Deutscher Schauspieler. Sohn eines Besatzungssoldaten und Stammschauspieler in Filmen von Rainer Werner Fassbinder (von "Whity" bis "Berlin... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max11/kuk11/kuk30/u1130051/b150x150.jpg Günther Kaufmann

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Günther Kaufmann


  • Geburtstag
    16.06.1947
  • Geburtsort
    München

Deutscher Schauspieler. Sohn eines Besatzungssoldaten und Stammschauspieler in Filmen von Rainer Werner Fassbinder (von "Whity" bis "Berlin Alexanderplatz"). In Nebenrollen präsent als Typ, der wegen seiner massigen Statur unverkennbar bleibt, sorgte Günther Kaufmann für einen der spektakulären Kriminalfälle Deutschlands. Verhaftet wegen eines Mordes, den er gestanden aber nicht begangen hatte, saß er 33 Monate unschuldig im Gefängnis und wurde 2005 freigesprochen. Seitdem arbeitet Kaufmann wieder regelmäßig als Schauspieler, so als lustiger böser Wikinger "Der schreckliche Sven" in Michael Bully Herbigs Real-Verfilmung der TV-Zeichentrick-Serie "Wickie und die starken Männer" (2009) und deren Fortsetzung "Wickie auf großer Fahrt" (2011; in 3D). Er ist 2011 ebenfalls als DW Court in Adnan Köses Musik-Romanze "Homies", und als Betrüger in Köses Krimi-Drama "Kleine Morde" zu sehen.

Günther Kaufmann wurde 1947 im Münchner Stadtteil Schwabing als Sohn einer Deutschen und eines schwarzen amerikanischen Besatzungssoldaten geboren. Er zog mit der Mutter ins Viertel Hasenbergl, machte eine Lehre, leistete seinen Wehrdienst ab und arbeitete in einer Drückerkolonne. Von Rainer Werner Fassbinder, der ihn zur Schauspielerei überredete, entdeckt und in seine "Factory" aufgenommen, war Kaufmann zwischen 1970 und 1982 Stammschauspieler in Nebenrollen in 15 Filmen von Fassbinder. In RWFs Südstaatenmelodram "Whity" (1971), das in Spanien in Almeria gedreht wurde, spielte er die Hauptrolle des ausgebeuteten Dieners auf einer Plantage. Fassbinder-Schauspieler zu sein war zu der Zeit eine Auszeichnung, brachte ihm Rollen bei Hans Jürgen Syberberg ("Ludwig"), Peter Zadek ("Die wilden Fünfziger"), Wolf Gremm ("Kamikaze 1989"), in "Heute spielen wir den Boss" (einzige Regiearbeit von Komponist Peer Raben) und als US-Soldat in "Otto - Der Film" (1985).

Nach Fassbinders Tod nahm die Zahl der Engagements ab. Kaufmann spielte in den Serien "Derrick", "Der Alte", im Pilotfilm der "Küstenwache" (1997) sowie in den Serien "Es muss nicht immer Kaviar sein" (1977) und "Ein Schloss am Wörthersee" (1991). 1986 zog er mit seiner zweiten Frau Alexandra an die Algarve. Als sie an Krebs erkrankte, brauchten Medikamente und Therapien die finanziellen Mittel auf. In dieser Situation wurde Kaufmann 2001 wegen Mord an seinem Steuerberater, der Geliebter seiner Frau war, verhaftet und 2002 wegen "schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge" zu 15 Jahren Haft verurteilt. Mit dem Geständnis wollte Kaufmann seine abgöttisch geliebte Frau schützen, die drei Mittäter zu der Tat angestiftet hatte. Nach Alexandras Tod wurden die wirklichen Täter gefasst und verurteilt, Kaufmann wiederrief sein Geständnis und erreichte eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Nach 33 Monaten in Haft wurde er vom Landgericht Augsburg 2005 freigesprochen. 2006 wurde er wegen Falschaussage zu einer Geldstrafe verurteilt.

Nach seiner Freilassung arbeitete Kaufmann zunächst als Theaterschauspieler in Bremen ("Die zehn Gebote"), München (Musical "Robin Hood") und Berlin, bevor er 2007 als Vater des jungen Leroy in der Anti-Rassismus-Komödie "Leroy" wieder in einem Spielfilm mitwirkte. Es folgten Rollen als Busfahrer in der Weihnachtskomödie "Meine schöne Bescherung" (2007, mit Martina Gedeck), als Mafiapate Salvatore in "Mord ist mein Geschäft, Liebling" (2009) und als Gauner Joe Brandenburg in "Jerry Cotton" (2010). 2009 war Kaufmann in 16 Folgen des RTL-Dschungelcamps "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" zu sehen.

2005 veröffentlichte Kaufmann seine Autobiografie "Der weiße Neger vom Hasenbergl" (Diana Verlag, München), in der er hauptsächlich den Kriminalfall aufarbeitet.

Kaufmann hat einen Sohn (1969) und eine Tochter (1970) aus erster Ehe. Von 2006-2010 war er mit der Bremer Kellnerin Patrizia verheiratet. Seit 2010 lebt er in Berlin.

  • Geburtstag
    16.06.1947
  • Geburtsort
    München
  • Geburtsland
    Deutschland

Die Lust an der Perfektion

Er hat nicht nur bereits ein Gespenst ("Hui Buh") gespielt, Michael Bully Herbig ist auch ein Phantom: Zwischen zwei Filmen sieht und hört man nur wenig von Deutschlands erfolgreichstem Filmemacher. Für kino.de nahm sich Bully Zeit für eines seiner ausführlichsten Interviews - ein "Making of" seiner Karriere ...

Großansicht "König Midas" Michael Bully Herbig realisiert nur Projekte, die ihn berühren. Und die Projekte, die er berührt, werden jedes Mal zu Gold. (Foto: Constantin)

"König Midas" Michael Bully Herbig realisiert nur Projekte, die ihn berühren. Und die Projekte, die er berührt, werden jedes Mal zu Gold. (Foto: Constantin)

» Glückwunsch zu über vier Millionen "Wickie"-Besuchern. Damit hat jeder Ihrer fünf Filme die Millionengrenze geknackt. Das hat noch kein deutscher Regisseur geschafft ...

MICHAEL BULLY HERBIG: Besten Dank. Und noch musste ich mich nicht für "Wickie" entschuldigen. "Lissi" hatte zweieinhalb Millionen. Jeder andere springt da vor Freude in die Luft und ich wurde gefragt, ob ich enttäuscht sei. Dabei ist es ein weiter Weg, erst mal eine Million Zuschauer ins Kino zu bekommen.

» 21 Millionen Zuschauer für "Der Schuh des Manitu" und "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" sind natürlich eine Hypothek. Aber doch eine, mit der es sich bestens leben lässt?

MICHAEL BULLY HERBIG: Wenn einer 1974 Fußballweltmeister war, dann bleibt er das bis zum Ende seiner Tage. Der Kaiser ist heute noch Weltmeister. Mit dem "Schuh des Manitu" fühlt sich das ein bisschen so an - Du hast da so einen tollen Erfolg gehabt, und der wird in 100 Jahren immer noch in den Bestsellerlisten stehen. Das macht gelassener, ich muß nicht auf Biegen und Brechen über Zuschauermillionen nachdenken.

» Wenn Sie Projekte prüfen, spielt da die potentielle Reaktion des Publikums eine Rolle oder entscheidet allein Ihr persönlicher Blick?

MICHAEL BULLY HERBIG: Es ist die eigene Lust, die sich sofort zeigen muss. Ich habe festgestellt, dass die realisierten Projekte immer die sind, bei denen man von vorneherein gesagt hat: "Wow, das klingt gut und spannend." Ich muß mich darin zuhause fühlen lange bevor ich ans Publikum denke.

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» Wieviel Zeit haben Sie mit "Wickie" verbracht?

MICHAEL BULLY HERBIG: 2004 kam Christian Becker mit dem Projekt zu mir. Er hat zusammen mit der Constantin die Rechte erworben und ich habe gleich gesagt: "Das ist ein Knaller!" und mich geärgert, dass ich nicht selbst drauf gekommen bin. An dem Projekt gearbeitet habe ich etwa zweieinhalb Jahre. Mit dem einen, dem richtigen Thema verbringe ich gerne viel Zeit. Ich kenne Kollegen, die drehen drei Filme im Jahr - ich weiß wirklich nicht, wie die das machen. Vielleicht bin ich zu langsam?

» Oder zu perfektionistisch?

MICHAEL BULLY HERBIG: Möglich. Es fällt mir schon wahnsinnig schwer, Dinge anderen in die Hand zu geben und zu sagen: Jetzt macht ihr mal die Tonmischung, ich hör mir das in fünf Wochen an. Es liegt in der Natur der Sache, dass Du Dinge abgeben musst, wenn du fünf oder mehr Projekte im Jahr durchziehst. Aber wenn ich eines gelernt habe in den letzten 20 Jahren, dann: Soll es wirklich Deinen Vorstellungen entsprechen, dann musst Du alles selber machen. Das ist so, da kannst Du Dich auf den Kopf stellen. Dafür verzichte ich gerne auf Masse.

» Wie schwierig ist denn das Zusammenarbeiten mit dem Perfektionisten Bully Herbig?

MICHAEL BULLY HERBIG: Manchmal wird mir der Vorwurf gemacht, ich sei zu nett. Das verstehe ich nicht ganz, weil ich gerne mit netten Menschen zu tun habe. Das ist meine Grundhaltung: Ich bin gerne dort, wo eine angenehme Atmosphäre herrscht und bilde mir ein, Antennen dafür zu haben. Ich will Dinge aussprechen können, ohne gleich ein Kopfschütteln dafür zu ernten. Das ist auch sehr wichtig in kleineren Besprechungsrunden, in denen es auf Kreativität ankommt. Wenn man Ideen aussprechen kann, die im ersten Moment vielleicht völlig idiotisch klingen, hat das viel mit Vertrauen zu tun. Aber dieses "Ping-Pong", das daraus entsteht, diesen kreativen Prozess mag ich unheimlich gern. In einer solchen Atmosphäre arbeite ich gerne und die versuche ich auch selbst zu erzeugen.

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» Das schwierigste Genre von allen, die Komödie, können Sie ja jetzt - wann zeigen Sie es Ihrem Vorbild Alfred Hitchcock und setzen auf Suspense?

MICHAEL BULLY HERBIG: Große Lust, mal einen Thriller zu machen, habe ich schon. Aber ich weiß nicht, ob ich ein guter Thriller-Autor bin. Bisher habe ich das alles immer selber geschrieben oder mitgeschrieben. Vorsichtig ausgedrückt: Ich kriege eine Menge Drehbücher auf den Tisch und stelle fest, dass sich die Themen komplett gedreht haben. Früher waren in der Regel zehn von zehn Büchern Komödien. Heute sind es nur noch zwei. Der Rest ist alles mögliche andere von Action über Thriller bis ... ich wage "Arthaus" kaum zu sagen, weil ich die Branche nicht verängstigen will.

» Sie haben einen entspannten Umgang mit Ihrem Publikum und laden es sehr früh zu Ihren Projekten ein. Durch Abstimmung über den Stoff oder via Castingshow. Gibt es clevere Marketingleute in Ihrem Team, die das Thema lange vor und nach dem Filmstart treiben?

MICHAEL BULLY HERBIG: Ich bin kein Marketingprofi und so ein Team gibt es auch nicht. Der eine oder andere Marketingstratege mag schon sagen: Genialer Schachzug, von vorne bis hinten durchdacht. Mit der Castingshow war es aber so, dass der Wunsch nach neuen Gesichtern oberste Priorität hatte. In den Agentur-Mappen waren die richtigen nicht dabei. Auf der Straße haben wir sie auch nicht gefunden. Erst danach kam mir der Gedanke, das mit der Show zu machen. Und ich habe mich Anfangs bei dem Gedanken auch nicht wohlgefühlt, was mit meiner Wahrnehmung von Castingshows zu tun hat. Dabei wurde beim Film und am Theater ja immer schon gecastet. Mir war von Anfang an wichtig, dass diese Castingshow dem Ziel dient, den Film zu besetzen: Die Leute, die ich da suche, die brauche ich wirklich.

» Als Günther Kaufmann in der Show um eine Rolle kämpfte, sah es so aus, als würden Ihnen tatsächlich die Worte fehlen ...

MICHAEL BULLY HERBIG: Günther Kaufmanns Mumm ist wirklich beeindruckend. Er ist wie jeder andere zuerst zu einem der öffentlichen Castings gegangen. Klar, er hat Höhen und Tiefen erlebt, und zu den Höhen zählt immerhin Fassbinder. Ihre Einschätzung ist schon richtig: Als er dann bei der Show auftrat, dachte ich mir: "Mein lieber Schwan, jetzt steht der da und ist sich nicht zu fein dafür, hier vorzusprechen." Für die Show war das ein Riesenglücksfall, für den Film aber noch ein noch viel größerer.

Großansicht "Der hat Mumm!" Günther Kaufmann ("Der schreckliche Sven") kämpfte sich durchs Casting - und erwies sich als Besetzungscoup (Foto: Constantin)

"Der hat Mumm!" Günther Kaufmann ("Der schreckliche Sven") kämpfte sich durchs Casting - und erwies sich als Besetzungscoup (Foto: Constantin)

» Es hat sich als Besetzungscoup gezeigt ...

MICHAEL BULLY HERBIG: Absolut. Obwohl er sich ja eigentlich als Faxe beworben hat. Ich dachte: "Das kriegen wir nicht hin. Ich sag' vorher an, dass wir hier die perfekte Besetzung suchen und dann steht hier der Günther Kaufmann, der so ganz anders aussieht als der Faxe." Aber mit dem Schrecklichen Sven hat das fantastisch funktioniert. Ich bin mehrfach gefragt worden, ob das nicht eine Fake-Nummer war - das war es definitiv nicht!

» Es ist aber schon schräg, dass die Besetzung eines Filmes selbst zum Unterhaltungsformat gerät ...

MICHAEL BULLY HERBIG: Ich habe noch nie so viel positives und rührendes Feedback auf eine Fernsehshow bekommen wie auf "Bully sucht die starken Männer". Natürlich soll eine TV-Show unterhaltsam sein und man muß sie spannend halten. Wir hatten es ja auch mit erwachsenen Kerlen und nicht mit heulenden Teenagern zu tun. Das heißt nicht, dass man mit jüngeren Menschen weniger respektvoll umgehen sollte - manchmal würde man sich das ja wünschen. Unsere emotionale Regung, die wir auslösen wollten, war Comedy. Mit dem Ziel, die Starken Männer zu finden. Anderswo sind es Mitleid, Schadenfreude oder das Gaffersyndrom.

» Man kann Ihnen bescheinigen, dass das Timing immer stimmt - um die Filme herum, aber natürlich auch darin. War die "bullyparade" mit ihren kurzen Sketchen die notwendige Schule?

MICHAEL BULLY HERBIG: Absolut. Und davor schon die Radiojobs. Dort hast Du ja noch weniger Zeit und musst Du mit dem arbeiten, was Du gerade vor die Füße geknallt bekommst. Ob das nun ein Anruf ist oder tagesaktuelle Nachrichten. Das hat alles mit Timing zu tun. Und wenn man mal über 1.000 Sketche gemacht hat, kann man ganz gut einschätzen, wo eine Pointe funktioniert.

Teil 2: Michael Bully Herbig über die Ängste eines Filmemachers, schlaflose Nächte auf Malta, seine Lieblingsfilme - und Barbapapa!


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