Französischer Skandal-Regisseur, Autor, Produzent und Schnittmeister. Gaspar Noé hat im Lauf seiner Karriere mit mehreren Kurzfilm und den zwei Spielfilmen "Menschenfeind" (1998) und "Irreversibel" (2002) für angekündigte Aufregung gesorgt. Seine nihilistische Sichtweise der Gesellschaft und die radikale Bildsprache seiner in extremem Breitwandformat gedrehten Filme machen die Werke zu schwer verdaulichen Arbeiten und führten wegen der Gewaltszenen zahlreiche Zuschauer zum Verlassen des Kinosaals.
Gaspar Noé wurde 1963 in Bunenos Aires als Sohn eines argentinischen Malers geboren und ging mit zwölf Jahren mit der Familie nach Paris. Er absolvierte die Ecole Louis Lumière, assistierte Regisseur Fernando E. Solanas 1985 bei "Tangos - Das Exil Gardels" und inszenierte mehrere Kurzfilme. Sein Kurzfilm "Carne" (1991) führte die Figur des von Philippe Nahon gespielten Pferdeschlachters ein, Hauptperson im Langfilm "Seuls contre tous - Menschenfeind" und Nebenfigur in "Irreversibel".
In "Carne" hat der Schlachter in Paris ein inzestuöses Berhältnis zu seiner Tochter und attackiert, weil er glaubt, sie sei vergewaltigt worden, den nächstbesten Araber. In "Menscheinfeind" kehrt er aus der Haft zurück und lebt in einer lieblosen Beziehung mit einer schwangeren Kneipenwirtin in Lille. Nach einem Gewaltausbruch, der zum Schwangerschaftsabbruch führt, fährt er, mit einer Pistole bewaffnet, nach Paris und will seine Tochter aus dem Heim holen. In "Irreversibel" verkündet er zu Beginn in einer Zelle seine Philosophie von der Zeit, die alles zerstört.
"Irreversibel" wurde der Skandalfilm in Cannes 2002, ist rückwärts erzählt und führt Monica Bellucci nach einem Streit mit ihrem Freund (Vincent Cassel) in einen Straßentunnel, wo sie in einer ungeschnittenen achtminütigen Sequenz brutal vergewaltigt und gedemütigt wird. Noés Glaube an die Unmöglichkeit des Glücks macht diesen wie die anderen Filme zu den düstersten Gesellschaftsvisionen in der Geschichte des Films.
2006 beteiligte sich Gaspar Noé an den Episodenfilmen "Restricted" mit einer erotischen Geschichte um eine Babysitterin und an "8" mit der Episode "SIDA" über einen aisdinfizierten Mann in einem Hospital in Burkina Faso. Er inszenierte Musikvideos und 2005 drei Kurzfilme über das tschechische Model Eva Herzigová.
Gaspar Noés "Carne" wurde 1991 in Cannes als Bester Kurzfilm ausgezeichnet; "Menschenfeind" erhielt 1998 in Cannes den Mercedes-Benz-Preis; "Irreversibel" gewann 2002 in Stockholm das Bronzene Pferd.
Treffen der Klassenbesten in Cannes
Die Spekulationen haben sich bestätigt. Das Line-up für das 62. Festival de Cannes liest sich wie ein Klassentreffen der Cannes-Lieblinge. Einen deutschen Regisseur sucht man zwar vergeblich, dafür ist "Das weiße Band" vom Österreicher Michael Haneke dabei. Und um die französischen Titel wurde bis zur letzten Minute noch heftig gerungen.
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Der Animationsfilm "Oben" weist den Weg für das Festival (Foto: Walt Disney)
Unter den für den Wettbewerb ausgewählten Filmemachern haben neun in der Vergangenheit bereits wichtige Preise in Cannes gewonnen. 15 haben wenigstens einmal am Wettbewerb teilgenommen; ein weiterer war wenigstens schon einmal bei einem A-Festival im Wettbewerb vertreten. Es ist kein Regiedebütant im Wettbewerb zu finden.
Und auch einen deutschen Regisseur sucht man in diesem Jahr vergeblich, obwohl zu einem früheren Zeitpunkt einmal Fatih Akin ins Spiel gebracht worden war - doch sein neuestes Werk "Soul Kitchen" ist offenbar nicht rechtzeitig fertig geworden. Dafür ist "Das weiße Band" vom Österreicher Michael Haneke mit von der Partie.
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Mit "Drag me to Hell" kehrt Sam Raimi zu seinen Wurzeln als Horror-Meister zurück (Foto: Universal)
Der Eröffnungsfilm geht nach "Oben"
Um die französischen Titel soll bis zur letzten Minute noch heftig gerungen worden sein, wie man hört. Mit vier Filmen ist das Gastgeberland erneut stark im Wettbewerb vertreten. So wurde Alain Resnais mit "Les herbes folles" eingeladen. Jacques Audiard reist mit "Un prophète" an. Gaspar Noé kehrt mit "Enter the Void" an die Croisette zurück und Xavier Giannoli zeigt "À l'origine" mit Gérard Depardieu. Abschlussfilm (außer Konkurrenz) ist Jan Kounens "Coco Chanel & Igor Stravinsky".
Die USA stellen neben dem Eröffnungsfilm, "Oben" von Peter Docter und Bob Peterson noch zwei Filme: Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" - eine deutsche Koproduktion - und Ang Lees "Taking Woodstock". Außer Konkurrenz wird außerdem Sam Raimis "Drag Me to Hell" gezeigt.