Einer der großen Komödienspezialisten des französischen Kinos ist der Drehbuchautor und Regisseur Francis Veber. Er gehört zu den wenigen Autoren,... - Foto: http://images.kino.de/flbilder/max02/mbiz02/mbiz26/z0226505/b150x150.jpg Francis Veber

Steckbrief

Francis Veber


  • Geburtstag
    28.07.1937
  • Geburtsort
    Neuilly-sur-Seine

Einer der großen Komödienspezialisten des französischen Kinos ist der Drehbuchautor und Regisseur Francis Veber. Er gehört zu den wenigen Autoren, die auch die US-Remakes von bislang zwei ("Das Bankentrio" und "Dinner für Spinner") ihrer Erfolgskomödien selbst inszenierten: "Ich habe mich eigentlich nie als waschechten Franzosen gesehen. Ich hielt mich eher für einen Kosmopoliten. Aber irgendwann musste ich wohl einsehen, dass da irgendwo in mir ein ziemlich dominantes französisches Chromosom vorhanden ist. So lebe ich nun in Amerika und produziere unverwechselbar französischen Humor." Dieser ist bittersüß und weniger eindimensional als der der meisten Filme.

Veber ist Meister in der Kunst der gezielten Verblüffung des Zuschauers, der den Weg einer scheinbar vertrauten Filmhandlung zu kennen glaubt und dann durch eine plötzliche Wendung auf einen völlig anderen Weg geführt wird. So beginnt "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh" (Regie: Yves Robert), der Pierre Richard zum Star machte, als Spionagekomödie, wechselt zur Groteske und endet in einer raffinierten Kriminalkomödie. Mit seinen Lieblingsdarstellern Pierre Richard und Gérard Depardieu drehte Veber in den 1980ern drei Erfolge hintereinander: In "Ein Tolpatsch kommt selten allein" sucht Detektiv Depardieu mit dem unter Gedächtnisverlust leidenden Richard nach einer entführten Frau, in "Zwei irre Spaßvögel" forschen Depardieu und Richard auf Wunsch ihrer ehemaligen gemeinsamen Geliebten nach dem Sohn, von dem jeder annimmt, er wäre sein Kind, und in "Zwei irre Typen auf der Flucht" (im US-Remake mit Nick Nolte und Martin Short) zwingt der arbeitslose Richard den haftentlassenen Gauner Depardieu bei einem absurden Banküberfall zur unfreiwilligen Teilnahme und Flucht vor der Polizei.

Die Konstellation ungleicher Paare erprobte Veber weiterhin in "Das Spielzeug" mit der Kombination eines verwöhnten reichen Jungens und dessen erwachsenen Erziehers. In seinem Sensationserfolg "Ein Mann sieht rosa" (6 Millionen Zuschauer in Frankreich) steigt ein kleiner Buchhalter (Daniel Auteuil) durch eine lancierte Denunziation, er sei schwul, zum attraktiven Betriebsmitglied auf und wird bester Freund des früheren Schwulenhassers und Coach der Rugbymannschaft (Depardieu). In der Komödie "Dinner für Spinner" (César für Drehbuch, Haupt- und Nebendarsteller), einer der für Veber typischen intelligenten Salonkomödien, wird ein reicher Verleger (Thierry Lhermitte) durch einen jener titelgebenden "Spinner" (Jacques Villeret), auf deren Kosten sich seine Tafelrunde übersättigter Unternehmer amüsiert, aus seiner Lebensbahn geworfen. Für das US-Remake konnte der Franzose Kevin Kline verpflichten.

Vebers Dialogkunst zeigte sich auch in der Arbeit für andere Regisseure: Unter anderem in der Killerkomödie "Die Filzlaus" (mit Lino Ventura und Jacques Brel), in "Daddy Cool - Mein Vater, der Held" (mit Depardieu im Vater-Tochter-Clinch) und in der 007- Spionageparodie "Le Magnifique" (Regie: Phillippe de Broca) mit Jean-Paul Belmondo und Jacqueline Bisset, die an Wort- und Bild-Witz, Originalität, Tempo und Einfallsreichtum sämtliche "Austin Powers"-Folgen spielend übertrifft.

2004 erschien in der Komödie "Ruby & Quentin - Der Killer und die Klette" ein neuer Filmpartner für Depardieu. Der international erfolgreiche Jean Reno wurde für die Rolle des stoischen Killers Ruby unter Vertrag genommen. 2006 folgte die Komödie "La Doublure" mit Daniel Auteuil und Kristin Scott Thomas und zwei Jahre später "L'Emmerdeur", eine Adaption der 1973 von Edouard Molinaro nach seinem Drehbuch inszenierten Komödie um ein ungleiches Männerpaar. Die Hauptrollen wurden mit Richard Berry und Patrick Timsit besetzt.

  • Geburtstag
    28.07.1937
  • Geburtsort
    Neuilly-sur-Seine
  • Geburtsland
    Frankreich

"Eine Komödie bedeutet Schwerstarbeit"

Jean Reno als eiskalter Profigangster und Gérard Depardieu als dümmlicher Kleinganove kitzeln in dem Buddy-Movie "Ruby & Quentin - Der Killer und die Klette" die Lachmuskeln. Wie bereits bei zehn anderen Veber-Stoffen wird es auch dazu bald ein US-Remake geben.

Großansicht Francis Veber führt Regie bei "Ruby & Quentin" (Foto: Splendid)

Francis Veber führt Regie bei "Ruby & Quentin" (Foto: Splendid)

» "Ruby & Quentin" gilt als klassische Veber-Komödie. Was heißt das?

FRANCIS VEBER:

Ich kann mein Kind nicht selbst beurteilen. Selbst wenn es potthässlich ist, scheint es mir als Vater schön. Auch bei "Ruby & Quentin - Der Killer und die Klette" stimmen die Leute mit der Kinokarte ab. Mein Ideal als Komödienregisseur heißt, möglichst viele Zuschauer zu erreichen und zum Lachen zu bringen.

Eine Komödie bedeutet Schwerstarbeit. Man hat das Gefühl, mit einem Hammer aus einem Stück glitschiger Seife eine Skulptur zu formen. Auf der Leinwand wirkt alles so leicht, wie bei Jongleuren, die mit sechs Bällen spielen. Manchmal müssen sie einen Ball fallen lassen, damit das Publikum merkt, welche Mühe dahintersteckt.

Großansicht Sie "spielen" miteinander: Reno und Depardieu (Foto: Splendid)

Sie "spielen" miteinander: Reno und Depardieu (Foto: Splendid)

» Humor ist sehr national bestimmt. Nach welchem Rezept komponieren Sie Ihre international erfolgreichen Filme?

Man kann ein Weltpublikum erreichen, wenn man seinen persönlichen Stil kultiviert und sich nicht von Eintagsmoden beirren lässt.
Ich versuche nie, Humor zu internationalisieren, sondern beziehe mich auf meine eigenen Wurzeln. Das macht ihn grenzüberschreitend verständlich. Wenn ich als Regisseur dazu noch das Vertrauen der Schauspieler genieße, kann eigentlich nichts schief gehen.

» Mussten Sie Ego-Pflege bei Jean Reno und Gérard Depardieu betreiben?

Überhaupt nicht. Diese beiden Schwergewichte sind souverän, müssen sich nichts mehr beweisen. Jean Reno ist ein sehr ruhiger Mensch, Depardieu wirbelt dagegen wie ein Verrückter herum. Ein harmonisches Paar, das sich blendend verstand und ergänzte.

Großansicht Ruby (Reno) braucht psychatrische Hilfe (Foto: Splendid)

Ruby (Reno) braucht psychatrische Hilfe (Foto: Splendid)

» Wie sieht es mit einem amerikanischen Remake aus?

Produzent John Calley plant für Sony ein Remake. Ich werde als ausführender Produzent ein Auge auf das Drehbuch werfen.

» Wenn Sie zu einem Remake das Drehbuch schreiben oder inszenieren - ist es Spaß oder Pflichtübung?

Wenn man in Amerika etwas werden will, gehört das dazu, weil die Zuschauer keine synchronisierten oder untertitelten Filme akzeptieren, außer vielleicht "Die Passion Christi". Zehn meiner Stoffe als Autor oder Regisseur wurden zu Remakes verarbeitet, demnächst auch "Ein Mann sieht rosa". Steven Spielberg hat für Dreamworks die Rechte an "Dinner für Spinner" gekauft, aber meinem Agenten gegenüber seltsamerweise nie das Wort Remake benutzt.

» Sie leben in Los Angeles, zieht es Sie nicht zurück nach Frankreich?

Warum? Ich liebe den American Way of Life. Wenn ich einen Film in Frankreich drehen will, werde ich mit offenen Armen empfangen. Seit 15 Jahren lebe ich gut und gern in Los Angeles, die ersten sechs Jahre für Disney als eine Art Script Doctor. Da habe ich viel gelernt, auch den Unterschied zwischen der amerikanischen und der europäischen Art zu schreiben.

Großansicht Depardieu und Veber: Die Zusammenarbeit war sehr locker. (Foto: Splendid)

Depardieu und Veber: Die Zusammenarbeit war sehr locker. (Foto: Splendid)

» Wie steht es mit den Chancen für den europäischen Film?

Nicht schlecht. Die US-Studios ähneln großen Kriegsmaschinen, für die nur der Blockbuster zählt. Wenn ein Film an der Kasse funktioniert, kommt das Sequel so sicher wie das Amen in der Kirche: "Shrek 2", "Spider-Man 2" usw. Inspiration und Ideenreichtum sind perdu. Europäer müssen sich auf das Besondere konzentrieren. Da liegt unsere Kraft und Chance.

US-Komödien wie "Die Wutprobe" oder "Haus über Kopf" sind einfach gestrickt. Da sind die Europäer weiter, denken Sie an "Ganz oder gar nicht" oder "Good Bye, Lenin!", ein durch und durch deutscher Film - und dennoch haben sich die Leute auch in den USA halb totgelacht.

» Wie sieht es mal wieder mit einem amerikanischen Projekt aus?

Gerade habe ich eine amerikanische Adaption von "Die Filzlaus" für das Theater verfasst und einem Agenten am Broadway geschickt. Ein weiteres US-Filmprojekt ist am Köcheln.


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