rose“, in dem Sean Connery als Franziskanerpater William von Bakerville eine Mordserie in einem Kloster löst, das auch noch von der Inquisition geplagt wird. Mit “Der Bär” realisierte Annaud 1989 in den Dolomiten und in Kanada einen Tierfilm mit nur wenigen und nur am Rande vorkommenden Darstellern (u.a. Tchéky Karyo), filmte aus der Tierperspektive eine Geschichte ums Überleben in der rauen Wildnis. Sein Erotikfilm “Der Liebhaber” (1991), nach dem Roman von Marguerite Duras, setzte auch in diesem Genre mit der Liebesgeschichte zwischen einer halbwüchsigen Französin (Model Jane March) und einem chinesischen Kaufmann, neue Maßstäbe des Darstellbaren.

Nur für die 3D-IMAX-Kinos inszenierte Annaud 1995 “Wings of Courage”, einen Film über den Piloten und Autor Antoine de Saint-Exupéry (“Der kleine Prinz”). Sein Abenteuerfilm “Sieben Jahre in Tibet” (mit Brad Pitt in der Hauptrolle) schlug Martin Scorseses Tibetfilm “Kundun” an der Kasse und erregte Aufsehen, weil Annaud klar und deutlich die Rolle des Bergsteigers Heinrich Harrer als Mitläufer der Nazis zeigte. Mit dem Dritten Reich beschäftigte sich Annaud auch in dem umstrittenen Film “Duell – Enemy at the Gates“, der die Berlinale 2001 eröffnete. Der in Potsdam-Babelsberg abgedrehte Film über einen russischen und einen deutschen Scharfschützen, gespielt von Jude Law und Ed Harris, die sich in den letzten Tagen des umkämpften Stalingrad ein Mann-zu-Mann-Duell liefern, erregte die Gemüter. Nicht nur historische Ungenauigkeiten, auch die Tatsache, dass der bis dato teuerste Film, der in Deutschland mehrheitlich mit deutschen Fondsgeldern gedreht wurde, weder von einem deutschen Regisseur inszeniert noch mit hiesigen Stars besetzt wurde, wurde bemängelt. Trotz deutscher Kritikerschelte punktete “Duell” solide an den amerikanischen und europäischen Kinokassen.

Mit “Zwei Brüder” bewies Annaud wie bereits bei “Der Bär” seine Fähigkeit, wilde Tiere als Hauptdarsteller zu präsentieren. Mit der mit Digitalkamera an exotischen Locations gefilmten abenteuerlichen Geschichte zweier Tiger-Brüder konnte der Franzose allerdings nicht an den überragenden Erfolg von “Der Bär” anschließen.

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