Er gilt als der "Godfather of Soul", so benannt nach einem von ihm gesungenen Hit: Der US-amerikanische Sänger und Songschreiber James Brown hat mit seiner heiseren Stimme und seiner gefühlsgeladenen Bühnenshow ein ganzes Genre mit aus der Taufe gehoben und bis heute entscheidend geprägt. Am 3. Mai 1933 wird James Joseph Brown Jr. in Barnwell, South Carolina, geboren. Es ist die Zeit der großen Depression, und Brown wächst in ärmlichen Verhältnissen in Augusta, Georgia, auf. Er verdingt sich früh als Baumwollpflücker und Schuhputzer. Mit 16 verübt er einen bewaffneten Raubüberfall. Im Gefängnis macht er die Bekanntschaft von Bobby Byrd, dessen Familie ihm zu einer vorzeitigen Entlassung verhilft - Bedingung: Brown kehrt nicht in die Heimat zurück und sucht sich einen Job. Nach einer Zeit als Preisboxer und Baseball-Pitcher schließt er sich zunächst der Band von Bobbys Schwester, den Gospel Starlighters, dann der Gruppe seines Mentors an, die unter dem neuen Namen James Brown with the Fabulous Flames im Jahre 1956 eine erste Single veröffentlicht. "Please, Please, Please" schafft es zwar nicht ganz in die Top 100 Pop Charts, wird auf Grund der neuartigen Mixtur aus Gospel und Blues aber zu einem Millionenseller bei den R&B-Fans. Die folgenden, meist ebenfalls von Brown (mit-) geschriebenen Singles erfüllen die Erwartungen der Plattenfirma indes nicht, bis 1958 "Try Me" die Spitze der R&B-Charts erreicht. Brown übernimmt die Leitung der Gruppe, die er nunmehr zu seiner Begleitband macht, und tritt mehr und mehr als Solist in Erscheinung. Titel wie "It's A Man's World", "Papa's Got a Brand New Bag" oder "I Got You" machen ihn landesweit bekannt. Im Jahre 1963 gelingt James Brown endgültig der ganz große Durchbruch: Die aus eigener Tasche finanzierte LP "Live At The Apollo" (King Records glaubt nicht an den Erfolg einer Live-Platte) erreicht auf dem von der Single dominierten Musikmarkt sensationelle Verkaufszahlen. Brown wird zu einem Star des neuen Genres Soul. Über einen treibenden Rhythmus singt er teilweise nur kurze Phrasen, gibt der Band gesungene Anweisungen, schreit, tanzt, schwitzt - und lässt sich gegen Ende der Show, mit einem Umhang bedeckt, wie in Trance von der Bühne führen. Sein selbstbewusstes Auftreten macht ihn in den späten Sechzigern zu einer Identifikationsfigur der Bürgerrechtsbewegung, welcher er mit "Say It Loud - I'm Black And I'm Proud" einen Schlachtruf liefert. Mit über 300 Auftritten pro Jahr kann Brown seinen Erfolg bis in die Siebziger fortsetzen, dann gräbt die aufkommende Disco-Hysterie dem Soul das Wasser ab. Mitte der Achtziger werden alte James-Brown-Nummern jedoch zu einem beliebten Selbstbedienungsladen für den HipHop. So gelangt auch der Altstar wieder zu Ehren, der 1986 in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen wird. In der Folge veröffentlichte Alben sind jedoch von eher wechselhafter Qualität, und Brown macht mehr durch seine Drogeneskapaden und Gerichtsverfahren wegen häuslicher Gewalt Schlagzeilen als durch seine Musik. 2002 erscheint das bislang letzte Album, "The Next Step". Im Sommer 2006 befindet sich der Pate des Soul auf seiner Seven Decades of Funk World Tour.
Spike Lee verfilmt James Browns Leben
Kein Wunder, dass Hollywood gerne als Industrie für Leichenfledderei und Abzocke beschimpft wird.
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Nach langem Ringen als Regisseur gewonnen: Spike Lee (Foto: Kurt Krieger)
Musik-Legende James Brown verstarb wie berichtet am Montag nach langer Krankheit. Während seine Millionen Fans noch trauern, platzt Hollywood nun mit herzlich pietätlosen Neuigkeit heraus: Keine Beileisbekundung, keine Ehrung für das Musik-Genie, lediglich die nackte News, dass Spike Lee das Leben des "Godfather of Soul" verfilmen wird.
Produzent Brian Grazer tat dies nun kund und hätte damit wohl keinen schlechteren Zeitpunkt wählen können. Denn eigentlich ist das Projekt bereits seit einigen Jahren in Planung, Brown selbst war eine der treibenden Kräfte dahinter und es lagen auch bereits mehrere Drehbuchversionen vor.
Sogar mit Spike Lee befand sich Grazer auf Drängen von James Brown höchstpersönlich bereits einige Zeit in Verhandlungen, wenige Tage vor Browns Tod schließlich konnte der Produzent den "Malcolm X"-Regisseur zur Unterschrift bewegen.
Letzter Wille
Insofern ist das Engagement Lees sogar so etwas wie der Letzte Wille von James Brown. Dies aber nun so Knall auf Fall öffentlich zu machen, zeugt nicht gerade von einem feinfühligen Auftreten. Dabei waren Grazer und Brown bisher außerordentlich gut miteinander ausgekommen.
James Brown hatte dem Produzenten und seinen Autoren Zugang zu seinen persönlichen Unterlagen und Archiven gewährt und stand den Filmemachern auch zu den kritischen Passagen seiner bewegten Biografie bereitwillig Rede und Antwort.
Gerade dadurch, dass mit Spike Lee auch noch Browns Wunschregisseur verpflichtet werden konnte, sollte eine filmische Würdigung ganz im Sinne des Künstlers gewährleistet werden. Nun, der Start war denkbar schlecht, bleibt zu hoffen, dass zumindest der Film dann umso besser wird.
Lee jedenfalls kündigte bereits an, alle anderen Filme, wie sein Wunschprojekt über die L.A. Riots zurückzustellen, um sich voll und ganz der James Brown-Biografie zu widmen. Die erste Klappe soll noch im Jahr 2007 fallen.