Ob Oscars, Grammys, Golden Globes: Die ergreifendsten Momente großer Ehrungen sind und bleiben doch, wenn die Stars - gerne zu Tränen gerührt - spontan Mikro und Wort ergreifen.
Forest Whitaker bringt auch sprachlich Farbe in Dankesreden - wenngleich bruchstückhaft (Foto: Kurt Krieger)
Sie danken, gedenken, weinen, widmen - Forest Whitaker versucht neuerdings sogar das Stammeln fest zu etablieren. Ganz offen, ganz spontan, die Seele entblößt und nackt finden die Erwählten dennoch Worte für die Ewigkeit. "Der Schlüssel zu einer guten Ansprache sind Dankbarkeit, Anerkennung und Ernsthaftigkeit", behauptet dazu ein Sprecher der Rhetorik-Vereinigung Toastmasters International. Nicht zu vergessen: Ein guter Redenschreiber. Hollywood-üblich setzt man auch hier nämlich lieber auf Profis. Vor allem, angesichts der simplen Finanz-Formel: Oscar + rührende Rede = Spitzengage.
Leider könnte es dieses Jahr etwas eng werden auf dem Mietschreiber-Markt: Mit dem Ausstand der Drehbuchautoren versiegt auch die Hauptquelle für zündende Worte während der Award-Segen. Die streikenden Kreativlinge sind nun mal die besten Verbal-Jongleure der Traumfabrik. Und jetzt können sie via Arbeitsverweigerung zuschlagen, wo es wirklich schmerzt: Im Angesicht von ca 50. Millionen Show-verwöhnten Zuschauern der Oscar-Verleihung. Auch Bruce Vilanch, ehedem Top-Schreiber für Oscar-Reden, mutmaßt hämisch: "Es wird schon eine Oscar-Show geben. Aber ich fürchte, sie wird mehr denn je eurer Schulabschlussfeier ähneln."
Furcht vor GefaselAlso selbst ist der Star? Wohl kaum: Menschen, die sonst fürs Auswendig lernen bezahlt werden, sind nur selten besonders talentiert fürs Ersinnen authentisch klingender Dankbarkeit. Was nicht heißt, dass die mit dem dicksten Ego, resp. den größten Realitätsverlusten es nicht versuchen werden. Ihnen helfe Gott. Und wer hat mal wieder gut Schmunzeln? Genau: Michael Moore. Denn auf das legendäre "Shame on you, Mr. Bush" ist der Oscar-Rüpel ziemlich sicher auch ohne fremde Hilfe gekommen. Und kein kunstvoll gedechseltes Verbalwunderwerk hat je während einer Verleihung größere Wirkung gezeigt, als seine fünf dünnen Worte.