Ihr Name klingt wie eine italienische Oper, sie ist als Dame von Welt, elegante Verführerin und erotische Erfüllung der Blickfang in knisternden Thrillern, Melodramen und Kostümfilmen und bringt immer einen Unterton verruchter Sinnlichkeit in ihre Rollen ein. In Liebesbeziehungen ist sie der dominante und klügere Partner, so in ihrem bekanntesten Film, dem Welterfolg "Salz auf unserer Haut" (1992).
Die schöne Engländerin Greta Scacchi spielte in den 80er- und 90er-Jahren seit ihrem Durchbruch mit "A Man in Love" und "Die letzten Tage von Kenya" (beide 1987) in europäischen, australischen und amerikanischen Produktionen vor allem reife Frauen mit selbstbestimmter Sexualität, die mit widersprüchlichen Gefühlen zu kämpfen haben, die nach Freiheit und physischem Verlangen suchen und mit hohen Erwartungen auf Männer zugehen. Dabei erleben sie häufig Frustrationen und geraten in Situationen, in denen ihre Bildung und Attraktivität an Grenzen stoßen, weil ihre Liaisons trotz intensiver Körperlichkeit in der Liebe unerfüllt bleiben, die Partner sich ihnen nicht gewachsen zeigen. Beispiele sind die Männer der drei Schwestern in Margarethe von Trottas "Fürchten und lieben" (1987), Peter Coyote in "A Man in Love", der als Drehbuchautor hinter der geliebten Schauspielerin zurückbleibt, Nick Nolte als französischer Botschafter in "Jefferson in Paris", der am Hofe Ludwig XIV. auf die englische Malerin und Musikerin Maria Cosway trifft (ihr authentischer Briefwechsel bildet die Basis des Films), oder Albert Finney, der in "Schrei in die Vergangenheit" von seiner Frau betrogen wird. Harrison Ford ruft in dem Thriller "Aus Mangel an Beweisen" durch Taktieren als Anwalt die Zweifel seiner Gattin hervor; der ältere Joss Ackland muss erleben, wie ihn seine junge Frau in "Die letzten Tage von Kenya" betrügt. In Wolfgang Petersens "Tod im Spiegel" glaubt Tom Berenger, seine Frau hätte einen Mordanschlag auf ihn arrangiert.
In mehreren Filmen ist Scacchi die ältere erfahrene Frau, die mit einem jüngeren eine Affäre eingeht ("Young Distance"). In Kostümfilmen hält sie als englische Adelige Hof und liebt einen Landschaftsmaler ("Der Schlangenkuss" mit Ewan McGregor), ist Gutsbesitzerin in Indien ("Cotton Mary") oder hält in "Die rote Violine" einen jungen Teufelsgeiger aus, dessen kostbares Instrument sie zerschießt, als sie ihn mit zwei Frauen erwischt.
Seit Mitte der 90er-Jahre spielt Scacchi vermehrt in TV Movies (als Zarin in "Rasputin", als Penelope in "Abenteuer des Odysseus"). Scacchis größter Erfolg wurde das nach dem Bestseller von Benoite Groult entstandene Melodram "Salz auf unserer Haut", in dem sie als kratzbürstige versnobte britische Intellektuelle in Paris eine sich über dreißig Jahre hinziehende Liebe zu einem rauen Fischer (Vincent D'Onofrio) pflegt. D'Onofrio war von 1991-93 Scacchis Ehemann und ist der Vater ihrer Tochter Emilia. Scacchi selbst wurde 1960 in Mailand als Tochter einer englischen Tänzerin und eines italienischen Malers und Kunsthändlers geboren, lebte seit 1975 in Australien und begann dort Mitte der 80er-Jahre ihre Filmkarriere ("The Coca Cola Kid"), nachdem sie ihr eigentliches Debüt in Dominik Grafs Thriller "Das zweite Gesicht" (1982) gegeben hatte.
Wirbel um Madonnas neuen Film
Am Freitag ist es endlich soweit: Nach langem Hin und Her startet in den USA "Swept Away", der neue Film von Pop-Diva Madonna, unter der Regie ihres Gatten Guy Ritchie.
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Friede, Freude, Sandkuchen?
"Swept Away" sorgt für Gesprächsstoff
Jetzt wurde bekannt, dass die beiden nicht nur die vernichtenden Kritiken nach den ersten Previews verdauen mussten, sondern sich dazu mit einer millionenschweren Klage herumschlagen dürfen.
Vincent D'Onofrio hatte nämlich schon 1996 die Idee, ein Remake des 74er Originals von Regisseurin Lina Wertmüller zu drehen. Er überredete Wertmüller sogar dazu, erneut Regie zu führen - wenn Madonna die Hauptrolle übernimmt. D'Onofrio schrieb an Madonnas Agenten, hörte aber nichts - bis er Jahre später entsetzt feststellte, dass Madonna eben dieses Projekt mit Guy Ritchie plante.
Ritchie versucht nun, den geschassten Ideengeber mit einer Erwähnung im Abspann als Ausführender Produzent zu besänftigen. Doch der hat immer noch rechtliche Schritte im Sinn.
Jeanne Tripplehorn und Madonna als Luxus-Frauchen
Queen of Flop?
Dabei ist die ganze Aufregung höchstwahrscheinlich umsonst: "Swept Away" gilt als heißester Kandidat auf den Flop des Jahres. Die Reaktionen der Preview-Besucher waren so vernichtend, dass Madonna den Release des Juwels stoppte und ihren Gatten so lang nervte, bis der den Film massiv überarbeiten ließ.
Lange munkelten Insider von einer Videopremiere, aber dann entschlossen sich die Macher doch zum Kinostart. Und Madonna schrieb gar einen offenen Brief an ihre Fans, sich den Film doch bitte, bitte anzusehen.
Mit Guy Ritchie (3.v.l.) am Set
Salz auf meinem Kroko-Täschchen
Schon die Story von "Swept Away" ist mächtig revolutionär: Reiches Gör zickt bei armem Fischer erst rum und verliebt sich dann. Den Seemann mimt Adriano Giannini, der Sohn des "Originals" Giancarlo Giannini.
Kläger D'Onofrio erlangte übrigens selbst als Fischer Weltruhm: Er spielte in "Salz auf unserer Haut" neben Greta Scacchi den Bretonen Gauvain.
"Wir sitzen doch im selben Boot!" -
"Ja, leider..."
Urlaub im November
Hierzulande kann man sich ab dem 14.11. überzeugen, ob der ganze Rummel nur ein geschickter Promotion-Schachzug war, oder ob "Swept Away" tatsächlich so schlecht ist, wie der Mariannengraben tief.