Mit vier Filmen hat der anglo-amerikanische Regisseur James Whale (1896 - 1957) das Genre des Horrorfilms wesentlich bereichert: Mit "Frankenstein... http://www.kino.de/_assets/pics/kinode-logo-150x50.png James Whale

Steckbrief

James Whale


  • Geburtstag
    22.07.1896
  • Geburtsort
    Dudley
  • gestorben
    29.05.1957
ohne Abbildung

Mit vier Filmen hat der anglo-amerikanische Regisseur James Whale (1896 - 1957) das Genre des Horrorfilms wesentlich bereichert: Mit "Frankenstein" (1930) schuf er die Grundlage für den Mythos um den aus Leichenteilen zusammengeflickten, künstlichen Menschen, und mit Boris Karloff in der Rolle des Monsters die über Jahrzehnte prägende Ausgestaltung seines Äußeren. Das Monster ist hier und in "Frankensteins Braut" (1935) Täter und Opfer zugleich und hat mit Elsa Lanchester, der Gattin von Charles Laughton, als künstliche Frau eine ebenbürtige Partnerin. Zugleich mischen sich in das Sequel komische Elemente, wenn die Ungeheuer und Kleinwesen aus ihren Spiritusgläsern entkommen wollen. Beide Filme waren kommerziell erfolgreich, der zweite übertraf den ersten an Qualität. "The Old Dark House" (1932) ist eine böse Satire auf die englische Familie, und "The Invisible Man - Der Unsichtbare" (1933) steht am Anfang einer Reihe von Filmen um den von H.G. Wells erfundenen, unsichtbaren und tragischen Verbrecher mit Willen zur Macht, der im Tod Erlösung findet. Whale drehte insgesamt 21 Filme zwischen 1930 und 1940, darunter Melodramen und die weitgehend unbekannt gebliebene Screwball-Murder-Mystery-Comedy "Remember Last Night?" (1936), eine der ersten originellen Genre-Vermischungen. 1941 zog er sich auf Grund einer Intrige, die mit seiner Homosexualität zu tun hatte, ganz vom Film zurück, arbeitete weiter für das Theater, das am Anfang seiner Karriere gestanden hatte, und lebte bis zu seinem ungeklärten Tod 1957 in einer Villa. 1999 entstand mit Bill Condons "Gods and Monsters", das mit einem Drehbuch-"Oscar" (für Condon) ausgezeichnet wurde, eine Charakterstudie um die letzten Tage des von Ian McKellen gespielten Mannes, der mit seinem Gärtner (Brendan Fraser) zusammenlebte.

  • Geburtstag
    22.07.1896
  • Geburtsort
    Dudley
  • Geburtsland
    Großbritannien

"Mein Film ist keine Achterbahnfahrt"

Mit "Creep" knüpft Nachwuchsregisseur Christopher Smith an klassische Horrorstücke wie Sam Raimis "Tanz der Teufel" an, die den Zuschauer mit geringen Mitteln gewaltig schrecken. Aus Deutschland bekam er Unterstützung von Franka Potente.

Großansicht Christopher Smith lädt ein in die Londoner U-Bahnschächte (Foto: X-Verleih)

Christopher Smith lädt ein in die Londoner U-Bahnschächte (Foto: X-Verleih)

» Woher stammt die Idee zu "Creep"?

CHRISTOPHER SMITH:

Nachdem ich einige Kurzfilme gedreht hatte, schrieb ich das Drehbuch zu einem schwarzhumorigen Thriller. Das war jedoch zu einer Zeit, als in England etliche Gangsterfilme entstanden, die ziemlich schlecht waren. Produzenten gaben mir den Rat, mir lieber etwas anderes auszudenken.

So dachte ich an einen Horrorfilm, und als dann mal wieder meine U-Bahn auf der Strecke stecken blieb, kam mir die Idee, mir eine Kreatur auszudenken, die in den U-Bahn-Schächten ihr Unwesen treibt.

» Mit "Creep" wollen Sie sich von der üblichen Horrorware aus Hollywood distanzieren.

Mein Film ist keine Achterbahnfahrt, nach der man als Zuschauer die Gewissheit hat, wieder gut anzukommen. Nein, ich mag die frühen Werke von Genrespezialisten wie Tobe Hooper, Sam Raimi und Wes Craven, die einem das unangenehme Gefühl geben, dem Regisseur nicht trauen zu können.

Filme wie "Blutgericht in Texas", "Tanz der Teufel" und "Nightmare On Elm Street" entstanden mit wenig Mitteln und wollten dabei nur eines: den Zuschauer schocken und ihn mit seiner Angst alleine lassen.

Großansicht Freddy Kruger ist ein großes Vorbild für Christopher Smith (Foto: Warner)

Freddy Kruger ist ein großes Vorbild für Christopher Smith (Foto: Warner)

» Und zu dieser Art von Horrorfilmen wollen Sie zurück?

Die erste Hälfte von "Creep" wirkt so, als hätte man das schon einmal gesehen. Der Unterschied ist nur, dass es sich im Untergrund abspielt. In der zweiten Hälfte des Films erlebt man eine Welt, die immer düsterer und schwärzer wird. Eine Welt, wie man sie vorher noch nie gesehen hat. Ab diesem Moment traut man dem Regisseur nicht mehr, ob er uns Zuschauer hier je wieder rauslassen wird.

» "Creep" reiht sich in eine Welle von Horrorfilmen wie "The Grudge" und "Saw".

"The Grudge" ist sicherlich ein gut gemachter Film, trotzdem war ich gelangweilt. Der Zuschauer will nicht nur erschreckt, sondern auch überrascht werden. Der Horror kommt doch nicht daher, weil gleich jemand aus der dunklen Ecke springt, sondern durch die Vorstellung, in einer Kammer eingesperrt zu sein und nicht zu wissen, was dieses Monster treibt und woher die Schreie kommen.

Großansicht In "Die Bourne Identität" fiel Franka Christopher sofort auf (Foto: UIP)

In "Die Bourne Identität" fiel Franka Christopher sofort auf (Foto: UIP)

» Ist es nicht ungewöhnlich, dass eine deutsche Schauspielerin die Hauptrolle in einer britischen Produktion bekommt?

Ich finde, dass die britischen Stars durch unsere Zeitungen ziemlich abgenutzt wirken. Man liest immer wieder von ihnen, sieht ihre Fotos überall. Vielleicht hätte eine englische Schauspielerin besser zu der Rolle gepasst, aber ich wollte einen europäischen Film mit einem europäischen Star machen.

Ich sah Franka Potente in dem Thriller "Die Bourne Identität", der fast ausschließlich in Europa spielt. Sie wirkte in ihrer Rolle absolut glaubwürdig. Sie ist eine beeindruckende Schauspielerin, die daran glaubt, was sie spielt, weshalb ich immer wieder zu ihr sagte, ihre Szenen so zu spielen, wie sie es gerade für richtig halten würde.

Großansicht Franka Potente ahnt noch nichts vom bevorstehenden Psychotrip (Foto: X-Verleih)

Franka Potente ahnt noch nichts vom bevorstehenden Psychotrip (Foto: X-Verleih)

» War Franka Potente Ihre erste Wahl?

Ja, als ich das Drehbuch schrieb, dachte ich bereits an sie. Als ich ihr das fertige Skript schickte, nahm sie sofort an. Das hat uns auch bei der Finanzierung sehr geholfen, weil mit ihr auch aus Deutschland Geld floss. Etwa 40 Prozent unseres Etats konnte mit Frankas Einstieg gesichert werden.

» Gedreht wurde hauptsächlich an Originalschauplätzen in Londoner U-Bahn-Schächten. War das schwierig?

Etwa 60 Prozent der Szenen entstanden da unten. Der Grund, weshalb sich die Londoner U-Bahn-Gesellschaft einverstanden erklärte, war die Tatsache, dass es eine Fantasiegeschichte ist. Das ist natürlich wahr, aber meine Aufgabe als Regisseur war es trotzdem, den Film so realistisch und glaubwürdig wie möglich zu gestalten.

In England wurde mit folgendem Spruch geworben: "Creep" wird die Angst vor dem U-Bahn-Fahren schüren wie einst "Psycho" die Angst vorm Duschen schürte.

Großansicht Ein kleiner Ausflug in die Londoner U-Bahnschächte (Foto: X-Verleih)

Ein kleiner Ausflug in die Londoner U-Bahnschächte (Foto: X-Verleih)

» Könnten Sie sich vorstellen, dass aus "Creep" eine Horrorfilmreihe werden könnte wie mit "Nightmare - Mörderische Träume" oder "Halloween"?

Wenn der Film ein kommerzieller Erfolg wird, würde ich mir das sehr wünschen. Am Ende des Films spürt man doch regelrecht, dass es über diese Kreatur im Untergrund noch viel mehr zu erzählen gibt. James Whales Klassiker "Frankensteins Braut" ist einer meiner Lieblingsfilme, und ich würde der Kreatur in einem nächsten Film sehr gern seine Braut an die Seite stellen.


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