Von "Die fantastische Welt von Oz" bis "Spring Breakers": James Franco ist der vielseitigste Schauspieler des Monats. Dabei hat er mehr Nebenbeschäftigungen als die meisten seiner Kollegen.
"Ich kenne das Bedürfnis auszubrechen" - auch James Franco musste eine Krise hinter sich lassen (Foto: Kurt Krieger)
Sie sind immer wieder in fantastischen Geschichten zu sehen - von der ersten "Spiderman"-Trilogie über den "neuen Planet der Affen" und unlängst in "Die fantastische Welt von Oz". Haben Sie überhaupt eine Schwäche für das Genre?
James Franco: Doch, doch. Als Kind sah ich "Der dunkle Kristall" und war so begeistert, dass mich meine Eltern noch ein paarmal hineinschleppten. Danach las mir mein Vater "Der kleine Hobbit" vor, was wiederum meine Begeisterung für Bücher weckte. Mit Tolkien und dann mit den "Oz"-Romanen schuf ich mir im Geiste meine eigene Fantasiewelt.
Im "Oz"-Film dürfen Sie einen Zauberer spielen, für den Sie professionelle Tricks einstudiert haben sollen. Was haben Sie denn so drauf?
James Franco: Das ist richtig. Regisseur Sam Raimi bestand darauf, dass ich mit einem richtigen Zauberer trainiere. Jetzt kann ich Tauben verschwinden lassen. Oder ich lasse eine Flamme in meiner Hand erscheinen und verwandle sie in eine Taube. Auch den Kaninchen-aus-dem Hut-Trick beherrsche ich. Dummerweise stellte sich heraus, dass die Szenen im Film, wo ich das zeige, zu lang waren. Deshalb wurden sie alle herausgeschnitten.
Zumindest könnten Sie jetzt auf einem Kindergeburtstag auftreten - oder?
James Franco: Ja, wenn ich einen richtigen Assistenten hätte, der diese ganzen Tricks vorbereitet, dann schon. Wenn Sie also eine Party geben und mir eine Stange Geld bezahlen wollen - ich schaue gerne vorbei. (lacht).
Die Frage ist, ob Sie dafür überhaupt Zeit haben. Sie führen auch noch Regie, machen Kunstprojekte, lehren an der Universität. Und gerade besuchen Sie ein Autorenseminar.
James Franco: … Ich habe schon einen Abschluss in Poesie und will jetzt auch noch einen im Prosaschreiben machen - ich liebe es einfach so sehr. Vor sechs, sieben Jahren hatte ich eine Krise, weil ich als Schauspieler einfach zu viel wollte. Ich fühlte mich eingeschränkt, und habe mich bei der Regie eingemischt - und machte den anderen Leuten das Leben schwer. Das war ein Fehler, aber ich habe begriffen, dass ich meine eigenen Visionen verwirklichen muss. Sonst würde ich mich zu Tode langweilen.
Und deshalb laufen Sie mit einem Penis auf der Nase im Louvre herum - wie für Ihren Kurzfilm "Dicknose in Paris"...
James Franco: Humor ist bei der Kunst wichtig. Aber bei den Außenaufnahmen habe ich den Dildo abgedeckt, denn die Leute hätten wahrscheinlich ziemlich brutal darauf reagiert. Und die Sicherheitsbeamten ließen uns in Ruhe, denn sie sind es ja gewohnt, dass Leute mit Kameras herumlaufen.
Journalisten dürften sich dagegen eher für Ihren Status als Sexsymbol als für Ihre Kunst interessieren.
James Franco: Was soll ich dagegen tun? In der Filmbranche selbst gibt es viele smarte und tief denkende Leute, aber an der Peripherie sitzen irgendwelche Kommentatoren, die sich über solche Seichtigkeiten auslassen. Das ist auch ein Problem mit den Kunstkritikern in den USA: Die können nicht vergessen, dass ich als Schauspieler arbeite. Im Ausland haben die Journalisten zum Glück keine solchen Vorurteile.
Sie sind jetzt auch noch in "Spring Breakers" zu sehen, dessen Charaktere den Konventionen der amerikanischen Gesellschaft entfliehen wollen. Können Sie dieses Bedürfnis verstehen?
James Franco: Ja, wobei die Figuren im Film in erster Linie Party machen und Spaß haben wollen. Sie flüchten sich in eine Konsumwelt - wie der Großteil des Landes. Aber ich kenne das Bedürfnis, auszubrechen. Ich habe mich eine Zeitlang nur auf meine Karriere konzentriert, weil ich Anerkennung suchte, weil ich gemocht werden wollte. Aber so findest du keine Befriedigung. Das war auch einer der entscheidenden Gründe, warum ich mich phasenweise aus der Branche zurückgezogen habe. Ich schlug den entgegengekehrten Weg zu den Charakteren aus "Spring Breakers" ein - mein Fluchtweg wurde die Ausbildung. Deshalb ging ich zurück an die Uni.
Sie unterrichten auch selbst; außerdem wollen Sie in Yale Ihren Doktor in englischer Literatur machen. Warum werden Sie nicht einfach hauptberuflich Professor?
James Franco: Auf das Filmemachen könnte ich doch nicht verzichten. Und meine Erfahrungen aus der Showbranche bereichern mein Studium. Ohne sie wäre ich nur ein dröger, einfallsloser Akademiker - und viel schlechter als viele meiner Kommilitonen.