Kaum ein Hollywood-Star kann heute noch wie Jack Nicholson auf eine derartig abwechslungsreiche Karriere zurückblicken. Sein Leinwanddebüt gab er 1958 in "The Cry Baby Killer", und seitdem hätte seine Rollenwahl nicht vielfältiger ausfallen können. Mit "Easy Rider" (1969) und seiner oscar-gekrönten Rolle in "Einer flog übers Kuckucksnest" (1975) erlangte er Kultstatus, den er auch im wirklichen Leben geschickt auszuspielen wusste. Seine Millionengage für die Rolle des Joker in "Batman" (1989) ist noch heute legendär.
In den 80er-Jahren erklomm er mit Filmen wie "Zeit der Zärtlichkeit" (Oscar als bester Nebendarsteller) oder "Die Hexen von Eastwick", in dem er sein Markenzeichen - ein wahrhaft teuflisches Grinsen - besonders wirksam zum Einsatz bringen konnte, endgültig den Hollywood-Olymp. Allerdings musste er mit seiner "Chinatown"-Fortsetzung "Die Spur führt zurück - The Two Jakes" oder anspruchsvollen Filmen wie "Crossing Guard" und "Blood and Wine" auch absolute Flops an der Kinokasse hinnehmen. Trotzdem gelang dem inzwischen elffach oscar-nominierten Ausnahmemimen immer wieder der Drahtseilakt zwischen engagierter Filmkunst und kommerziellen Großproduktionen wie "Eine Frage der Ehre" oder "Mars Attacks!".
Seinen dritten Oscar erhielt Nicholson 1998 für "Besser geht's nicht", doch schickt er sich auch weiterhin an, diesen Titel im zunehmenden Alter Lügen zu strafen: Auf die Verfilmung von Friedrich Dürrenmatts "Das Versprechen", in dem er die Rolle als seelisch zerrütteter Ex-Polizist übernahm, die Heinz Rühmann 1958 inne hatte ("Es geschah am hellichten Tag"), folgte mit "About Schmidt" ein brilliantes Alterswerk, in dem Nicholson fern jeglicher Eitelkeit als pensionierter und verwitweter Spießer versucht, die Hochzeit seiner Tochter zu verhindern. Lautere Töne schlug Nicholson wieder in der Komödie "Die Wutprobe" an, in der er sich als durchgedrehter Psychiater auf der anderen Seite des Kuckucksnestes befindet und seinem harmlosen Patienten Dave (Adam Sandler) gandenlos zusetzt.
Die Komödie "Was das Herz begehrt" entwickelt sich erst, nachdem der ausgefuchste, aber unwiderstehliche Alt-Playboy Harry eine Herzattacke erleidet und unter Ericas (Diane Keaton) Obhut gerät. Nicholson im Duo mit Keaton als herrlich komödiantisches Paar drehen einmal den Spieß um und beweisen, dass sich ältere Männer durchaus mit älteren Damen schmücken können. Nach drei Jahren Pause holte ihn 2006 Regisseur Martin Scorsese in "Departed: Unter Feinden" wieder vor die Kamera. Als ruchloser Mafiaboss Costello wird er von Undercover-Agent Billy (Leonardo DiCaprio) bespitzelt. Gleichzeitig schleust sich der junge Kriminelle Colin (Matt Damon) im Auftrag Costellos ins Hauptquartier der Bostoner Polizei ein. Der neue Thriller ist ein Remake des vor vier Jahren erschienenen Hongkong-Films "Infernal Affairs".
Privat erlebte Jack Nicholson seinen eigenen Thriller, als er mit 35 Jahren erfahren musste, dass seine "Schwester" in Wahrheit seine Mutter ist. Seine bisher geglaubte Mutter war seine Großmutter.
Jack Nicholson ist bester Schauspieler aller Zeiten
Die Leser von Englands zweitwichtigster Filmzeitschrift "Total Film" haben Jack Nicholson für seine überragende Leistung in "Einer flog über das Kuckucksnest" zum besten Schauspieler aller Zeiten gewählt.
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Hat einen Grund mehr zufrieden zu Lächeln: Jack Nicholson (Foto: Kurt Krieger)
Fieses Grinsen schlägt flinke Fäuste: Die Rolle als Simulant mit kriminellem Hintergrund brachte Jack Nicholson einen Oscar ein und jetzt auch den Ritterschlag der Leser von Englands renommierter Filmzeitschrift "Total Film".
Jack setzte sich in der Kategorie "Beste schauspielerische Leistung aller Zeiten" mit seiner Darbietung des R.P. McMurphy in Stanley Kubricks Irrenhausklassiker "Einer flog über das Kuckucksnest" gegen hochkarätige Schauspielkollegen durch.
Das Werk um einen Kriminellen, der vorgibt psychisch krank zu sein, um dadurch seine Strafe statt im Knast in der Klapsmühle abzusitzen, räumte insgesamt fünf Goldjungs ab. Jetzt kann sich Nicholson Jahre später über diese besondere Auszeichnung der Filmfans freuen.
Nicholson hat die Nase vor DeNiro und Day-Lewis
Damit verwies Charaktermime Nicholson weitere exzellente Method Actors auf die Plätze. Robert De Niro schickte er für dessen Darstellung des Boxers Jake LaMotta in Martin Scorseses Meisterwerk "Wie ein wilder Stier" genauso auf die Bretter wie Daniel Day-Lewis für "There Will Be Blood", die trotzdem mit dem Vizetitel (De Niro) bzw. Rang 3 (Day-Lewis) zufrieden sein dürften.
Die Top 5 komplettieren Al Pacino für seine brutale Vorstellung des Michael Corleone in "Der Pate II" und Emily Watson für ihre Rolle als Bess McNeill im bewegenden Drama "Breaking the Waves". Sein Platz an der Sonne in der Lesergunst für "Einer flog über das Kuckucksnest" dürfte Jack Nicholson wieder ein fettes fieses Lächeln beschert haben.