Ein drittklassiger Action-Regisseur inszeniert das Leben eines der größten Filmemacher aller Zeiten?
Wenn sich Damian Chapa da mal nicht zuviel vorgenommen hat. Lediglich ein paar trashige Action-Filme hat der Filmemacher bisher vorzuweisen, von denen es bis auf die miserable Videospiel-Adaption "Street Fighter" mit Jean-Claude van Damme und Kylie Minogue keiner je ins Kino schaffte. Ausgerechnet dieser Mann will nun das Leben einer echten Leinwand-Legende auf Zelluloid bannen. Chapa plant ein Biopic über Roman Polanski.
Der Kultregisseur ist ein Mythos, mit Meisterwerken wie "Tanz der Vampire", "Rosemaries Baby" und zuletzt dem oscar-gekrönten Holocaust-Drama "Der Pianist" schrieb er Filmgeschichte. Doch nicht nur auf der Leinwand ist der Pole ein Mann für große Tragödien, sein eigenes Leben ist ebenfalls voll davon: Polanskis Mutter wurde 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet, der zehnjährige Roman musste sich bei einem Bauern im Kuhstall vor den Nazis verstecken. 1969 wurde dann Polanskis hochschwangere Frau Sharon Tate vom rassistischen Sektenführer Charles Manson ermordet.
Für den größten Skandal sorgte Polanski 1977, als er bei einem Fotoshooting angeblich die damals 13-jährige Samantha Gailey vergewaltigte. Zuvor soll er sie mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht hatte. Polanski einigte sich zwar zunächst außergerichtlich mit Gaileys Mutter, doch ihm droht weiterhin eine Haftstrafe von bis zu 50 Jahren. Der Regisseur floh nach Paris, wo er auch heute noch lebt. Seinen Oscar für "Der Pianist" konnte Polanski 2003 nicht persönlich entgegennehmen, da US-Behörden ihn sofort bei der Einreise festnehmen würden - obwohl sich sein damaliges Opfer für eine Begnadigung ausspricht.
Der Film über das Leben der Regie-Ikone soll treffend "Polanski" heißen, Regisseur Chapa will auch selbst vor der Kamera stehen, als Romans langjähriger Weggefährte und Lieblingsproduzent Gene Gutowski. Ein Hauptdarsteller ist noch nicht gefunden, obwohl schon im Januar in Belgien, Polen und in Hollywood gedreht werden soll.