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Gottfried John

Gottfried John

Leben & Werk

Er überzeugte als Bösewicht gegen James Bond (“GoldenEye“), als Gutmensch (“Der Unhold”) oder als urkomischer römischer Imperator (“Asterix und Obelix gegen Cäsar”) ebenso wie wenn er als zerrissener Charakter, Außenseiter und sensibler Macho gefordert wurde. Gottfried John lässt sich auf keine Rolle festlegen und nimmt in TV-Talkshows durch seine rau-herzliche, ehrliche, neugierige und zurückhaltende Art ein, wenn er offenherzig bekennt: “Mutter nannte mich immer einen Kunst-Spießer.”

Der hünenhafte John mit der ebenso markanten Nase und einer Diktion, bei der die Worte gelegentlich zu stolpern scheinen, ist neben Hanna Schygulla der einzige Schauspieler aus dem Umfeld des Regiegenies Rainer Werner Fassbinder, dem eine (späte) internationale Karriere gelang. Für RWF seit den frühen Siebzigern tätig (als Malocher in “Acht Stunden sind kein Tag”, als Reporter in “Mutter Küsters Fahrt zum Himmel“), schaffte er in RWFs “Berlin Alexanderplatz” einen Kraftakt als Bandenchef Reinhold.

Am 29. August 1942 mitten im Zweiten Weltkrieg in Berlin als uneheliches Kind (“Mutter war ein gefallenes Mädchen”) geboren, führte er mit der Mama, die Hippie war, bevor es den Namen gab, ein Vagabundenleben und wohnte, von Polizei und Jugendamt verfolgt, zeitweise auf einem stillgelegten Kahn auf der Seine. Aus dem Heim und vor der dortigen Prügelpädagogik mehrfach ausgerissen, lernte er durch das Leben. Pflastermalerei und Lesen schärften seinen Geist, ein frühes Engagement am Berliner Schiller-Theater brachte ihn auf die Bühne, wo er als “langes Elend”, als resignierter und düpierter “Seelenstotterer” auffiel.

Das Schlaksige hat John nie abgelegt und sein scheinbar ungelenkes Spiel trug wesentlich zum Rollenrepertoire des Jungen Deutschen Films bei, wo er in kritischen Heimatfilmen (als Räuber in “Jaider – Der einsame Jäger”) und den Filmen von RWF auffiel. Johns Spezialität wurden haltlose Charaktere, ob sie in der ehemaligen DDR auftauchten (Affäre mit Angelika Domröse als Oma in Heiner Carows “Verfehlung”, 1991) oder in der Konsumgesellschaft des Westens (“Pattbergs Erbe“).

In den letzten Jahren war John vor allem für das Fernsehen tätig (u.a. als Cicero in dem Zweiteiler “Mein Vater, der Kaiser”, als Henri d’Armagnac in “Julie – Agentin des Königs“, dem TV-Debüt von Romy Schneiders Tochter Sarah Biasini sowie in dem Historiendrama “Störtebeker“, in der er einen skrupellosen Patrizier spielt, der die Eltern der späteren Piratenlegende ermordet), ist aber zuweilen auch auf der großen Leinwand zu sehen, so als Schulrat im Familienfilm “Das Sams in Gefahr” und als korrupter Polizei-Chef in Mark Schlichters “Cowgirl”.

Mit 58 Jahren schrieb John den hochspannenden autobiografischen Roman “Bekenntnisse eines Unerzogenen”, der seine abenteuerliche Lebensgeschichte, die er mit 17 begonnen hatte (das Manuskript versank damals mit dem Kahn in der Seine), fortschreibt. Darin findet sich sein Motto: “Alles ist, wie es sein soll. Das sehe ich bis heute so und mache keine Pläne. Ich will wach bleiben, will den Wert von Situationen erkennen, sie nutzen, wenn sie mir zufallen. Ich verdanke meiner Mutter, dass ich loslassen kann und keinen Ort für Heimat brauche.”

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