In "Fair Game" greift Doug Liman die wahre Geschichte der ehemaligen CIA-Agentin Valerie Plame und deren skandalöse Enttarnung auf und punktet mit Starbesetzung von Naomi Watts und Sean Penn.
Mussten Sie bei dem brisanten Thema lange auf grünes Licht warten?
Wir haben das Projekt River Road Entertainment vorgeschlagen, und die Zusage kam umgehend. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Film bei langer Warterei überhaupt realisiert hätte. Produzent William Pohlad erhielt damals zahlreiche Drehbücher über Politik und die Bush-Administration und meinte, "Fair Game" sei das einzige gewesen, das sich auf Menschen konzentriere und deshalb auch noch in 100 Jahren relevant wäre. Dass dann die Schauspieler meiner Wahl einwilligten, ist das absolute Sahnehäubchen auf dem Kuchen.
Wie haben Sie Naomi Watts und Sean Penn überzeugt?
Nur durch das gute Drehbuch von Jez Butterworth und seinem Bruder John-Henry. Sie kannten Naomi und riefen sie an. Nach einem Tag hatte sie das Buch gelesen, und wir machten sofort einen Termin aus. Bei Sean Penn platzte ich mit meiner Anfrage für einen Low-Budget-Independent-Film mitten in die Phase vor der Oscar-Verleihung 2009, aber auch er kam schnell an Bord.
Naomi Watts und Sean Penn als Botschafter-Paar, das Opfer einer politischen Intrige wird
Was haben Sie von der wahren Geschichte 2003 mitbekommen?
So viel wie jeder Durchschnittsamerikaner, der Nachrichten guckt und Zeitungen liest. Erst als das Projekt in meine Hände geriet, habe ich mich intensiver damit beschäftigt und war von den Socken.
Wo lag der besondere Reiz?
Ich liebe Spione. Aber hier geht es um die wirklichen "Mr. & Mrs. Smith", um individuelle Zivilcourage, darum, dass jemand den Mund aufmacht und sich nicht scheut, den Präsidenten anzugreifen, der das Volk nach Strich und Faden belogen hat und seine Machtposition schamlos ausnutzte. Ich nehme keine Stellung zum Irak-Krieg, sondern feiere den Mut von Valerie Plame und Joseph Wilson. Egal ob man rechts oder links ist, Demokrat oder Republikaner, man sollte diesen Kämpfern für Gerechtigkeit Achtung entgegenbringen. Niemand spricht über Spione wie Valerie, die unbemerkt von den Medien arbeiten, in den gefährlichsten Situationen auf sich gestellt sind und für unsere Sicherheit ihr Leben riskieren. Und das alles bei schlechter Bezahlung und unter dem ständigen psychischen Druck, dass ihr Doppelleben auffliegt. Sie war ein NOC (non-official cover), so etwas wie ein James Bond der CIA, nur weniger spektakulär.
Die Rolle des Joseph Wilson hat Sean Penn sicher viel Freude bereitet - schließlich gilt der Star selbst als außerordentlich unbequem und politisch couragiert
Wie hat sich Naomi Watts auf die Rolle vorbereitet?
Naomi brachte viel von Valeries Qualitäten ein, aber es fehlte irgendein Quäntchen. In Panik rief ich den Produzenten an, und wir schickten sie für zwei Tage in ein Trainingslager für Geheimagenten, wo sie bis zur Erschöpfung rennen, Schießübungen machen und in einem dunklen Raum Selbstverteidigung lernen musste. Sogar mit Dynamit konnte sie dann umgehen. Nach diesem Kurs wirkte sie sehr verändert, viel taffer.
Warum drehten Sie im gefährlichen Bagdad und nicht wie viele Ihrer Kollegen in Jordanien?
Mir kam es auf die winzigsten Details an, und in Außenaufnahmen mussten wir das wahre Bagdad zeigen, nicht ein Fake. Während der zwei Tage habe ich trotz schusssicherer Westen ständig vor Angst gezittert. Auch wenn das Einheimischen-Team mich zu beruhigen versuchte, dachte ich immer daran, was mir passieren könnte. Außerdem standen wir unter Zeitstress. Ein falscher Take konnte nicht wiederholt werden.
In welcher Form haben Sie mit den wahren Protagonisten zusammengearbeitet?
Natürlich stützen wir uns auf Valerie Plames Memoiren und Joseph Wilsons Buch, beide versorgten uns mit nützlichen Tipps und besuchten uns am Set, redeten uns aber nie rein. Sean Penn hat viel Zeit mit Joseph Wilson verbracht und sich alles haarklein berichten lassen, um dann tief in die Figur zu kriechen. Mit der genauen Recherche, der Authentizität und der Nachprüfbarkeit von Fakten steht und fällt die Glaubwürdigkeit des Films. Wir haben sogar mit anderen Spionen gesprochen. Ich erzähle die Geschichte aus der Sicht dieses ungewöhnlichen Paares, für mich der ehrlichste Weg und eine Möglichkeit, einiges in der Öffentlichkeit wieder zurechtzurücken und in Ordnung zu bringen. mk