Im Zuge des großen Rock-Revivals in den Neunzigern kamen drei Frühzwanziger aus Kalifornien zu unerwarteter Popularität. Mit klassischem Drei-Akkorde-Punk verkauften Green Day weltweit Millionen von Platten und hielten sich in den folgenden Jahren wacker in der Rock-Oberliga.
Gerade mal 14 Jahre alt gründeten der Gitarrist und Sänger Billie Joe Armstrong und der Bassist Mike Pritchard, alias Mike Dirnt, Ende der Achtziger ihre erste Band Sweet Children im kalifornischen Rodeo. Das Trio vervollständigte der Schlagzeuger Al Sobrante. Schon bald änderte die Gruppe ihren Namen in Green Day und veröffentlichte 1989 ihre erste EP "1000 Hours" im Eigenvertrieb. Green Day überzeugte darauf mit klassischem Punk-Rock, der stark von den Punkbands der siebziger Jahre beeinflusst war, locker mit drei Akkorden auskam und überaus eingängige Melodien bot. Die EP wurde von der kalifornischen Punk-Szene begeistert aufgenommen und bescherte der Band neben einem exzellenten Ruf auch bald ihren ersten Plattenvertrag beim Indie-Label Lookout.
Nur wenige Monate später erschien dort das Debütalbum "1,039/Smoothed Out Slappy Hour", mit dem die Band ihre Anhängerschaft und ihre Popularität weiter kräftig ausbaute. Nachdem Sobrante die Gruppe verlassen hatte, übernahm Frank Edwin Wright III, alias Tre Cool, den Posten am Schlagzeug, den er bis heute innehält. Auf ausgedehnten Konzertreisen versammelten Green Day während der nächsten Jahre stetig neue begeisterte Anhänger um sich, die mit "Kerplunk" 1992 schließlich ein neues Album der Band serviert bekamen. Die Platte wurde ein Underground-Hit und erweckte rasch das Interesse zahlreicher Major-Plattenfirmen. Den Zuschlag erhielt schließlich Reprise Records, bei der die Band 1994 ihr Major-Debüt "Dookie" veröffentliche.
Die Platte sollte über Nacht den ganz großen Durchbruch bringen: Im Fahrwasser der durch den Grunge ausgelösten neuen Gitarrenrockbegeisterung und mit kräftiger Unterstützung von MTV stürmte die CD an die Spitze der amerikanischen Rock-Charts und verkaufte in der Folge weltweit über zehn Mio. Einheiten. Die Platte brachte mit Energie geladenen Songs wie "Basket Case", "Longview" oder dem kolossalen "When I Come Around" gleich eine ganze Reihe von Hits hervor und machte das Trio über Nacht zu Superstars des Punkrock. Die Euphorie um die neuen Punk-Helden gipfelte in einem fulminanten Auftritt beim "Woodstock"-Revival-Konzert im Jahr 1994, bei dem Green Day von Zehntausenden begeisterter Zuschauer gefeiert wurden und in der Grammy-Verleihung 1994, bei der "Dookie" als bestes Alternative-Album prämiert wurde.
Green Day gönnten sich keine Pause und legten schon 1995 ihr viertes Album "Insomniac" nach. Die CD debütierte in den US-Charts auf Platz zwei, konnte aber mit rund zwei Millionen verkauften Einheiten nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen. Zumal sich Singles wie "Brain Stew/Jaded" zwar im Radio großer Beliebtheit erfreuten, insgesamt aber nicht die Verkaufszahlen der früheren Auskopplungen erreichten. 1996 forderte das hohe Veröffentlichungstempo, das die Band vorgelegt hatte, ihren Tribut, und Green Day mussten wegen Erschöpfung eine Europa-Tournee abbrechen. Die Band gönnte sich eine ausgedehnte Erholungspause und begann dann, Songs für das nächste Album zu schreiben.
"Nimrod" kam 1997 auf den Markt und überzeugte erneut mit starkem Songmaterial und erzielte respektable Verkaufszahlen. Dennoch blieb die Band immer noch vom Erfolgsniveau früher Tage deutlich entfernt. Auch das sechste Album "Warning" (2000) konnte die Spitze früherer Tage nicht wieder erreichen. In der Folge wurde es etwas ruhiger um die Band. Nach über zehn Jahren im Musikbusiness veröffentlichten Green Day 2001 mit "International Superhits" ihre erste Best-Of-Kopplung und schoben nur ein Jahr später mit "Shenanigans" eine Sammlung von B-Seiten und Rariäten nach. Diejenigen, die in der Veröffentlichung dieser Alben bereits Indizien für erschöpfte Kreativität und das baldige Ende der Band sahen, sollten zwei Jahre später eine Überraschung erleben.
Mit "American Idiot" meldeten sich Green Day im Jahr 2004 mit einem beeindruckend starken Album zurück. Das Trio präsentierte sich darauf von einer deutlich reiferen Seite. Immer öfter überschritten die Songs die zuvor übliche 3-Minuten-Grenze und überzeugten mit kompositorischer Stärke sowie brillianten musikalischen Ideen, die der Gruppe viele Kritiker nicht mehr zugetraut hatten. Songs wie "Boulevard Of Broken Dreams" oder "Holiday" sprengten den bislang gewohnten, recht engen Punk-Pop-Rahmen und überzeugten als handwerklich brilliant komponierte Rock-Songs, die mit gebündelter Energie und markanten Melodien beeindruckten. Für Green Day bedeutete die Platte ein fulminantes Comeback: Die internationalen Verkäufe kamen wieder in die Nähe des Durchbruch-Albums "Dookie", und in den Hitlisten war die Band plötzlich wieder ganz vorne zu finden. Bei der Echo-Verleihung 2004 wurden Green Day als beste internationale Band ausgezeichnet und machten damit endgültig klar, dass sie wieder zu den ganz Großen im Rock zu zählen waren.
"American Idiot" wurde vor allem in Deutschland zum Dauerbrenner. Die CD hielt sich über 60 Wochen in den Charts, wurde mit Doppelplatin verziert und rangierte bei der Jahresabrechnung auf Platz drei der erfolgreichsten Alben des Jahres 2005. Nachschub folgte im November 2005 mit der Live-CD/DVD "Bullet In A Bible", die auf Platz sieben in die Charts einstieg.