Leidenschaft und Courage, Romantik und vollblütige Emotionalität kennzeichnen den darstellerischen Stil von Helena Bonham Carter. Wegen ihres anfangs püppchenhaft wirkenden Gesichtes wurde sie gern in Kostüm- und Historienfilmen sowie Literaturverfilmungen eingesetzt und war eine Zeit lang die ewige Miss Honeychurch aus James Ivorys Welterfolg "Zimmer mit Aussicht", ein junges englisches Mädchen, das sich auf Bildungsurlaub in Florenz verliebt.
Tatsächlich war Bonham Carter, geboren 1966 in London, seit sie in "Lady Jane - Königin für 9 Tage" die dritte Frau Heinrichs VIII. spielte, vornehmlich in Reifrock und Korsett zu sehen ("Engel und Narren", als Ophelia in Zeffirellis "Hamlet", "Franziskus"). Ihre besten Leistungen zeigte sie in Kenneth Branaghs "Frankenstein" als Braut des Wissenschaftlers und in "Wiedersehen in Howards End" (wieder ein Ivory-Film), wo sie Emma Thompsons jüngere Schwester spielte. Mit der Henry-James-Verfilmung "Die Flügel der Taube", wo sie als Kate ihren Geliebten in Venedig auf eine reiche amerikanische Erbin ansetzt, aber das Spiel der Manipulatorin verliert, präsentierte sich Bonham Carter als merklich gereifte, starke Persönlichkeit, die die jungen wilden Viktorianer hinter sich gelassen hat.
Von Woody Allens "Geliebte Aphrodite" an, wo sie die Frau des Sportjournalisten war, trat Bonham Carter vermehrt in zeitgenössischen Rollen auf, so als Behinderte in "Vom Fliegen und anderen Träumen", als Punk in "Fight Club" und als drogensüchtige Zahnarztpatientin in der Thrillerfarce "Novocaine". Folgenreich war aber vor allem ihre Begegnung mit Regisseur Tim Burton, für den sie im "Planet der Affen"-Remake als aufgeweckte Äffin vor der Kamera stand: Seit 2001 ist Bonham Carter, die von 1995-2000 mit dem Regisseur und Schauspieler Kenneth Branagh zusammenlebte, mit Burton liiert, hat einen gemeinsamen Sohn mit ihm und gehört nun zum Stammpersonal seiner Filme ("Big Fish", "Charlie und die Schokoladenfabrik").
Helena Bonham Carter ist zum Heiraten zu faul
Zu einer Hochzeit mit Tim Burton kann sich Helena Bonham Carter nicht aufraffen. Warum? Aus demselben Grund, warum sie sieben Filme mit ihm drehte: Faulheit.
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Verheiratete Häuser: "Dark Shadows"-Regisseur Tim Burton mit Helena Bonham Carter (Foto: Kurt Krieger)
Sie sind seit elf Jahren ein Paar, haben zwei gemeinsame Kinder und sieben Filme zusammen gedreht, zuletzt die Horror-Komödie "Dark Shadows". Eine Ehe zwischen Helena Bonham Carter und Tim Burton kommt trotzdem nicht zustande.
Der Regisseur und seine Lieblingsbesetzung (neben Johnny Depp) leben sogar in getrennten Haushalten. Das soll aber nicht heißen, dass sie es mit ihrer Beziehung nicht ernst meinten, sagt Helena Bonham Carter: "Wir sind nicht verheiratet, weil ... weil ich zu faul bin. Unsere Häuser sind verheiratet, das reicht doch. Man braucht seinen Freiraum."
Drehgemeinschaft als Rezept gegen Stress
Immerhin sieht man sich ja oft genug bei der Arbeit und dort passt Bonham Carter dann auf, dass sich Herzblatt Tim Burton nicht übernimmt: "Er ist unheimlich gestresst, wie jeder Regisseur. Es geht ja auch immer alles schief, was schiefgehen kann. Wäre ich nicht bei ihm am Set, dann würde ich mich ständig sorgen, dass er sich in weniger als sechs Monaten umbringt.
Tatsächlich haben die vielen gemeinsamen Filme aber auch einen handfesten und praktischen Grund: Begeisterung und Bequemlichkeit. "Ich liebe es, Tim bei der Arbeit zuzusehen. Er ist ein Genie. Außerdem habe ich zwei Kinder mit dem Mann. Warum sollte ich auf der anderen Seite des Globus Filme drehen, das wäre doch unpraktisch."
Tim Burtons "Dark Shadows", neben Johnny Depp und Helena Bonham Carter auch mit Eva Green und Michelle Pfeiffer besetzt, startet am 10. Mai in unseren Kinos.